Soziale Ader nie verloren

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Entspannte Tipps für den Nachfolger und einstigen Ziehsohn? ESO-Chef Peter Walther (links) soll mit Dieter Lindauer an der Seite in der Ära nach Joachim Böger das Schiff SOH steuern.

Offenbach ‐ Der Oberbürgermeister plauderte Erbauliches vom Schorsch und vom Jochen aus: wie der damalige ESO-Chef Joachim Böger einen Mitarbeiter mit beschränkter Leistungsfähigkeit einstellte und dieser ihm fortan bei jeder Gelegenheit auf dem Betriebsgelände dankbar um den Hals fiel. Von Thomas Kirstein

Was Horst Schneider gestern bei der offiziellen Verabschiedung des Stadtwerke-Geschäftsführers vor fast 200 Gästen erzählte, beleuchtet eine besondere Facette des Joachim Böger. Der gebürtige Klein-Krotzenburger, der mehr als 25 Jahre in leitenden Positionen für die Stadt verwaltete und gestaltete, hat als Manager nie seine soziale Ader verloren.

Die lobte während der Veranstaltung im Stadtverordnetensitzungssaal auch Peter Firner, der Cheftrainer des Boxclubs Nordend. Die bundesweit mit Präventionspreisen überhäufte und sportlich erfolgreiche Einrichtung verdankt Böger viel, nicht nur die neue Trainingshalle.

„Ihm waren immer Kinder und Jugendliche wichtig“

Soziales Engagement stand auch am Anfang der Karriere bei der Stadt Offenbach, die der im Mai 60 gewordene Joachim Böger auf eigenen Wunsch beendet. Das ehrenamtliche Engagement im Jugend-Club 32 brachte dem zum Diplom-Soziologen avancierten Bankkaufmann den ersten Geschäftsführerposten, bei der GOAB, ein. „Ihm waren immer Kinder und Jugendliche wichtig“, sagte der OB.

Einen nicht nur wegen der ehelichen Verbindung mit der Kunstberaterin Monika Reitz kunstsinnigen Joachim Böger zeichnete Dr. Stefan Soltek, der Leiter des Klingspormuseums, das auch vom Interesse des Stadtwerke-Geschäftsführers profitierte.

Das ästhetische Empfinden des ebenso kernigen wie feinfühligen Mannes nahmen die engen Mitarbeiter auf die Schippe. Zur Melodie von „Mein kleiner grüner Kaktus“ besangen sie unter anderem Bögers strenge Vorgaben für die Gestaltung der Büros im sanierten Firmensitz an der Senefelderstraße.

Ich hätte mir sehr gewünscht, dass Joachim Böger seinen Vertrag verlängert hätte“, meinte OB Horst Schneider und hob eine gemeinsame Leistung hervor, die verhinderte, dass die Stadtwerke Holding (SOH) handlungsunfähig geworden wäre, und stattdessen Wichtiges voranbringt: 2008 verlangte der Regierungspräsident, die SOH solle 30 Millionen Euro aus ihrem Vermögen in den defizitären Stadthaushalt pumpen. Das konnte man vermeiden, indem die Stadt der SOH für 20 Millionen Euro Grundstücke verkaufte, die jetzt entwickelt und - beispielsweise für den Neubau des Polizeipräsidiums auf dem Buchhügel - vermarktet werden können. Gleichzeitig wurde die SOH zur Stadtentwicklungsgesellschaft, die Projekte wie Stadionneubau, Sportzentrum Neubaugebiet An den Eichen bewältigen soll.

Seinen Nachfolgern gab Joachim Böger mit auf den Weg, dass es auch für sie nicht ohne Konflikte im Spannungsfeld von Politik und Konzerngesellschaften abgehen werde. Er wünschte Peter Walther und Dieter Lindauer eine zupackende Art, um damit umgehen und klare Position beziehen zu können. Was er bescheiden nicht hinzufügt: So wie er es stets gehalten hat.

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