Vom Sparen ausgenommen

Die Kita Potz Blitz in der Domstraße hat Vorbildcharakter in Sachen flexibler Kinderbetreuung. In der Einrichtung hat man die bislang unabhängig voneinander laufenden Betreuungs-Systeme von Tagespflege und Kindertagesstätte kombiniert.

Offenbach - Nein, entspannt zurücklehnen könne man sich nicht, sagt der Bürgermeister. Doch die Befürchtung, dass im Zuge der Schutzschirm-Diskussion bei der Kinderbetreuung Abstriche gemacht werden müssen, das räumt Peter Schneider als zuständiger Dezernent ein, die sei eher gering. Von Matthias Dahmer

Offiziell klingt das so: „Es herrscht große Einigkeit in Offenbach, bei der Betreuung und Förderung von Kindern nicht zu sparen.“ Abgesehen davon sorgt schon der Gesetzgeber dafür, dass der Rotstift nicht wie an vielen anderen Stellen im städtischen Etat gezückt werden kann. Vom 1. August an haben Kinder unter drei Jahren beziehungsweise deren Eltern bekanntlich einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. „Das ist ein einklagbarer subjektiver Anspruch“, unterstreicht Schneider die Notwendigkeit, dafür ausreichend Kapazitäten zu schaffen. Eltern, die keinen Platz bekämen, könnten zum Beispiel die Mehrkosten für eine Betreuung durch einen freien Träger geltend machen oder gar Verdienstausfall verlangen, falls sie selbst einspringen müssten. In Rheinland-Pfalz habe man das schon gerichtlich ausgefochten, die Stadt Mainz sei verdonnert worden.

Und wenn es Offenbach angesichts seines wenig Schutzschirm-kompatiblen Schuldenbergs doch auf Klagen ankommen ließe? „Das wäre unter Umständen billiger, würde aber gerade jene bildungsfernen Schichten treffen, die ohnehin nicht vor Gericht ziehen und die Kinderbetreuung am nötigsten haben“, argumentiert der Bürgermeister und lässt durchblicken, dass er ein solches Vorgehen einer Kommune im Übrigen für zynisch halten würde.

Anteil an den Betreuungskosten

Die Bedarfszahlen für die nächsten Jahre liegen auf dem Tisch: Hermann Dorenburg (links) und Peter Schneider.

Viel mehr geholfen wäre Offenbach, ergänzt der Leiter des städtischen Eigenbetriebs Kindertagesstätten (EKO) und des Jugendamts Hermann Dorenburg, wenn das Land seinen Anteil an den Betreuungskosten erhöhen würde. Der ist in der Tat nicht als üppig zu bezeichnen. Dorenburg und Schneider rechnen vor: In diesem Jahr muss die Stadt für ihr gesamtes Kinderbetreuungssystem einen Betriebskostenzuschuss von 31,2 Millionen Euro zahlen, im nächsten werden es schon 39,9 Millionen Euro sein. Bis zum Jahr 2020, der Schutzschirm-Zielmarke für einen ausgeglichenen Haushalt, steigen die Betreuungskosten auf 51,5 Millionen. Eine Steigerungsrate, die „nicht unüblich und nicht Offenbach-spezifisch“ sei, merkt Peter Schneider an.

Das Land Hessen steuert im nächsten Jahr nur 5,9 Millionen Euro bei. Darin enthalten sind schon jene 732 000 Euro, die Offenbach durch das neue Kinderförderungsgesetz zusätzlich bekommt. In anderen Bundesländern, sagt Hermann Dorenburg, liegt der Landesanteil zwischen 28 und 33 Prozent. „Unsere Forderung lautet: ein Drittel“, ergänzt Dezernent Schneider.

Hauptlast bei der U3-Betreuung

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Was in der Diskussion oft vergessen wird und Dorenburg zu Lob bewegt: Die Hauptlast bei der U3-Betreuung mit ihren speziellen Anforderungen etwa an die Gruppengröße schultern freie Träger, „meist kleine Einrichtungen, die flexibel reagieren können“. Sie stellen derzeit 737 Plätze zur Verfügung, beim EKO sind es nur 70, der Rest (426) wird über die von der Stadt koordinierte Tagespflege abgedeckt. „Zurzeit gibt es zirka 110 Tagespflege-Familien“, sagt der EKO-Leiter.

Für ihn ist die Kinderbetreuung nicht nur eine Frage des Geldes, wie er betont. Es müssten auch entsprechende Flächen vorhanden sein. Abgesehen von deren Bezahlbarkeit ist auch das angesichts der geltenden, dem Fluglärm geschuldeten Siedlungsbeschränkungen in Offenbach kein leichtes Unterfangen.

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