Sozialwohnungen

Offenbach kommt für Frankfurter auf

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Die Dekontaminierung des alten MAN-Geländes soll in den nächsten Wochen abgeschlossen sein, Baubeginn ist im Mai.

Offenbach - In Sozialwohnungen des künftigen Senefelderquartiers ziehen Empfänger aus Nachbarstadt. Von Veronika Schade 

Beim Hafen wurde es befürchtet, im Senefelderquartier wird es Wirklichkeit: Im neuen Wohngebiet auf dem ehemaligen MAN-Gelände hat die Stadt Frankfurt das Recht, die von ihr geförderten Wohnungen mit ihren Sozialhilfeberechtigten zu belegen. Da diese damit zu Offenbacher Bürgern würden, müsste die Lederstadt für Leistungen nach Sozialgesetzbuch aufkommen.

Damit würden sich die Befürchtungen von politischen Gegnern wie der CDU und den Republikanern bewahrheiten. Doch der Reihe nach. Wie berichtet, entsteht auf der gut 3,2 Hektar großen Industriebrache an der Christian-Pleß-Straße ein Quartier mit Kita, Nahversorgungszentrum, Park und eben Wohnungen. Investor ist die Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG, die sich das Projekt gut 37 Millionen Euro kosten lässt. Es entstehen 172 Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen im niedrigen und mittleren Preissegment. Davon werden 50 mit Mitteln des Landes als geförderter Wohnungsbau errichtet. 18 dieser Wohnungen liegen in der Verantwortung Offenbachs, für die anderen 32 ist Frankfurt zuständig.

„Entscheidung liegt bei uns“

Für diese schlägt, den Vorgaben des Landes entsprechend, das Frankfurter Wohnungsamt der ABG als Vermieterin potenzielle Mieter vor. Die übliche Praxis seien drei Bewerber pro Wohnung. „Wir haben vereinbart, dass uns ein deutlich größerer Pool vorgeschlagen wird“, sagt Geschäftsführer Frank Junker. Das Amt dürfe der ABG niemanden einfach zuweisen. „Die Entscheidung über unsere Mieter liegt allein bei uns.“ Wenn die Kandidaten den Vorstellungen nicht entsprächen, lasse man weiter suchen, bis jemand Passendes gefunden sei. „So machen wir es in Frankfurt seit Jahren“, sagt Junker.

Er betont, dass Wert auf eine sozialverträgliche Belegung und ausgewogene Mieterstruktur gelegt werde: „Wir würden uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir dort eine schlechte Nachbarschaft ansiedeln. Schließlich sind 122 Wohnungen frei finanziert und sollen für den Mietmarkt attraktiv sein.“

Die Menschen, die in die geförderten Wohnungen ziehen, seien zwar Leistungsberechtigt nach dem Sozialgesetzbuch, aber keineswegs nur Hartz-IV-Empfänger. „Es können junge Familien, Krankenschwestern, alleinerziehende Mütter sein – eben alle, deren Einkommen zu gering ist, um ohne Hilfe auszukommen“, betont Junker.

OB betont den Nutzen des Projekts

Oberbürgermeister Horst Schneider sieht in Offenbach einen Riesenbedarf an geförderten Wohnungen, was der Stadtstruktur geschuldet sei. Die Investition entspreche wohnungspolitischen Leitlinien. Schneider: „Die Kosten, die durch einzelne Leistungsempfänger entstehen, sind teurer als die Kosten im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung.“ Er betont, dass der Anteil der Leistungsbezieher nicht über 30 Prozent liegen werde.

„Wenn die ABG aus ihren Mitteln Wohnungen baut, will sie natürlich mitbestimmen, wer einzieht“, legitimiert Schneider die Pläne. Das Förderdarlehen des Landes Hessen für das Projekt beträgt sechs Millionen Euro, der kommunale Finanzierungsbeitrag Frankfurts liegt bei 1,2 Millionen Euro, der Offenbachs bei 700.000 Euro. Die geförderten Wohnungen kosten 5,20 Euro pro Quadratmeter, bei den frei finanzierten Wohnungen beträgt der Mietpreis 9,50 Euro.

Der OB betont den Nutzen des Projekts: „Da wird ein ganzes Viertel revitalisiert. Sich auf die 32 Frankfurter Wohnungen zu fixieren, ist politische Überhöhung.“ Über die entsprechende Magistratsvorlage wird am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung abgestimmt.

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