Spaßiger als jede Klausur

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Musik, Video, Theater: Die Jungen und Mädchen zeigten am Abend ein breites künstlerisches Spektrum.

Offenbach - Thomas Findeisen wirkt gelassen, obwohl er keinen Schimmer hat, was ihn und das Publikum in der Schillerschule erwartet. Der „Schillerbunte Abend“ lockt jedes Jahr Schüler, Eltern, Lehrer und Freunde in den Saal des Altbaus, hinter dessen Samtvorhang einstudierte Überraschungen warten. Von Katharina Skalli

 Der Schulleiter hat volles Vertrauen in die 150 Schüler, die sich an zwei Abenden auf der Bühne präsentieren. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Schüler das Gelernte vorstellen dürfen“, sagt Findeisen und schon hebt sich der Vorhang.

Den Anfang macht die Gitarren-AG. Lässig haben die Jugendlichen ihre Arme auf ihre Instrumente gelegt, während sie geduldig warten, dass es los geht. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Bühne für Lehrer an diesem Abend tabu. Dann stimmen zwölf Gitarren an zum Konzert. „Flowers to Johnny B. Goode“ erklingt sanft und präzise. Es klingt nach vielen Stunden Übung, aber vor allem macht es Lust zum Mitsummen und entlockt dem jungen Publikum laute Jubelrufe. Auch als Schüler Fabian und Lehrer Rudolf Klemisch „Over the Rainbow“ mit Ukulele und Gitarre anstimmen und die vertraute Melodie leise durch den Raum tanzt, sind die Zuhörer begeistert. Musikalisch gesehen ist die Integrierte Gesamtschule in der Südsee angekommen.

Leisen, zarten Töne beeindrucken

Schillerschüler gaben den Ton an.

Es sind vor allem die leisen, zarten Töne, die sich durch den Abend ziehen und beeindrucken. Dem Piano entlocken Sean („Kiss the Rain“) und Johann (Sonatine von Beethoven) die schönsten Töne und bescheren eine Gänsehaut. Melina und Ugne präsentieren ihre eigene Version des Stücks „Wonderwall“ von Oasis und auch das Trio Lara, Aylin und Jojo setzen auf empfindsame Klänge. Ihr Stück „What you’re told“ von Perfect People hat Ohrwurmpotential. Mit Elfenflügeln, Krönchen und Ballerina-Tutu sitzen sie auf der Bühne und beweisen, dass keine lauten Töne und dröhnender Bass nötig sind, um zu beeindrucken. Ihre Musik aus dem Elfenwald klingt besser als das Original. Die charmanteste Girlgroup seit den Sugar Babes – made in Offenbach.

Lauter geht es bei „3NE1“ zu. Esra, Vanessa und Nergiz haben Hip-Hop im Gepäck. Die WPU-Gruppe „Video“ der Jahrgangsstufe neun schlägt harte Töne an. In ihrem Film „A Lovestory“ steckt viel Arbeit und viel Selbstgemachtes – Idee, Drehbuch, Text, Schnitt, Filmmusik. „Das war eine Heidenarbeit“, versichern die Schüler. Mit rasantem Schnitt ist die Geschichte erzählt und am Ende schneidet der männliche Protagonist schlecht ab. „Der Typ ist so mies“, singt ein Mädchen. Weil ein Rap im Hintergrund die Geschichte erzählt, sagen Sprechblasen das, was es zu sagen gibt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es ist ein spannenderer Abschluss eines Schulhalbjahres als eine Klausur.

„Family of Blues“ bleibt cool und ruhig

Im Video tanzen Nathalie und Sarah. Für die beiden Neuntklässlerinnen ist Tanzen ein Lebensgefühl. Die 15-Jährige Sarah macht seit sieben Jahren Streetdance. „Wir sind mit Leib und Seele dabei“, sagt sie. Die Choreographie haben die Mädchen selbst zusammengesetzt. Mit Ausdauer, Haltung und Taktgefühl wirbeln sie auf der Bühne. „Heute waren wir schon ein wenig aufgeregt“, verrät sie. Schließlich ist es eher selten, dass Eltern, Lehrer und Klassenkameraden ihnen beim Tanzen zusehen.

Mit Salti und waghalsigen Sprüngen zeigt die Parcours AG ihr Können. „Über Tisch und Bank“ heißt ihr Programm. Die „Family of Blues“ bleibt cool und ruhig – mit Hut und Sonnenbrille. Besonders froh, einmal ihre Arbeiten präsentieren zu dürfen, sind die Mädchen der Fan-Art-AG. Mit ein paar Worten stellen sich Tijana, Anita, Nathalie, Yasmine und Zeynep vor und weisen dann auf ihre Ausstellung im Untergeschoss. Seit einem Jahr besteht die Arbeitsgruppe, die sich vor allem mit japanischen Mangas beschäftigt. Große Augen, schmale Taillen, phantasievolle Kostüme und viele Emotionen zeichnen die Comics aus. Nathalie Bilder zeigen junge Frauen und Männer mit langen Beinen und kindlichem Gesicht. „Jedes Bild erzählt eine Geschichte“, sagt Anita. Alle fünf zeichnen fast jeden Tag. Denn um einmal so gut zu werden wie ihre Vorbilder, braucht es viel Übung.

In der Pause serviert das Schillermenü Köstlichkeiten aus aller Welt: griechische Vorspeisen, gefüllte Crêpes, deftige Pizza. Nach der Unterbrechung startet das Programm ins Finale. Nun trauen sich auch Lehrer auf die Bühne. Als „Die Viertonner“ interpretieren sie Bekanntes aus der Muppet-Show. Der Abend endet mit der Klasse 8c und ihrer Ballade „John Maynard“ und der Akrobatikgruppe Purple Cats.

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