Spaß auf drittem Standbein

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Aus für „Zoo am Wilhelmsplatz“: Das Fachgeschäft wirft nicht genug Miete ab, um die dem Hauseigentümer von der Stadt per Straßenbeitragssatzung aufgebürdeten Kosten für die Platzerweiterung bis an die Hausfassaden aufzufangen. Füllen wollen die Lücke zwei Erfolgsgastronomen, die bereits zwei Restaurants am Wilhelmsplatz haben.

Offenbach ‐ Giuseppe Morleo und Youssef El Machit erkennen eine gute Gelegenheit, wenn sie eine sehen. Und im aktuellen Fall mussten sie ihre Blicke nun wirklich nicht weit schweifen lassen. Gerade mal aus den Fenstern der von ihnen geführten Nachbarrestaurants, dem „Morleos“ und dem „Tafelspitz und Söhne“, über einige Absperrbaken und zwei, drei gelbe Bagger hinweg bis zur gegenüberliegenden Seite des Wilhelmsplatzes. Von Marcus Reinsch

Dort wird bald ein Laden frei, der „Zoo am Wilhelmsplatz“. Dessen Räume will das Gespann Morleo/El Machit zu seinem dritten gastronomischen Standbein am Kneipenkarree umbauen.

Nicht, dass das Duo auf zwei Beinen taumeln würden. Das „Morleos“ läuft seit acht Jahren recht gut, und das „Tafelspitz und Söhne“ war schon kurz nach seiner Eröffnung vor eineinhalb Jahren über jeden Verdacht erhaben, den Tod einer Eintagsfliege sterben zu müssen.

Auch das dritte Restaurant - Konzept für die Besetzung einer Zielgruppennische noch im Reifungsprozess, Eröffnung vermutlich im Herbst - soll sich natürlich rechnen. „Und ich glaube, dass wir eine Menge Spaß haben werden“, sagt El Machit. „Man macht ja auch nicht Musik, nur um Geld zu verdienen“.

Stadt versucht, etwas Zeit gutzumachen

Inhaltliche Festlegungen scheuen die Gastronomen zum jetzigen Zeitpunkt noch, um sich nicht der Chance zu berauben, die Sache bis zum Ende durchzudenken. Aber dass da für Menschen mit Ideen noch viel Musik steckt im Wilhelmsplatz, davon sind beide überzeugt. Spielen wollen sie sie erst, wenn Platzumbau und -erweiterung bis zu den seitlichen Hausfassaden beendet sind. „In einer Baustelle werden wir kein Restaurant aufmachen.“ Und die sei ja nun wegen des Frostes eine dauerhaftere Erscheinung als geplant. Die Stadt versucht zwar, etwas Zeit gutzumachen. Doch bis jeder Pflasterstein verlegt ist, werden Monate vergehen.

Gelegenheit für Morleo und El Machit, sich über kulinarische Ausrichtung und Interieur ihres neuen Restaurants Gedanken zu machen. Und für die Gesamtheit der Wilhelmsplatz-Wirte die Chance, sich mit der Stadt auf die Regeln der künftigen Außenbewirtschaftung zu einigen. Die Gastronomen dürfen künftig bekanntlich nicht nur direkt vor ihren Hausfronten, sondern auch in bestimmten Bereichen des Platzes Gäste bewirten. Wie groß die Flächen tatsächlich werden und wie sie vom Geschehen auf dem Platz abzugrenzen sind, das wird noch besprochen. Drei Treffen hat es bisher gegeben, bei einem finalen soll demnächst beispielsweise festgeklopft werden, wie groß Sonnenschirme und Brauerei-Logos sein dürfen, welche Materialien bei Stellwänden genehm sind und wie sich der gastronomische Drang zu Individualität mit dem städtischen Willen zu einem geordneten Gesamtbild auf einen Nenner bringen lassen.

Raucherzelte, wie sie am Platze vor dem Umbaustart üblich waren, soll es nicht mehr geben. Giuseppe Morleo glaubt, dass sie auch für Etablissements ohne inneren Raucherbereich nicht mehr nötig sein werden. Seine Erfahrung ist, dass die noch verbliebenen Raucher längst daran gewöhnt sind, mal kurz vor die Tür zu gehen.

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