Sparkurs der AOK

Krankenfahrten auf der Kippe

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Zurückgegangene Aufträge für Krankenfahrten sind verantwortlich dafür, dass beim ASB die zu diesem Zweck vorgesehenen Wagen öfter stehen.

Offenbach - Der Kostendruck im Gesundheitswesen macht auch vor den angestammten Anbietern von Krankenfahrten nicht halt. Von Matthias Dahmer

Weil mit der AOK der größte Kunde für diese planbaren Fahrten abgesprungen ist, kommen einige Hilfsorganisationen mittlerweile mit dem Angebot in die Klemme. Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Offenbach könnte die Sparte Krankentransporte sogar komplett gestrichen werden, wie Ulrich Müller, Geschäftsführer des ASB Mittelhessen, auf Anfrage berichtet. Betroffen davon wären zirka 20 Beschäftigte. Es gebe Überlegungen, das Angebot zum Jahresende einzustellen oder mit einem anderen Unternehmen mit anderer Tarifstruktur weiterzuführen, so Müller. Eine Entscheidung darüber soll noch in diesem Monat fallen. Wie aus Kreisen der Beschäftigten zu hören war, seien sie vor die Wahl gestellt worden, zu einem billigeren Anbieter zu wechseln oder ihre Stelle zu verlieren.

Hintergrund sind bereits im Sommer gescheiterte Verhandlungen der Helfer mit der AOK über eine Erhöhung der bislang knapp 48 Euro betragenden Vergütung für die Fahrten. Das führte im Fall des ASB dazu, dass der entsprechende Vertrag zum 1. Oktober ausgelaufen ist. „Die AOK war nicht gewillt, nach acht Jahren eine fünfprozentige Erhöhung zu akzeptieren“, sagt Müller. Diese Krankenkasse sei mit mehr als der Hälfte der Fahrten Hauptkunde gewesen. Wie sehr den ASBlern das Geschäft weggebrochen ist, belegen die vom Geschäftsführer genannten Zahlen: So sind die täglichen Fahrten von bislang durchschnittlich 70 auf unter 30 zurückgegangen, sind nur noch vier von neun Autos im Einsatz.

Keine Zivis mehr zur Verfügung

Den Hinweis aus der ASB-Belegschaft, wonach aufgrund geringer Zugangsvoraussetzungen zunehmend Billiganbieter auf den Markt drängen, will Müller nicht bestätigen. Nur soviel: Das sei eine Frage der Qualität, möglicherweise setzten solche Unternehmen ja nur einen statt zwei Fahrer ein, hätten niedrigere Standards. Bei der AOK habe man damit kein Problem, sehe keine Qualitätseinbußen, wie Pressesprecher Riyad Salhi andeutet. Während er die Anzahl der täglichen AOK-Fahrten beim ASB Offenbach mit lediglich 25 angibt, bestätigt er, dass die Verhandlungen im Sommer erfolglos beendet worden seien. Allerdings hätten sich die Forderungen der Hilfsorganisationen in der Summe auch auf mehr als eine Million Euro belaufen. „Bis zu einer halben Million hätten wir zugestimmt“, so der Sprecher.

Bereits seit 1. Juli fahren die Johanniter nicht mehr für die AOK. Man habe sich mit allen Kassen einigen können, nur nicht mit der AOK, sagt Dr. Karsten Falk vom Vorstand des Regionalverbands Offenbach-Kinzig. Auch er berichtet von einem Rückgang der Fahrten. „Bislang hatten wir zwölf Fahrzeuge an drei Standorten, jetzt sind es nur noch acht bis neun.“ Man werde das Angebot zwar nicht zum Jahresende einstellen, denke aber über eine Fortführung nach, so Falk. Zum Sparkurs der AOK kommt für ihn hinzu, dass keine Zivis mehr zur Verfügung stehen und damit nur noch nach Tariflohn bezahlte Hauptamtliche fahren. Und: „Geld mitbringen können wir nicht“, sagt Falk.

Bei den Maltesern für Stadt und Kreis mit Sitz in Obertshausen hat man deshalb die Krankenfahrten schon vor eineinhalb Jahren eingestellt, wie Vorstandschef Gerhard Zimmer berichtet. Das Angebot sei mit tariflicher Bezahlung einfach nicht zu halten gewesen. In einer relativ komfortablen Position ist dagegen der DRK-Kreisverband in Offenbach: Man habe historisch bedingt eigene Verträge mit der AOK abgeschlossen, die ungeachtet der im Sommer gescheiterten Verhandlungen weiterliefen, teilt Geschäftsführer Doru Somesan mit. Aktuell komme das Rote Kreuz auf etwa 1000 Krankenfahrten im Monat.

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