Sonnige Gemüter im Regen

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Das Publikum verzog sich unter Schirme und Dächer, wird den feuchtesten Tag seit langem aber wohl mit sonnigen Erinnerungen verbinden. Und einigen Gästen war der Regen schlicht egal.

Offenbach - „Ich seh’s - da, die Sonne kommt raus.“ Klaus Schmitt vom Duo Ohrenschmaus versuchte, dem Publikum Mut zu machen. Sonne, das blieb ein frommer Wunsch. Von Franziska Ehrhardt

Schon zu Beginn der Freiluftveranstaltung „Rock meets Comedy“ im Hof des Büsingpalais regnete es in Strömen, die Gäste drängten sich unter den großen Schirmen und in den überdachten Seitengängen, die Bierbänke blieben weitgehend leer.

Allein ein paar Unerschrockene, wetterfest gewandet, setzten sich der gar nicht sommerlichen Witterung aus. Und den Spaß ließ sich sowieso niemand verwässern.

Das Duo Ohrenschmaus nicht, wie es gut gelaunt mit ein paar Zeilen von „I’m Singin’ In The Rain“ klarstellte. Auch dass das Publikum zahlenmäßig eher überschaubar blieb, konnte die Mühlheimer Urgesteine nicht schrecken: „Bitte zur Bühne vorrücken, damit die Leute, die da hinten anstehen, in zwei oder drei Stunden auch eine Chance haben, reinzukommen!“, witzelten sie.

Von äußeren Umständen unbeeindruckt, gaben die Gitarrenakrobaten Klaus Schmitt und Matthias Spahn gut eineinhalb Stunden ihre Mundartpoesie zum Besten, die vor nichts und niemandem Halt machen will. Die Spaßmacher nahmen sich bekannte Songs vor, verfeinerten sie mit eigenen, hessischen Texten. Dabei nehmen sie mit ihren Liedern und ihren unverwechselbaren Plaudereien nicht nur sich selbst, sondern alles aufs Korn, was ihnen unterkommt. Besonders textsicher erwies sich das Publikum bei Liedern wie „Äppelbaum“ oder „Der Kartoffelmann“. Als humoristische Schwerpunkte ihrer musikalischen Späße erwiesen sich aber vor allem zwei vertraute Themen: Fußball und Alkohol, präziser in der lokalen Ausformung: OFC und Äppelwoi. So sang das Duo vom Wunsch nach einem gerippten Sarg und einem Bembel-Grabstein, intonierte Hymnen über den Mühlheimer Schoppe-Mogul „Lodda“ und über die fußballerische „Macht am Main“ auf dem Bieberer Berg – wer keinen Schirm in der Hand hatte, der klatschte ausgelassen mit. Das augenzwinkernde Lied „Offebach-Post“ versah das Duo mit einer launigen Extra-Strophe zum Derby zwischen den Kickers Offenbach und der Frankfurter Eintracht.

Wenn das Duo Ohrenschmaus seine Kunst zelebriert, spielt die Großwetterlage keine Rolle. Und auch WonderVoice & Band sowie die Glitter Twins verschwendeten beim „Rock meets Comedy“ keinen Gedanken daran, sich vom Nass die Lust auf ihren Auftritt verwässern zu lassen.

Später konnte man sich nicht nur auf die zweite Band freuen, sondern auch darüber, vorübergehend den Schirm aus der Hand legen zu können. Das nutzte die Formation WonderVoice & Band, um dem Publikum mit einem Querschnitt durch Rock, Pop und Soul richtig einzuheizen. Die Gruppe um die Sänger Markos Daroglou und Frank Skibinski hatte bereits im vergangenen Jahr zur Offenbacher Woche die Besucher begeistert. Eine ausgewogene Mischung aus Höhepunkten vergangener Tage und aktuellen Songs sorgte dafür, dass für jeden etwas dabei war – vom Flashdance-Song „Maniac“ über U2s „Beautiful Day“ und Grönemeyers „Männer“ bis hin zu „Pokerface“ von Lady Gaga.

Und bei „Kiss“ von Prince trieb es der Schlagzeuger so wild, dass die Fußmaschine des Instruments abbrach. Die kurze Reparaturphase überbrückte die Band mit „echter deutscher Folklore“ und erheiterte mit einer A-Cappella-Version von „Patrona Bavariae“. Leider öffnete pünktlich zu „Purple Rain“ der Himmel seine Schleusen erneut.

Den krönenden Abschluss der abendlichen Trilogie bildeten die Rolling-Stones-Imitatoren Glitter Twins aus Bruchköbel. Ihre Begeisterung für die englische Rockband hatte die Musiker bereits vor mehr als 20 Jahren zusammengebracht, und angelehnt an das Pseudonym „Glimmer Twins“ für Mick Jagger und Keith Richards haben sie sich seitdem dem Ziel verschrieben, mit ihrem Tribut an die Stones ordentlich Stimmung zu verbreiten. Das gelang ihnen auch im Büsinghof scheinbar mühelos.

Frontmann Fips Jagger machte sich sogleich daran, mit Hits wie „Ruby Tuesday“ und „Satisfaction“ das Publikum unter den Schirmen hervorzulocken. Stones-Musik bis zum Umfallen hatte die Coverband versprochen und damit nicht übertrieben. Denn frühe Hits reihten sich fast ohne Atempause an Dauerbrenner und aktuelle Songs. Fips Jagger tanzte sich die Seele aus dem Leib – und gab dem Regen doch noch einen Sinn, indem er die Biertische auf dem Platz kurzerhand als Verlängerung der Bühne interpretierte.

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