Schutzschild gegen Online-Betrug

Offenbach - Die Sparkasse Langen-Seligenstadt will Online-Überweisungen ins Ausland sicherer machen: Deshalb sind ab 30. März ohne Rückmeldung bei dem Geldhaus nur noch Online-Überweisungen im Inland möglich. Von Achim Lederle und Marc Kuhn 

„Wer ins Ausland Geld transferieren will, muss über einen Anruf bei seinem Kundenbetreuer oder per Online-Auftrag die entsprechenden Länder freischalten lassen“, sagt Sparkassen-Sprecher Walter Metzger unserer Zeitung. Dies gelte nur für Online-Überweisungen über die Homepage der Sparkasse. Weiterhin könnten Geldbeträge ins Ausland über Online-Banking-Software und mobile Apps transferiert werden. Für Kunden, die am Bankschalter oder an den SB-Automaten Geld überweisen, ändere sich ebenfalls nichts.

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„Wir passen das Online-Banking an den Kunden an und schaffen so ein weiteres Schutzschild gegen sogenanntes Phishing, also missbräuchliche Online-Überweisungen, die überwiegend ins Ausland gehen“, erläutert Christian Fahn, Marktbereichsdirektor Internet-Filiale/Elektronische Medien. Fahn unterstreicht, dass Online-Überweisungen im Prinzip sicher seien, wenn der Kunde seinen PC mit einer Firewall, Virenschutz und regelmäßigen Updates schütze. Fahn: „Es gibt aber leider immer noch Kunden, die dies zu wenig beachten und so Schadsoftware Zugriff auf ihren Computer gewähren.“ Auch das Chip-TAN-Verfahren mit einem Generator, der Nummern für Überweisungen direkt am PC erzeuge, habe sich bewährt und sorge für mehr Schutz. Gleichwohl sei es 2013 in 41 Fällen zu Manipulationen bei Überweisungen bekommen, wie Fahn sagt. Insgesamt habe es 2013 bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt zwar 5,7 Millionen Überweisungen gegeben, bei den 41 Betrugsfällen sei aber immerhin ein Schaden im niedrigen sechsstelligen Euro-Bereich entstanden. Ziel sei nun, mit dem neuen Schutzschild die Schadenssumme auf Null zu reduzieren.

Walter Metzger unterstreicht, dass es nicht darum gehe, die Kunden stärker zu kontrollieren. „Wir sehen das Schutzschild als weiteren Service an, der Überweisungen noch sicherer machen soll.“ In der Vergangenheit zeigten die meisten Banken Kulanz und kamen für Schäden beim Online-Banking auf. Fahn: „In Zukunft wird aber bei uns jeder einzelne Schadensfall noch stärker individuell geprüft. Alle Schäden werden sicherlich nicht mehr übernommen.“

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Kunden, die Online-Banking betreiben, sehen auf ihrer Startseite der Sparkasse Langen-Seligenstadt bereits seit einigen Tagen einen „Wichtigen Hinweis“, der auf die neuen Regelungen aufmerksam macht und Informationen zum sogenannten „Phishing-Shield“ anbietet. „Der Kunde muss schon aktiv werden, sonst kann er ab Ende März nicht mehr ins Ausland überweisen“, bekräftigt Metzger. In den Sepa-Ländern, also den EU-Mitgliedsstaaten einschließlich einiger Länder des Europäischen Wirtschaftsraums wie Island und der Schweiz, könne die Sparkasse eine sogenannte „White List“ erstellen, also bestimmte Länder für Überweisungen freischalten lassen. Laut Metzger könne der Kunde auch bestimmen, in alle Sepa-Länder überweisen zu wollen. Bei Auslandsüberweisungen außerhalb des Sepa-Raumes habe der Kunde nur die Möglichkeit, kein Land oder alle Länder freischalten zu lassen.

Mit dem Schutzschild setzt das Geldhaus laut Metzger eine Verbandsempfehlung um und könne auch auf positive Erfahrungen anderer Sparkassen aufbauen. Metzger: „Manche Häuser praktizieren bereits seit einem Jahr den Schutzschild mit Erfolg.“ Auch bei der Sparkasse Offenbach gibt es nach Angaben von Manfred Bernjus, Leiter des Vorstandsbüros, die Möglichkeit, aus Sicherheitsgründen die Transaktionen auf bestimmte Empfängerländer einzuschränken. Eine entsprechende Unterstützung werde durch die Sparkasse über das Rechenzentrum der Sparkassen zur Verfügung gestellt. Die Sparkasse Offenbach habe sich mit der Materie beschäftigt, erklärte Bernjus. Es seien aber noch keine endgültigen Entscheidungen gefallen. „Prävention kann vorteilhaft sein.“ Allerdings sollten die Kunden nicht in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. Gleichwohl hält die Sparkasse Offenbach es nach den Worten von Bernjus für sinnvoll, beispielsweise Überweisungen in einige Risikoländer zu blockieren.

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