Ein Lob dem Speichellecker

Offenbach - Ob das Konjunkturpaket die Folgen der Rezession abmildert, werden wir noch erleben. Einen unbeabsichtigten Nebeneffekt zeitigt das Investitionsprogramm schon: Es eint die sonst stets zum Streiten aufgelegten Koalitionäre im Offenbacher Rathaus. Die Gelben halten sich zwar zurück - schließlich regieren sie ja mit in Wiesbaden.

Die Grünen und die Roten aber empören sich kräftig und berechtigt darüber, wie die Landesregierung die Milliarden überm Land ausgießt.

In Relation zu den Schülerzahlen erhalten alle Städte und Kreise das gleiche Geld, um Schulen in Schuss zu bringen - egal, ob sie es nötig haben, oder nicht. Die Folge dieses nicht bloß ungerechten, sondern geradezu schwachsinnigen Verteilungsschlüssels ist, dass der reiche Hochtaunuskreis gar nicht weiß, was er mit zusätzlichen 38 Millionen Euro für seine Schulen anfangen soll, während die arme Stadt Offenbach leicht ein Vielfaches der 21 Millionen Euro ausgeben könnte, weil Kinder unter zum Teil unzumutbaren Bedingungen lernen.

Die Schulen im Kreis Offenbach sind längst in viel besserem Zustand. Dennoch bekommt der Kreis 54 Millionen Euro. Schon jetzt hört man von Lehrern, dass bei der Computer-Ausstattung zum Teil mit Geld geprasst wird, ohne dass der Unterricht davon profitierte.

Stefan Grüttner, Offenbachs CDU-Chef und Leiter der Wiesbadener Staatskanzlei, hat seinen Einfluss nicht genutzt, um einen (sach-)gerechten Verteilungsschlüssel durchzusetzen. Sein Versagen kompensiert er, indem er Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) für dessen Enttäuschung schilt. „Die überzogenen Forderungen“ Schneiders, so meint Grüttner, „machen es nicht gerade leicht, auch weiterhin möglichst viele Mittel für unsere Heimatstadt beim Land Hessen zu rekrutieren.“

Ach, wenn er das doch täte. Statt das Speichellecken zur Schlüsselqualifikation eines Rathauschefs zu erklären, sollte der Staatsminister dem OB dabei helfen, nun zumindest fürs Kickers-Stadion eine Lösung zu finden. Ohne einen echten Landes-Zuschuss wird es Offenbach nicht gelingen, dem Profifußball in der Stadt zu einer Zukunft zu verhelfen. Diese Gelegenheit, etwas für seine Heimatstadt zu tun, sollte der direkt gewählte Abgeordnete nicht verstreichen lassen.

alexander.koffka@op-online.de

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