Es ist der Spaß, nicht der Honig

Offenbach - Biene sein ist kein Honigschlecken. Auch wenn der Alltag der Insekten anderes vermuten lässt. Der hat nämlich wenig vom Lotterleben Majas und Willis, sondern ist gespickt mit Arbeit. „Ein Bienenvolk, das im Sommer aus rund 50 000 Bienen besteht, muss einen Tag lang schuften, um ein halbes Kilo Honig zu produzieren“, sagt Jürgen Panthöfer. Von Jens Dörr

Kein Wunder, dass da die Lebenserwartung einer Arbeiterin – sie stellen den größten Teil eines Bienenvolkes – im Sommer mit rund 30 Tagen nicht die höchste ist. Immerhin: Später im Jahr geboren, bringen sie es auf ein halbes Jahr – bei den Bienen wird die Kurzarbeit im Winter angemeldet.

Panthöfer könnte das alles wohl im Schlaf referieren, teilt aber seine Bienenkenntnis mit dem Autor dieser Zeilen, als wäre es das erste Mal. Das summende Insekt hat es ihm angetan. Nicht nur, dass Panthöfer als Hobby-Imker selbst einige Bienenvölker besitzt und sich so morgendlich am selbst erarbeiteten Honig-Brötchen gütlich tun darf; seine Erfahrung teilt er auch mit potenziellen Neu-Imkern. Was Not tut: „In Hessen ist der durchschnittliche Imker männlich und zwischen 60 und 70 Jahren alt“, weiß Panthöfer.

„Probe-Imkern“

Da fällt die Gruppe, die an diesem sonnigen Sonntagvormittag am Lehrbienenstand in der Offenbacher Eberhard-von-Rochow-Straße werkelt, allerdings aus dem Rahmen. „Aktuell haben wir hier 21 Leute, davon sind 13 Frauen“, freut sich Panthöfer sichtlich. Bis zum Rentenalter haben die meisten noch etliche Beitragsjahre vor sich. Sie alle nehmen teil am so genannten „Probe-Imkern“ des Imkervereins Offenbach und Umgebung. Der ist neben dem Imkerverein Maingau (Rodgau und Dietzenbach), Seligenstadt und Langen das Zentrum der Hobby-Imker im Offenbacher Raum.

Nicht nur im Bienenstock, auch als „Bienenbeute“ bezeichnet, geht es nun geschäftig zu. Da wird geräuchert und gesäubert, der Fachjargon gepflegt, ruhig und sachlich hantiert. „Hektische Bewegungen sollte man vermeiden“, erklärt Panthöfer. Dann würde man weniger gestochen. Verstanden - trotz der Maske über dem Kopf nähert man sich als Neuling den Tausenden und Abertausenden Bienen, die mit einem Affenzahn an- und wieder wegfliegen, jedoch eher zögerlich. „Hier“, sagt Panthöfer und zeigt seine ungeschützten, nackten Hände. „Handschuhe ziehe ich gar nicht an, wenn ich da mal gestochen werde, macht mir das schon gar nichts mehr aus.“Nur Stiche ins Gesicht seien fies – die Maske lässt der Bienenmann bei der Foto-Session mit dem Insektenvolk dennoch aus.

Zumindest vor den männlichen Bienen, den Drohnen, braucht Mensch aber wirklich keine Angst zu haben - sie haben keinen Stachel. Auch an der Honigproduktion sind sie nur indirekt beteiligt. Die Fortpflanzung ist in erster Linie Chefinnen-Sache: Eine einzige Bienenkönigin gibt es pro Bienenvolk. „Die kann dann aber pro Tag bis zu 2000 Eier legen“, sagt Panthöfer. Seine Aussage, dass in diesem Jahr ein sehr starker Vermehrungstrieb unter den Honigbienen – nicht zu verwechseln mit den alleine und nicht in Bienenstöcken lebenden Wildbienen – herrsche, überrascht zunächst. Stand da nicht in der Zeitung, in diesem Jahr gebe es etwa in Bayern weniger Bienen? „Teils gibt es eine Bienenflaute, das ist richtig“, klärt Panthöfer auf. Die habe aber mal nicht mit dem Klimawandel zu tun, sondern mit einer scheinbar banaleren Tatsache: „Es gibt immer weniger Imker. Als Faustformel kann man durchaus sagen, dass eine schrumpfende Zahl an Imkern auch eine schrumpfende Zahl an Bienen zur Folge hat.“

Auch andernorts bieten Imkervereine Laien ihre Bienenvölker zum „mieten“. Der Bienenzuchtverein Langen ist über Wilhelm Fuhrländer, 06074/5707, zu erreichen. Imker auf Probe aus Rodgau, Rödermark, Dietzenbach, Mühlheim und Babenhausen können sich an Erhard Henz vom Imkerverein Maingau, 01577/3164941, wenden. Infos gibt es auch im Netz beim Imkerverein Offenbach.

Und damit weniger Honig. Viel größer aber ist die Bedeutung der Biene rein volkswirtschaftlich betrachtet vor allem hinsichtlich der Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirsch-Ernte. Wenn die Blüten nicht durch Honigbienen bestäubt werden, fällt die Obsternte äußerst gering aus. Hummeln, Wespen und Wildbienen etwa tragen zusammen nur zu knapp einem Fünftel zur Bestäubung bei. Selbst alle Power der deutschen Bienen reicht unterdessen nicht aus, den Honig herzustellen, der hierzulande verzehrt wird – ein Großteil des Brotaufstrichs muss importiert werden. Die Teilnehmer am „Probe-Imkern“, die für die mehrmonatige Ausbildung 100 Euro bezahlen und am Ende ein Bienenvolk behalten und mit nach Hause nehmen dürfen, bekommen derweil 15 Kilogramm Honig als Ertrag garantiert.

Obwohl ich eigentlich gar nichts Süßes esse“, wie ein Teilnehmer aus Obertshausen augenzwinkernd verrät. Ihn reize eher die Arbeit mit den spannenden Tieren, auf den Honig komme es ihm nicht an. Das bestätigt auch Panthöfer: Die Motivation für das Imkern bestünde aus anderen Aspekten wie Spaß, Abschalten vom Alltag und „dem inzwischen wieder stärkeren Interesse an der Natur.“ Wer vom lukrativen Geschäft träumt, der halte trotz der vielleicht 100 000 Bienen in den eigenen beiden Stöcken inne: Um vom Bienenzüchten und Honig schleudern leben zu können, bedarf es einiger hundert Völker.

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