Spanische Pflegekräfte am Sana-Klinikum

Sehnsucht nach Tortillas

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Nach knapp sechs Wochen haben sich die 23-jährige Lucia Azcàrate Banuelos (links) und Kollegin Eva Gonzalez Martinez (24) auf der Intensivstation eingelebt. Sie sind zwei von insgesamt neun spanischen Pflegekräften, die seit Mitte Januar im Sana-Klinikum arbeiten. Zwei weitere folgen in diesen Tagen.

Offenbach - Um als Pflegekräfte im Sana-Klinikum arbeiten zu können, haben Lucia Azcàrate Banuelos und Eva Gonzalez Martinez fünf Monate Deutsch gepaukt. Beide kommen aus Asturien, genauer aus den Städten Avilés und Gijón im Nordwesten Spaniens. Von Jenny Bieniek 

Über eine Agentur hat Sana die Fachkräfte nach Deutschland geholt. Die Freunde, mit denen sie vor der Abreise in ihrer Heimat den Sprachkurs absolviert haben, sind hierzulande nun ihre Kollegen. Das macht den Start in der Fremde einfacher. Noch verstehen sie die deutsche Sprache besser als sie sie sprechen, doch Tag für Tag kommen neue Wörter hinzu. Im Interview erzählen die jungen Spanierinnen von ihrem neuen Alltag.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie nach Deutschland gekommen sind?

Lucia: Nach der Ausbildung habe ich ein Praktikum gemacht, danach habe ich fast ein Jahr in einer Klinik gearbeitet. Doch dann verlor ich den Job und habe lange nach etwas Neuem gesucht, sechs Monate. Jetzt bin ich hier.

Eva: Ich habe meine Ausbildung im Jahr 2011 beendet, danach habe ich sechs Monate in einer Privatklinik gearbeitet. Seither habe ich eineinhalb Jahre keine Arbeit mehr gefunden.

Wie sind Sie auf die Agentur gestoßen, die Sie nach Offenbach vermittelt hat?

Lucia: Ich habe die Anzeige der Agentur im Internet gefunden, allerdings hatte ich einen Tipp von einer Freundin bekommen, die zu diesem Zeitpunkt schon am Frankfurter Klinikum war und über dieselbe Agentur nach Deutschland kam.

Eva: Bei mir war’s ähnlich. Meine Freundin hat mich auf die Agentur aufmerksam gemacht und wir haben beide unsere Lebensläufe hingeschickt. Die Agentur hat dann die Sprachkurse für uns organisiert. Fünf Monate haben wir deutsch gelernt. In ein paar Tagen kommt auch diese Freundin zum Arbeiten nach Offenbach.

Wie schnell gewöhnt man sich an den Gedanken, für einen Job die Heimat zu verlassen?

Eva: Ich hatte vorher schon in Großbritannien nach Arbeit gesucht, aber auch dort war im Jahr 2013 nichts zu finden. Für Deutschland stellte sich vor allem das Sprachproblem. Zwar habe ich in der Schule vier Jahre Deutsch gelernt, aber das ist schon sehr lange her.

Lucia: Ich hatte vorher auch erfolglos in Großbritannien gesucht. Die Sprache ist einfacher für uns. Deutsch habe ich erst für diese Stelle gelernt.

Wie haben Ihre Familien auf die Zusage aus Deutschland reagiert?

Lucia: Zuerst waren sie schon ein bisschen traurig. Mein kleiner Bruder war sogar sehr, sehr traurig, dass ich weg gehe. Aber ich glaube, dass sie inzwischen zufrieden sind, weil sie wissen, dass ich hier zufrieden und froh bin. Sie verstehen meine Entscheidung. Aber es gibt Skype und die Flüge nach Spanien sind relativ günstig, das macht es leichter.

Eva: Für meine Familie war die Entscheidung nicht einfach. Meine Mutter wollte mich nicht gehen lassen, aber mein Vater hat mir gesagt, dass das eine gute Chance ist, die ich nutzen sollte. Und Deutschland liegt ja relativ nah, mit dem Flugzeug sind es nur wenige Stunden.

Welchen Eindruck haben Sie bisher von Deutschland?

Eva: In Spanien denken die meisten Menschen, dass die Deutschen sehr ernst sind. Aber als wir hier ankamen, stellten wir fest: Sie sind sehr nett und offen.

Lucia: Ich war überrascht. Die Leute hier sind lustig und freundlich, das hatte ich nicht erwartet. Die deutschen Kollegen sind sehr nett, sie erklären uns viel und wir können alles fragen. Sie wiederholen alles für uns und sprechen langsamer, wenn wir etwas nicht verstehen.

Sehen Sie Unterschiede zwischen der spanischen und deutschen Ausbildung? Gibt es noch Probleme mit der Sprache?

Lucia: Es gibt schon Unterschiede. In Spanien lernt man mehr Medizin, aber so, wie es hier ist, ist es auch gut für mich, denn ich lerne viel im Bereich Mobilisation und Körperpflege. Für mich ist das neu, aber es ist okay.

Eva: Die Sprache wird besser. Medizinische Fachbegriffe sind einfach für uns, weil sie aus dem Lateinischen kommen. Deutsche Wörter sind da oft etwas kompliziert, und auch die Umgangssprache ist noch schwierig.

Wie reagieren die Patienten auf Sie und wie gut finden Sie sich im deutschen Krankenhauswesen schon zurecht?

Lucia: Im Großen und Ganzen reagieren die Patienten freundlich, nur manchmal ist es ein bisschen kompliziert, weil wir auf einer Intensivstation arbeiten und viele Patienten körperlich geschwächt sind. Sonst klappt’s aber schon ganz gut.

Vermissen Sie Spanien?

Lucia: Ja, sehr. Aber mit mir sind viele Freunde hier, das macht es einfacher.

Was fehlt Ihnen besonders?

Eva: Meine Familie und die vertraute Sprache, wenn man durch die Straßen läuft. Bislang verstehe ich, wenn man die Leute im Vorbeigehen hört, noch nicht so viel.

Lucia: Ich vermisse vor allem die Sonne und das Essen. Ich muss unbedingt noch ein Lokal finden, in dem es gute Tortilla gibt.

Haben Sie schon so etwas wie ein Freizeitleben?

Lucia: Ja, klar. Ich schaue mir gerne andere Städte an und am 1. März fahren wir mit Kollegen nach Köln zum Karneval. Ich werde mich als Super Mario verkleiden, die anderen gehen als Luigi, Bowser und Prinzessin Peach.

Was haben Sie bisher schon gesehen und was steht noch auf der Liste?

Eva: Ich wohne in Offenbach, Lucia in Frankfurt. Nach Feierabend sind wir oft in den Innenstädten unterwegs. Wir nehmen die Bahn und besuchen unsere Kollegen, zu denen wir auch privat viel Kontakt haben. Leider ist Bahnfahren hier ziemlich teuer. Ich plane auf jeden Fall, München und den Schwarzwald zu besuchen.

Lucia: Ich war im Frankfurter Stadion, leider ohne Spiel. Und ich möchte auf jeden Fall mal nach Berlin.

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