Carl-Ulrich-Brücke wird gesperrt

Die Schmierseife macht’s

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Auf diesem Bild ist es ansatzweise zu erkennen. Der Scheitelpunkt der neuen Carl-Ulrich-Brücke liegt etwa 80 Zentimeter höher als bei der bisherigen (grüne Konstruktion unter der 112 Meter messenden Mittelöffnung), die ab 1. November abgerissen wird.

Offenbach - Die künftige Mainquerung ist nahezu fertig. Jetzt wird noch die alte abgebrochen und die neue Carl-Ulrich-Brücke an deren Stelle geschoben. Das erfordert vier Wochen Sperrung ab 1. November. Von Martin Kuhn 

Es ist ein Festtag für Offenbach gewesen: Am 1. Oktober 1887 wird „am unteren Ende der Kaiserstraße“ eine feste Mainbrücke nach Fechenheim eröffnet. Während der Einweihung wird Bürgermeister Wilhelm Brink zum Oberbürgermeister ernannt. Nach 127 Jahren, nach Sprengung,  Provisorium und Wiederherstellung folgt ein neuer Brückenschlag, den die Stadt wohl weniger pompös feiern wird.

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Im Gegenteil. Der eine oder andere Berufspendler flucht sicher vor der für 28. November vorgesehenen Eröffnung. Der Flussübergang, von bis zu 19.000 Fahrzeugen täglich genutzt, wird ab 1. November für vier Wochen komplett gesperrt. Den Verkehr – inklusive Buslinien – leiten die Verantwortlichen über Kaiserlei- und Osthafenbrücke um. Mainaufwärts helfen die Fähren in Rumpenheim und Mühlheim. „Zur Vollsperrung gibt es keine Alternative, wir haben mit dem kürzesten Zeitfenster geplant“, entschuldigt sich Bauoberleiter Ulrich Gawlas vorsorglich.

Arbeiter sind schwer beschäftigt

Diese Maschine bringt Bitumenschweißbahnen auf.

Aktuell sind an der neuen Carl-Ulrich-Brücke, die neben der alten auf einer Behelfskonstruktion liegt, die Arbeiter schwer beschäftigt. Die Betonfahrbahnplatte ist zu versiegeln, eine Abdichtung zu erstellen, Schutz- und Deckschicht aufzubringen, Bitumenschweißbahnen sind zu verlegen. Am Ende wiegt die neue Brücke gut 5000 Tonnen, davon etwa 1400 aus Stahl. Markant: Der Scheitelpunkt liegt etwa 80 Zentimeter höher als beim maroden Vorgänger, den Hessen Mobil regelmäßig überwacht.

Tja, und dann ist die sogenannte Stahlverbundbrücke lediglich noch 20 Meter zu verschieben. Hört sich simpel an, erfordert aber noch ein gutes Stück Ingenieurskunst. Zunächst brechen Firmen die alte Brücke ab, zersägen die Fahrbahn und Stahlkonstruktion in bis zu 20 Meter lange Teile. Diese werden mit Abbruchbaggern an den Ufern sowie einem Schwimmkran ausgehoben und auf dem Undine-Gelände zerkleinert, recycelt und entsorgt.

Einschwimmen der Carl-Ulrich-Brücke

Im Anschluss sind die Brückenpfeiler beziehungsweise -köpfe dran, die abzubrechen sind. Wenn Beleuchtung und Kameras im trüben Wasser nicht genügen, werden Taucher in bis zu vier Meter Tiefe die Baggerführer instruieren. Ob’s zu bösen Überraschungen wie bei der Kampfmittelräumung (gefunden wurden allein 7565 Zwanzig-Millimeter-Panzergranaten) kommt, ist ungewiss. Das verzögerte den 17-Millionen-Euro-Bau immerhin um nahezu sieben Monate. Sicher ist hingegen, dass die Ingenieure früher „flach und groß gegründet haben“, fasst Projektleiter Winfried Glitsch zusammen. Das bedeutet: Die Fundamente reichen etwa 1,50 Meter unter den Flussgrund. Kein Vergleich zur heutigen Bauweise. Die Baupfähle reichen bis 30 Meter tief in den Boden.

Der Querverschub auf die neuen Betonpfeiler kommt gemächlich voran. Jeder Hub der großen Hydraulikpressen schiebt das Bauwerk etwa 30 Zentimeter näher an die endgültige Position. Die 235 Meter lange Brücke wird auf Teflonbändern bewegt, die Arbeiter einseitig mit reichlich Schmierseife versehen. „Die alten Hausmittel sind immer noch bewährt“, sagt Gawlas. Das Team hofft, dass dieser Verschub in drei Tagen erledigt ist. „Rechnen Sie nicht nach“, mahnt er die Journalisten, „nach jedem Hub wird exakt nachgemessen und gegebenenfalls korrigiert.“

Bilder vom Einschwimmen der Carl-Ulrich-Bücke

Neue Carl-Ulrich-Brücke schwimmt

Damit der enge Zeitkorridor gehalten wird, fahren die Firmen auf der Baustelle am Main 24-Stunden-Schichten. „Auch samstags und sonntags“, so Projektleiter Glitsch. Lediglich an den stillen Sonntagen (Volkstrauertag, 16. November, Totensonntag, 23. November) ruht der Betrieb. Im November ist aber längst nicht Schluss: Nach den Arbeiten ist vor den Arbeiten. „Witterungsabhängige Erd- und Straßenbauarbeiten“ folgen in den Osterferien 2015 – im Schutze von halbseitigen Sperrungen.

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