Nur noch Spielhalle in City-Passage

Schließung: Nun auch keine Wurst mehr

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Alles hat ein Ende, auch die Wurst: Eine der letzten Kundinnen vor der Schließung.

Offenbach - Die City-Passage in bester Lage der Frankfurter Straße ist seit Jahren ein Sorgenkind und nicht nur der Stadtplanung ein Dorn im Auge. Auch viele Passanten beklagen den grauen und verwahrlosten Gebäudekomplex. Jetzt ist dort auch die letzte Wurst gegessen. Von Sarah Neder 

Die Metzgerei Erich Zeiss hat ihre Filiale geschlossen. „Für uns hat sich der Standort nicht mehr gelohnt“, erfährt die Redaktion aus der Hanauer Zentrale. Weil sonst nichts mehr in die Passage lockt, sind auch bei Zeiss die Kunden weggeblieben. Praktisch der Todesstoß war der Auszug von Tchibo Ende 2013. Seitdem ist der Umsatz noch weiter gesunken. Man habe das Mietverhältnis einvernehmlich mit Immobilien-Besitzer Rolf Schwind gekündigt, heißt es in der Zeiss-Zentrale.

Fatal ist die Entscheidung für die bisherige Filialleiterin, die namentlich lieber nicht genannt werden möchte. Sie hat das Geschäft erst im Februar dieses Jahres übernommen – wie sie sagt, unter der Voraussetzung, den Laden noch bis September führen zu dürfen. Die 24-Jährige war nicht Angestellte, sondern selbstständige Agenturpartnerin von Zeiss. Diese regionale Großmetzgerei bedient sich wie viele Fast-Food-Ketten eines Franchise-Systems.

Überraschende Kündigung

Dass die überraschende Kündigung das Vertragsverhältnis bereits im April beendete, ist für die Fleischwarenfachverkäuferin ein Schock: „Ich habe so viel Arbeit in den Laden gesteckt, und dann das!“ Wie mit ihr umgegangen wurde, hält die junge Frau mindestens für fragwürdig. Allerdings hat auch sie bemerkt, dass immer weniger Kunden kamen. Am Zeiss-Sortiment kann’s nicht liegen. Die nicht weit entfernte zweite Filiale nahe dem Marktplatz brummt. Ob es einen Nachmieter für das Ladengeschäft gibt, ist offen. Bei der Firma Schwind in Aschaffenburg, wo man mit dem Leerstand in Offenbach offenbar gut zurecht kommt, ist momentan nichts zu erfahren.

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Neue Pläne zur City-Passage

Über die Zukunft der Immobilie aus den späten 70er Jahren wird schon länger spekuliert und diskutiert. Seit mehr als zehn Jahren existieren Pläne für den Umbau der City-Passage. Ein Investor aus Unterfranken wollte 2009 alles komplett abreißen und das Grundstück neu bebauen lassen. Es sollte eine moderne Ladenzeile errichtet werden, genannt wurden Mieter wie der Elektronikmarkt Saturn oder das Modehaus C&A. Wie es im Rathaus heißt, ist nie ein allen Anforderungen genügender Bauantrag dafür eingegangen.

Der Knackpunkt, warum sich seit Jahren nichts tut, ist die letzte verbliebene Nutzung im Komplex. Bis 2017 läuft der Mietvertrag von Werner Brendel, der auf 800 Quadratmetern eine florierende Spielhalle betreibt. Brendel will nur vorzeitig ausziehen, wenn er eine Entschädigung in Millionenhöhe erhält oder ihm die Stadt ein Objekt in derselben Größenordnung anbieten kann. Daran hat die Stadt aber wenig Interesse. Zudem ändert sich die Rechtslage für Spielhallenkonzessionen derart, dass eine solche Konzentration von Geldspielautomaten wie in der City-Passage nicht mehr zulässig wäre.

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