Mit Spende die 6000 geknackt

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Ich biete mehr... Das Wetter kann den Spaß am Päckchen-Ersteigern nicht verderben.

Offenbach - Übel sieht es aus. Eine halbe Stunde vor der Versteigerung der Geschenkpäckchen herrscht nasskaltes Wetter. „Fünf Wochen war es trocken, jetzt muss es anfangen“, kommentiert Birgitt Möbus vom Amt für Wirtschaftsförderung am Samstag den leeren Stadthof. Von Stefan Mangold

Klaus Kohlweyer vom Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach findet sich ein. Der will wie jedes Jahr als Auktionator versuchen, das finale „. . . und zum Dritten“ so lange wie möglich hinauszuzögern, um die Preis nach oben zu treiben. Doch unter den meteorologischen Umständen scheint es fraglich, wie oft und für welche Beträge das gelingen soll.

Offenbacher Einzelhändler und Gewerbetreibende haben 108 Päckchen mit Sachwerten und neun Kuverts mit Gutscheinen bestückt, gespendet. Was drin steckt, können die Veranstalter von Wirtschaftsförderung und Treffpunkt meistens nur erahnen. Die Auktion am Rathaus hat mittlerweile Tradition. Wie lange schon, weiß niemand so genau, „gefühlt seit zwölf Jahren“, meint Amtsleiter Jürgen Amberger.

Derweil schafft es Pianist Frank Spannaus tatsächlich, trotz der Kälte die Finger am Keyboard auseinander zu bekommen, um Soul- und Jazzsängerin Caroline Mhlanga zu begleiten.

„Wir knacken die 6000 Euro!“

Klaus Kohlweyer aber gibt sich verwegen: „Wir knacken die 6000 Euro!“ Unter den Umständen glaubt daran niemand. Einer erinnert sich, „vor der Bühne schon 800 Leute“ gesehen zu haben. Danach schaut es jetzt nicht aus. Doch langsam sammeln sich die Besucher des Weihnachtsmarktes unter den Dächern der Buden. Kohlweyer beginnt. Für jedes Päckchen gibt er 20 Euro vor. Den Erlös der Versteigerung sollen sich der Offenbacher Ableger der Frankfurter Tafel und die Mediathek der Leibnizschule teilen. Die Lehrerinnen Nicola Wölbern und Barbara Simons helfen ebenso mit wie Christine Sparr, die seit Jahren in Offenbach die Tafel organisiert. Es gibt Päckchen und Kuverts, in denen wittern die Leute besonders attraktive Inhalte. Wie im Gutschein eines Hotels. Kohlweyer deutet „zwei Nächte für zwei Personen“ in einer deutschen Stadt an. Berlin, Offenbach und München stellt er als Möglichkeiten vor. Einem der Bieter ist das 130 Euro wert, auch auf die Gefahr hin, nur ein paar Meter von zu Hause weg in die Kissen fallen zu können. Aber das Hotel führt in allen drei Städten eine Dependance und lässt die Wahl.

Aus etlichen Geschäften stammen gleich mehrere Päckchen. Zweimal muss sich Kohlweyer deshalb aus dem Publikum eine nahe liegende Witzelei anhören. Als er die Pakete eines Hörgerätevertreibers anbietet, rufen gleich mehrere „Häh?“ und „Was?“. Kohlweyer, Vize-Vorsitzender des Offenbacher Karnevalvereins, kennt den Scherz seit Jahren.

Päckchen eines Friseurs

Dann stehen Päckchen eines Friseurs zum Ersteigern an. Was Männer mit fehlendem Haupthaar nicht unbedingt dazu hinreißt, den Arm zu recken. Das Risiko, es könnte ein nutzloses Produkt drin stecken, ist nicht kalkulierbar. Aber es finden sich genügend Interessenten, die für Fön oder ähnliches Utensilien Verwendung hätten und einander überbieten.

Überschreitet ein Gebot 100 Euro, spielt Frank Spannaus ein Tusch-Solo. Mehrfach greift er in die Tasten. Wer ein Päckchen ersteigert, nimmt automatisch an einer Verlosung. Der Verband der Elektrotechnik hat ein iPad gestiftet. Der Offenbacher Ernst Exner gewinnt es. Zum Schluss summiert sich der Erlös auf 5400 Euro. Weil Klaus Kohlweyer mit seinen geschätzten 6000 Euro recht behalten will, legt seine Firma den Rest drauf.

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