Spargel: Noch ein echter Luxus

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„Schee, dass de da bist...“ Spargelfrau Hildegard Höhl hat mit ihrem ersten in Darmstadt-Griesheim gestochenen Spargel offenbar schon auf unseren Fotografen Bernd Georg gewartet.

Offenbach J Die Klagen sind durch alle Medien gegangen: Dieser böse lange Winter hat den Beginn der Spargelzeit verzögert. Jetzt ist es aber soweit.

Die Umwelt- und Landwirtschaftsministerin posiert mit der Spargelprinzessin für die Presse, auf dem Offenbacher Wochenmarkt füllen sich die Stände mit dem essbaren weißen Gold. Der Vergleich mit dem Edelmetall hat durchaus noch seine Rechtfertigung. Wenn der Spargel noch ein Luxusgemüse ist, dann jetzt.

Wer sich nicht gedulden mag, bis die Preise ein normales Niveau erreicht haben, darf schon mal bis zu 14 Euro für das Kilo hinlegen. Also aufpassen: Die einstelligen Euro-Angaben gelten momentan meist noch für das Pfund. Was nicht heißen soll, dass heute auf dem Wilhelmsplatz auch Schnäppchen mit einheimischen Produkten möglich wären. Erfahrene Spargelkäufer wissen ohnehin die verschiedenen Güteklassen richtig zu bewerten. So ist die ganz teure Spitzenware ohnehin nur für die Gastronomie nötig oder für Menschen, die allergisch auf die Farbe violett reagieren.

Geschmack und Qualität

Geschmacklich oder von der Qualität her macht es keinerlei Unterschied, ob die Köpfchen noch rein weiß und geschlossen oder leicht bläulich sind. Letztere haben halt schon mal vorwitzig aus der Erde gelugt und ein bisschen Tageslicht abgekriegt. Bei der Top-Ware der Klassen Extra/Super I und I ist auch gerader Wuchs und ein Durchmesser von mindestens 16 beziehungsweise 12 und höchstens 26 Zentimetern erforderlich. Die geschmacklich nicht minderwertige, für den Hausgebrauch eigentlich ausreichende Klasse II muss nicht ganz so gerade gewachsen sein, die mindestens 12 Zentimeter dicken Stangen dürfen auch leicht gekrümmt sein, die Köpfe leicht geöffnet sein.

Für die Wahl sind dann persönlicher Geschmack und persönliche Geschicklichkeit maßgebend. Es gibt Leute, die schwören auf die dünne Stängelchen der Klasse III und freuen sich, möglichst lange schälen zu dürfen.

Aufpreis für bereits geschälten Spargel

Überhaupt stellt sich für Menschen, die außerhalb des Wochenmarkts Zugang zu regionalen Erzeugern oder deren schon wie Pilze aus dem Boden geschossenen Buden haben, die Frage, ob bereits für einen erträglichen Aufpreis bereits geschälter Spargel zu bevorzugen sei.

Vertreter der reinen Lehre, dass die Zubereitung komplett in eigener Hand liegen sollte, können wohl kaum davon überzeugt werden, dass die Technik heute fast schon tadellose Schälergebnisse erlaubt. Sie besitzen auch noch ein weiteres Argument: Es bringt ein sonst nicht erreichbares Aroma, wenn die Schalen ausgekocht werden, um die Stangen dann in diesem Sud weich ziehen zu lassen.

Andererseits erspart der frische, beim Bauern nach dem Stechen am Morgen geschälte Fertigspargel viel Zeit. Er bietet sich auch an, wenn als Aroma erhaltende Garmethode die im auf 200 Grad vorgeheizten Backofen gewählt wird: je fünf bis sieben Stangen mit etwas Butter und Salz in Alufolie packen und für etwa eine halbe Stunde in die Röhre schieben.

Wer das noch nicht probiert hat, sollte es mal austesten. Aber vielleicht experimentiert man erst, wenn der Spargel nicht mehr so sündhaft teuer ist.

tk

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