SPD sieht Beschäftigten-Zahlen kritisch

SPD: Flughafen „kein Job-Champion“

Offenbach - Die SPD steht Verlautbarungen kritisch gegenüber, wonach am Frankfurter Flughafen mehr als 80.000 Menschen beschäftigt seien.

„Mehr Arbeitsplätze und gut bezahlte Arbeit, von denen die Beschäftigten auch leben können, ohne Transferleistungen zu beziehen, sind das zentrale Interesse der Sozialdemokratie, auch am Flughafen“, sagt der Stadtverordnete Martin Wilhelm. Die Zahl von 80 000 Beschäftigten am Flughafen Ende 2014 klinge auf den ersten Blick imponierend. Leider sei der Pressemitteilung der Fraport nicht zu entnehmen, wie es um die Qualität der Arbeitsplätze stehe; ob es sich ausschließlich um Vollzeitbeschäftigte handele und wie viele Hartz-IV-Aufstocker darunter seien, die mit ihrem Lohn nicht auskämen.

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Wilhelm verweist auf die Mitarbeiterzeitung vom März 2011, in der Fraport-Chef Stefan Schulte noch stolz verkündet habe, dass 2015 am Flughafen 95.000 Menschen beschäftigt sein würden. Wilhelm rechnet vor: „Da fehlen noch 15.000, und kein Mensch weiß, wo die herkommen sollen.“ Hoffentlich sei die Prognose, dass das Terminal 3 die Wettbewerbsfähigkeit stärke und damit zur nachhaltigen Beschäftigungssicherung beitrage, nicht von gleicher Qualität.

Der SPD-Unterbezirksvorstand weist zudem darauf hin, dass sich Fraport selbst in die Erfolgsmeldungen nicht einreihen könne: 2008 seien im Schnitt 23.079 Menschen im Unternehmen beschäftigt gewesen, im vergangenen Jahr nur noch 20.395. Das sei ein Beschäftigungsabbau von immerhin 11,6 Prozent. Statt der versprochenen zigtausend neuen Arbeitsplätze hätten die befragten 500 Unternehmen am Flughafen von 2010 bis Ende 2014 gerade mal 9000 zusätzliche Stellen geschaffen, so die SPD.

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Dem gegenüber habe allein die Firma Braun Melsungen, ein Medizinunternehmen in Nordhessen weitab vom Flughafen, seine Beschäftigtenzahl seit 2009 um ganze 14.513 auf 54.017 Ende 2014 gesteigert. „Diese innovativen Unternehmen mit hoher Wertschöpfung sind die eigentlichen Job-Champions in Hessen – und nicht der Flughafen, der sich gern als Job-Motor erster Ordnung präsentiert“, sagt Wilhelm. (mad)

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