Sparpotenzial erschöpft

Offenbach - Alarm schlägt der Hessische Bibliotheksverband: Ein Viertel aller öffentlichen Büchereien im Lande seien von Sparkonzepten im Zuge des kommunalen Schutzschirms betroffen. Der Verband erkennt nur wenig Einsparpotenzial und warnt vor einer Zerschlagung. Von Markus Terharn

Wie ist die Lage in Offenbach? Einen ursächlichen Zusammenhang mit Vorgaben des Landes sieht Gudrun Kulzer, Leiterin der Stadtbücherei, nicht. Aber: „Seit Anfang dieses Jahres gilt für jede frei werdende Stelle eine zwölfmonatige Wiederbesetzungssperre, außer bei Elternzeit.“ Problem ist, dass im laufenden Jahr und Anfang 2013 drei Mitarbeiterinnen mit einem Umfang von zwei Vollzeitstellen in den Ruhestand gehen. „Wir haben 25 volle Stellen, das ist okay“, meint Kulzer. „Aber wenn ich diese beiden nicht wieder besetzen kann, wird es schwierig.“

Für den Fall des Falles machen sich Kulzer, ihre Stellvertreterinnen und die Abteilungsleiterinnen bereits Gedanken. „Durchkonzipiert ist noch nichts.“ Aber es könnte auf eine Reduzierung der Öffnungszeiten hinauslaufen. Die liegen derzeit bei 44 Wochenstunden. „Das ist sehr viel“, findet Kulzer. Die Leser wissen es zu schätzen.

„Definitiv zu wenig"

Am Etat kann Kulzer indes nicht knausern. Gegenwärtig betragen die Mittel zur Anschaffung neuer Medien – der wichtigste Posten – 141.000 Euro jährlich. „Definitiv zu wenig“, betont Kulzer und erläutert das Dilemma. Dieses Geld dient nämlich keineswegs der Erweiterung des Bestands, sondern lediglich seiner Erneuerung unter Beibehaltung des Umfangs.

Hintergrund: Gnadenlos zeigt der Computer an, welche Druckwerke ausgeliehen werden und welche nicht. Manche stehen seit 20, 25 Jahren ungenutzt in den Regalen. Sie sind somit totes Kapital, fliegen nach und nach raus. „Ohne Neuanschaffungen würde der Bestand also permanent sinken“, verdeutlicht Kulzer. „Die Ankäufe helfen nur, den Status quo zu wahren.“

Städtischer Haushalt für 2013 ist noch nicht raus

Weiterer Knackpunkt: Eigenmittel für grundlegende Neuerungen gibt das Budget ohnehin nicht her. Die verlangt das Land jedoch als Selbstbeteiligung, wenn es seinerseits Zuschüsse gibt.

Noch ist der städtische Haushalt für 2013 nicht raus. Kulzer ist jedoch in die Offensive gegangen und hat ganz selbstbewusst 20 000 Euro mehr beantragt. Schließlich wachse in Offenbach die mit Lektüre zu versorgende Bevölkerung. Zu Oberbürgermeister Horst Schneider hat die Stadtbibliothekarin klar gesagt: „An uns können Sie nichts mehr sparen.“ Der OB habe Verständnis gezeigt...

Rubriklistenbild: © dpa

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