Nur ein Drittel des Bedarfs abgedeckt

Sozialwohnungen knappes Gut

Offenbach/Hanau - Menschen mit schmalem Geldbeutel drohen mehr und mehr vom Wohnungsmarkt in Offenbach abgekoppelt zu werden. Eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus soll Abhilfe schaffen. Von unseren Redaktionen

Dazu hat eine Studie vom Pestel-Institut jetzt für die Stadt Offenbach, aber auch für den Kreis Offenbach und für den Main-Kinzig-Kreis eine Bestandsaufnahme gemacht und den Bedarf an Sozialwohnungen ermittelt. Demnach haben derzeit rund 16.700 Haushalte in Offenbach Anspruch auf eine Sozialmietwohnung. Im Kreis sind es 21.800 Haushalte und im Main-Kinzig-Kreis sogar 24.620 Haushalte. Zu diesen Haushalten mit niedrigem Einkommen gehören Hartz-IV-Empfänger und Wohngeldbezieher. Ebenso Erwerbsunfähige und ältere Menschen, die von der staatlichen Grundsicherung leben.

Stadt Offenbach hat einen hohen Bedarf

Pro tausend Einwohner würden somit etwa in Offenbach 139 Sozialwohnungen benötigt. Die Stadt habe damit beim sozialen Wohnraum einen hohen Bedarf. Dieser liege sogar deutlich über dem Bundesdurchschnitt. „Aber längst nicht jeder, der einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hat, hat auch die Chance, eine zu bekommen. In ganz Hessen sieht es hier schlecht aus: Landesweit stehen nur für 32 Prozent der betroffenen Haushalte Sozialmietwohnungen zur Verfügung“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.

In den vergangenen Jahren seien in Hessen viele Sozialwohnungen vom Markt verschwunden. Hier klaffe eine enorme Lücke. „Dies trifft insbesondere Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner. Für Haushalte mit geringem Budget bezahlbare Wohnungen zu schaffen, ist eine der drängendsten sozialen Herausforderungen“, so Günther.

Das Pestel-Institut hat die Studie zum „Bedarf an Sozialwohnungen in Deutschland“ im Auftrag der Wohnungsbau-Initiative erstellt. Dazu haben sich neben der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) der Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB), die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) und der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zusammengeschlossen.

Rodgau ist eine Außnahme

Rodgau bildet eine Ausnahme: sie ist die einzige Stadt im Kreis Offenbach, die - mit Unterstützung durch Landeszuschüsse - derzeit in eigener Regie Sozialwohnungen baut. An der Ludwigstraße im Stadtteil Jügesheim stehen 20 Wohnungen kurz vor der Fertigstellung. 14 sind bereits vermietet. Die Kosten für Grundstück und Neubau sind mit 4,3 Millionen Euro veranschlagt. Das Land Hessen beteiligt sich mit 1,3 Millionen Euro, die Stadt zunächst mit 200 000 Euro. Die übrigen Baukosten werden durch lang laufende Kommunaldarlehen zu niedrigen Zinssätzen finanziert.

Die Wohnungsbau-Initiative fordert einen „Masterplan für den sozialen Wohnungsbau“ in Deutschland. Hier seien alle in der Pflicht: Bund, Land und Kommunen. Um dem Abwärtstrend bei den Sozialwohnungen entgegenzuwirken, setzt die Wohnungsbau-Initiative laut einer Mitteilung vom Donnerstag auf vier Maßnahmen: Neben dem Neubau von Sozialwohnungen komme auch der Ankauf von Belegungsrechten – und damit die Schaffung von „Sozialwohnungen auf Zeit“ – in Frage. Ebenso könne zusätzliches Bauland für den Mietwohnungsbau ausgewiesen werden. „Darüber hinaus kann die öffentliche Hand die Modernisierung von bestehendem Wohnraum fördern und dabei die Mieten deckeln“, sagt Günther. Im Fokus müsse hier die energetische und altersgerechte Sanierung stehen.

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