Geschäftsführer-Gehälter bei städtischen Gesellschaften

Gute Leute gibt's nur für gutes Geld

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SOH-Führungspersonal im Sommer 2010: (von links) Daniela Matha ( OPG etc.), Volker Lampmann ( OVB), Winfried Männche ( GBO), Birgit von Hellborn (Stadthalle-Capitol), Reinhard Hantl ( EEG/ GBM), Peter Walther (SOH, ESO).

Offenbach - Wer eine Diskussion über Manager-Gehälter in Gang bringt, setzt sich schnell dem Vorwurf aus, lediglich eine Neiddebatte entfachen zu wollen. Von Matthias Dahmer

Falsch liegt indes, wer unter diesem Blickwinkel die jüngsten Sparvorschläge der CDU zum Haushalt und die darin aufgestellte Forderung nach Reduzierung der Gehälter der Geschäftsführer bei den städtischen Gesellschaften betrachtet. Angesichts der desolaten Haushaltslage der Stadt und den zumindest ansatzweise zu erfüllenden Schutzschirm-Vorgaben, darf das Ansinnen der Union als durchaus legitimer Gedanke betrachtet werden.

Also, wie sieht es denn nun aus mit der Gehaltsstruktur innerhalb des im Laufe der Jahre für die Stadt immer bedeutsamer gewordenen SOH-Konzerns? Verdienen die Chefs der nicht wenigen Stadttöchter zuviel? Blickt man auf die nackten Zahlen und zieht den naheliegenden Vergleich zur Führungs- und Amtsleiter-Ebene in der Stadtverwaltung, so sind die Unterschiede zunächst nicht von der Hand zu weisen.

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Ausweislich des städtischen Beteiligungsberichts 2011 lagen die Jahresgehälter der Geschäftsführer nicht selten jenseits der 120.000 Euro. So verdiente etwa Reinhard Hantl, Chef von EEG und GBM, 137.000 Euro, OVB-Geschäftsführer Volker Lampmann kam auf 152.000, Anja Georgi vom Nahverkehr in Offenbach (NiO) auf 128.000, Daniela Matha erhielt für ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin von OPG, Mainviertel GmbH und SFO noch 117.000 Euro. Von der gesetzlich möglichen Befreiung von der Mitteilungspflicht über die Höhe des Gehalts machten unter anderen GBO-Chef Winfried Männche sowie Capitol- und Stadthallen-Geschäftsührerin Birgit von Hellborn Gebrauch.

Abfindung von 385.000 Euro

Am Rande und außerhalb des SOH-Konzerns sei vermerkt, dass der geschasste Ex-Geschäftsführer des Klinikums, Hans Ulrich-Schmidt, zum Schluss inklusive Abfindung 385.000 Euro einstrich, sein Stellvertreter Gunnar Sevecke kam mit Abfindung auf 154.000 Euro. Die Spitze des SOH-Konzerns liegt konsequenterweise auch an der Spitze der Gehaltsliste: Geschäftsführer Peter Walther verdiente inklusive der Geschäftsführung von ESO und Stadiongesellschaft 188.000 Euro.

Im Rathaus liegt man deutlich drunter: Oberbürgermeister Horst Schneider hat am Jahresende 107.000 Euro, Bürgermeister Peter Schneider 97.000 Euro, Dezernent Felix Schwenke 91.500 Euro. Noch bescheidener geht es bei den Amtsleitern zu: Zwar schwankt deren Gehalt aufgrund der Unterscheidung zwischen Angestellten und den steuerlich besser gestellten Beamten sowie der jeweiligen Eingruppierung und nicht zuletzt wegen der Berufsjahre. Doch dürfte es inklusive Sonderzahlungen und Zulagen in der Größenordnung um die 70.000 Euro liegen. Die Aussicht von Beamten auf vergleichsweise üppige Pensionen ist dabei nicht berücksichtigt.

Stadtsprecher Matthias Müller hält einen Vergleich zwischen den SOH-Führungsposten und den Spitzenleuten im Rathaus dennoch für problematisch: Die Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften würden beispielsweise nur Fünfjahresverträge erhalten, müssten somit an Rücklagen denken und seien bei der sozialen Absicherung besonders gegenüber verbeamteten Amtsleitern im Nachteil. Ob sich – wie in der Spardiskussion ebenfalls angedacht – das komplette Zurückholen einer Stadttochter in die Stadtverwaltung rechnet, will Müller nicht kommentieren.

Magistrat legt Gehälter fest

SOH-Pressesprecherin Regina Preis tut sich naturgemäß schwer bei einer Bewertung des Gehaltsgefüges in ihrem Haus. „Die Geschäftsführer-Gehälter legt der Magistrat fest“, gibt sie zu bedenken. Im Vergleich zu städtischen Gesellschaften anderer Kommunen ähnlicher Größe, so viel könne man sagen, werde bei der SOH nicht mehr verdient. Gleichzeitig tippt die Pressesprecherin ein bekanntes Argument an: Gute Leute seien nur gegen gute Bezahlung zu bekommen. Das gelte auch für leitende Mitarbeiter unterhalb der Geschäftsführungebene, welche die CDU bei ihrer Spar-Liste ebenfalls im Auge hat.

Vor dem Hintergrund, dass die Stadtwerke in diesem Jahr drei Millionen und in den Folgejahren zwei Millionen Euro an die Stadt abführen sollen, verweist Regina Preis darauf, dass die SOH ebenso wie die städtischen Ämter in den vergangenen Wochen Spar-Vorschläge erarbeitet habe. Die lägen nun im Rathaus vor und müssten politisch bewertet werden.

Ob sich unter diesen Vorschlägen – wie von der CDU gefordert – auch die Auflösung der Stadttöchter SFO und OPG befinde, lässt die SOH-Sprecherin offen. Das Thema sei Teil einer Analyse der Geschäftsfelder Standort-Entwicklung und Immobilien-Management, an der man ohnehin schon arbeite. „Wenn wir aufgrund politischer Beschlüsse konkrete Vorgaben bekommen, werden wir sie umsetzen“, sagt Regina Preis

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