Sparkasse beklagt Wettbewerbsverzerrungen

Sparkassenchef Guido Braun (rechts) und Vorstand Werner Schwind lenken die Geschicke des Geldhauses.Foto: Sparkasse

Offenbach - Die Sparkasse Offenbach hat Wettbewerbsverzerrungen im Bankensektor als Folge des Rettungsschirms der Bundesregierung scharf kritisiert.

Von der Krise an den Finanzmärkten habe sein Institut bisher profitiert, sagte Guido Braun, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Offenbach, unserer Zeitung. „Wir haben kräftige Einlagenzuwächse gehabt, insbesondere im Oktober und November.“ Kunden hätten verstärkt sichere Anlagen wie Sparbriefe und andere Sparkassenprodukte nachgefragt. Mittlerweile gebe es intensive Gespräche mit den Kunden, weil große Privatbanken höhere Zinsen anbieten als beispielsweise die Sparkassen. Braun moniert, dass diese Institute ihre Zinssätze „entweder nicht nach kaufmännischen Gesichtspunkten kalkulieren oder in einer starken liquiditätsmäßigen Enge sind“. Deshalb spekuliert der Sparkassenchef, „ob bei den Maßnahmen der Politik zur Sicherung des Bankensystems nicht extreme Mitnahmeeffekte stattfinden“. Braun kritisiert, dass Zinssätze im Jahresbereich von 3,5 Prozent und mehr geboten werden, während am Markt die risikolose Anlage unter zwei Prozent liegt. „Nur weil eine Bank groß ist, wird sie geschützt“, erklärte Braun, „wenn eine Bank klein ist, aber kaufmännisch korrekt arbeitet, wird sie nicht geschützt.“ Der Sparkassenchef stellt die Frage: „Findet momentan, gestützt durch Steuergelder, Wettbewerbsverdrängung statt, die am Ende der Bürger bezahlt, in dem kaufmännisch vernünftig kalkulierende Banken kaputt gemacht werden, damit große Banken übrig bleiben?“ Und: Anlagen mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent könnten nur angeboten werden, wenn das Institut selbst „irgendwo deutlich mehr als 3,5 Prozent Rendite“ erzielt. „Dies ist nur möglich, wenn die Bank ein deutliches Risiko eingeht.“

Vorbehalte hat Braun gegen dauerhafte Verstaatlichungen zur Stützung des Bankensystems. „Hier stellt sich die Frage, was ist erhaltenswert?“ Hilfe für die Hypo Real Estate hält der Sparkassenchef für richtig, um die Vertrauensfunktion des Bankenmarkts aufrecht zu erhalten. Die Politik müsse klare Bedingungen formulieren. „Es muss kaufmännische Vernunft Einzug halten, nicht nur bei den Gehältern.“

Braun ist darüber hinaus der Ansicht, dass es in Deutschland zu viele Banken gibt. Er zeigte sich überzeugt, dass Sparkassen und Volksbanken mit ihrer Struktur die kreditwirtschaftliche Versorgung von noch größeren Marktanteilen bewältigen können. Vielleicht müsste man dies in der Politik bei künftigen Überlegungen berücksichtigen.

Die Sparkasse Offenbach ist von der Finanz- und Wirtschaftskrise bisher kaum betroffen. „Wir haben im vergangenen Jahr einen Gewinn vor Steuern erwirtschaftet“, erklärte Braun. Dieser werde zwar geringer ausfallen als 2007, weil auch die Sparkasse Offenbach Bewertungen von Wertpapieren ändern musste. „Wir sind aber nur vertretbare Risiken eingegangen“, sagte Braun. „Die Kunden wissen, dass wir keine spekulativen Geschäfte irgendwo in Amerika gemacht haben“, fügte Werner Schwind, Vorstandsmitglied der Sparkasse Offenbach, hinzu.

Für das laufende Jahr will das Institut wieder einen höheren Gewinn erwirtschaften. „Unser Eigenkapital und unsere Reserven sind gut ausgestattet“, erklärte Braun. Eine Kreditklemme in der Region gibt es aus seiner Sicht nicht. „Wir haben unsere Standards bis zum heutigen Tag nicht verändert.“ Seit einem Dreivierteljahr spüre die Sparkasse eine erhöhte Kreditnachfrage, „weil es Branchen gibt, die expandieren“.

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