Festschrift und Film zum 100-jährigen Bestehen der Arbeiterwohlfahrt

Mit Spaziergängen fing es an

Ausflüge im Hainbachtal: Schon vor offizieller Gründung der Arbeiterwohlfahrt organisierten Vorläuferorganisationen und „bürgerliche Hilfsdamen“ sogenannte „Ferienspaziergänge für Proletarierkinder“, wie diese historische Postkarte von 1917 belegt.

Offenbach – Ein Jahr lang wurden Akten durchstöbert und Zeitzeugen befragt, nun liegt das Ergebnis in gedruckter Form vor: 48 Seiten umfasst die Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der Offenbacher Arbeiterwohlfahrt (AWO). VON FRANK SOMMER

Der Helferkreis um AWO-Chef Thomas Ruff und Sprecherin Jana Holecek lässt darin die unterschiedlichen Stationen der AWO Revue passieren.

Die Anfänge führen zu den „Ferienspaziergängen für Proletarierkinder“ um 1913 zurück, an denen auch die spätere AWO-Gründerin Margarethe Steinhäuser beteiligt war. Wie nötig dieses Engagement für benachteiligte Kinder war, zeigt sich allein an der Zahl der damaligen Teilnehmer, über 6000 Kinder konnten so an einzelnen Tagen ihrer Freizeit betreut verbringen. Das Verbot der AWO durch die Nationalsozialisten wird kurz thematisiert, ergiebiger ist die Quellenlage zur Wiedergründung 1945: Mit vielen Fotos wird die „Ferienerholung“ der AWO für Kinder geschildert, die Ehrenamtlichen Helfer wurden als „Tanten“ und „Onkel“ bezeichnet.

„Wir haben die Bilder nach Aufrufen zugesandt bekommen oder sie im Archiv gefunden“, sagt Holecek. Außerdem wurden im Jubiläumsjahr bei mehreren Veranstaltungen Geschichten rund um die Arbeiterwohlfahrt gesammelt. Gleich zweimal beschäftigte sich das Erzählcafé mit der eigenen Historie oder beim Lisbeth-Crönlein-Gedächtnistreffen wurden Begebenheiten ausgetauscht. „Auch zwei hundertjährige Mitglieder konnten uns viel zur Geschichte berichten“, sagt Holecek.

Auch der Bau der Werkstätten Hainbachtal, die im kommenden Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiern, die Professionalisierung der Kinder- und Seniorenarbeit ab den 60er Jahren und die Gründung von Kita und Schule in der jüngsten Vergangenheit werden in der Festschrift thematisiert.

„Außerdem konnten wir einen gut 22-minütigen Film zur AWO-Geschichte zusammenstellen“, sagt Holecek. Ehrenamtliche trugen hierfür das Bildmaterial zusammen, Thorsten Jaschek von OF-TV stellte sein Studio für das Einsprechen der Texte zur Verfügung und mischte den Ton ab. Das eigene Orchester der AWO spielte Eigenkompositionen ein, der ehemalige HR-Sprecher Karl-Heinz-Stier und Helga Feuerbach vom Theaterclub Elmar betätigten sich als Sprecher. „Der Film wird zunächst bei mehreren internen Veranstaltungen gezeigt, aber langfristig soll er auf unserer Webseite zu sehen sein.“

Im Jubiläumsjahr wurde ohnehin die Präsenz der Offenbacher AWO in den digitalen Medien und Netzwerken ausgebaut. „Wir haben das Projekt ‘Plan B’ für ein Freiwilliges Soziales Jahr stark beworben, über 700 Follower haben wir dafür bereits“, sagt die AWO-Sprecherin.

Auch die Mitgliederwerbung wurde intensiviert und zum Abschluss des Jubiläumsjahres hat Holecek gute Nachrichten zu verkünden: Nachdem zuletzt die Mitgliederzahl unter die 600er-Marke fiel, liegt sie nun wieder darüber. „Allerdings ist der Altersdurchschnitt hoch – jüngere Mitglieder sind also sehr willkommen.“

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