Soziales Handeln ganz praktisch

Offenbach - Die Evangelische Kirche will Jugendliche motivieren, Verantwortung zu übernehmen und sich ehrenamtlich zu engagieren. In einem Pilotprojekt an der Schillerschule probieren sich Jungen und Mädchen der 8. Klasse in einem Kurz-Praktikum in diakonischen und sozialen Einrichtungen unter evangelischer Trägerschaft aus.

Statt Hausaufgaben machen zu müssen, lernen sie die Schulseelsorge der Erich-Kästner-Schule kennen, arbeiten im Second-Hand-Kaufhaus Bornheim, helfen in der Teestube an der Gerberstraße, unterstützen Hausaufgabenhilfen verschiedener Schulen, lernen Kindertagesstätten und -treffpunkte kennen.

In Zweier- oder Dreiergruppen besuchen die 27 Teenager die jeweilige Einrichtung insgesamt viermal in ihrer Freizeit. Angesiedelt ist das Projekt im Ethikunterricht von Manfred Jansohn. Der evangelische Pfarrer wird dabei von der Religionspädagogin Stephanie Ludwig unterstützt. Gemeinsam begleiten sie die 13- und 14-Jährigen und arbeiten deren Erfahrungen in den verschiedenen Einrichtungen auf. Ludwig: „Das Projekt soll Lust machen und dafür werben, sich sozial zu engagieren.“

Wie Dekanin Eva Reiß erläutert, bemühe sich die Kirche darum, sich mit Schulen zu vernetzen. Die jungen Leute lernen im aktuellen Projekt Einrichtungen kennen, von denen sie vorher noch nie etwas gehört hatten. „Wir haben Angebote zu machen: Diese Begegnung kann vielleicht auch die Scheu abbauen, sich helfen zu lassen und diese Hilfe eben auch annehmen zu können.“

Manfred Jansohn ist indes froh über diese Möglichkeit, einen handlungsorientierten Unterricht anbieten zu können. Die jeweiligen Einrichtungen werden im Unterricht vorgestellt, am Ende gibt es eine Abschlusspräsentation jeder Gruppe. „Ladet ihr mich dazu ein?“, hofft die Dekanin.

Die jungen Menschen profitieren in mehrfacher Hinsicht von dem Projekt: Sie lernen völlig andere Menschen kennen und erleben, dass ihnen etwas zugetraut wird. Das stärkt auf alle Fälle das Selbstbewusstsein und eröffnet möglicherweise sogar neue Perspektiven für die Berufswahl. Vor allem aber erweitert es ihre sozialen Kompetenzen.

So wie Lara Rammo: Die 14-jährige hat im offenen Treff der Paul-Gerhardt-Gemeinde assistiert, dort mit Kindern gespielt, vorgelesen und bei den Hausaufgaben geholfen. Obwohl sie sich anfangs etwas anderes darunter vorgestellt hatte, ist sie nun eigentlich ganz zufrieden.

Ihr Mitschüler Marco Bernau (13) hat im Frankfurter Sozialkaufhaus gearbeitet, Kleider und andere Waren sortiert und in der stark frequentierten Damenabteilung Kinder der Kundinnen beschäftigt: Er war erstaunt, dass es dort fast genauso aussieht wie in einem herkömmlichen Warenhaus: „Es ist vielleicht nicht so groß.“ Der größte Unterschied aber liegt im Einkommen der Einkäufer und derer, die dort arbeiten: „Man sieht, dass die Leute nicht so viel Geld haben.“ Dennoch ist die Begegnung mit den Menschen dort weniger problematisch als er anfangs dachte: „Inzwischen wird auch viel gelacht bei der Arbeit“, gibt er zu.

Beim ersten Besuch fühlten sich die Schüler nicht sonderlich wohl in ihrer Haut: „Es war ein bisschen fremd, weil man niemanden kennt“, verrät Lara. Doch inzwischen haben alle Schüler recht positive Erfahrungen gemacht.

Das Dekanat ist auf der Suche nach Schulen für weitere Kooperationen: Wer sich dafür interessiert, meldet sich unter 069 888406.

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