Spezialeinheit gegen Leseschwäche

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Lese-Taskforce: Die teilnehmenden Studentinnen trafen sich in der Wilhelmschule zum Gedankenaustausch mit Lehrerinnen der fünf Grundschulen, die bei dem Förderprogramm mitmachen.

Offenbach - Ei, Maus, Kamm – eigentlich einfache Worte. Doch so mancher Offenbacher Zweitklässler hat Probleme damit, die Buchstaben zu entziffern. Bei der „Würzburger Leise Leseprobe“, einem diagnostischen Verfahren zur Feststellung der schulischen Leistung in der Grundschule, gilt es, Begriffe zu lesen und die Worte einer Zeichnung zuzuordnen. von Dennis Düttmann

Im November vergangenen Jahres nahmen besonders schwache Schüler von fünf Grundschulen in der Innenstadt an dem standardisierten Test teil. Oft erreichten sie dabei nur zehn Prozent des ihren Alters entsprechenden Niveaus.

Das hat sich jetzt geändert: Vier bis sechs Stunden pro Woche haben Studenten der Lese-Taskforce mit den Schülern Lesen geübt, am Textverständnis gearbeitet und den Wortschatz erweitert. Bis zum Ende des Schuljahrs sind die Leistungen der Kinder nun eklatant gestiegen und bewegen sich jetzt um die 60 Prozent des Standardwertes.

Die Studentinnen für Lehramt Förderschule der Frankfurter Goethe-Universität hospitierten zunächst im Unterricht und sprachen mit den Klassenlehrern, um sich ein Bild vom Leistungsstand der Kinder zu machen. Dann stellten sie individuelles Lehrmaterial für die einzelnen Schüler zusammen und begannen mit dem Förderunterricht.

Teilweise musste das Alphabet noch einmal wiederholt werden, wir haben das Lesen einzelner Silben geübt und den Schülern neue Worte beigebracht“, sagt Verena Lieske, die an der Eichendorff-Schule gearbeitet hat. Ein Student ist für maximal zwei Kinder zuständig – der großzügige Betreuungsschlüssel sorgt für eine rasche Leistungssteigerung. „Es lassen sich auch Persönlichkeitsveränderungen beobachten, die Schüler werden beispielsweise selbstbewusster“, erklärt Stefanie Mudrack. „Die Erfahrung, dass sich eine Person ganz intensiv um sie kümmert, haben die Kinder bisher noch nicht gemacht.“ Finanziert wird der zusätzliche Unterricht mit einem Jahresetat von 23 500 Euro für die Gehälter der Studenten und Lehrmaterialien von der Dr. Marschner-Stiftung.

Am Montag trafen sich die 20 Studentinnen mit den verantwortlichen Lehrerinnen zu einem Gedankenaustausch in der Wilhelmschule. Sie erarbeiteten Vorschläge, wie die Lese-Taskforce noch weiter entwickelt werden könnte und wo sie sich zusätzliche Unterstützung wünschen würden. So sollen die Treffen nun regelmäßiger stattfinden, die Lehrmaterialien weiterentwickelt und dem Bedarf angepasst werden sowie an der Kommunikation zwischen Lehrern und Studenten gearbeitet werden.

Wir verfolgen mit der Lese-Taskforce gleich zwei Ziele“, sagt Stefanie Rinck-Muhler, Geschäftsführerin der Arbeitsstelle für sonderpädagogische Schulentwicklung und Projektbegleitung an der Goethe-Uni. „Auf der einen Seite wollen wir die Schüler fördern, auf der anderen Seite die Studenten qualifizieren und ihnen erste Einblicke in die praktische Arbeit ermöglichen.“ Angesichts des Lehrermangels sieht die Direktorin des staatlichen Schulamtes, Ingrid Zoller, in dem Projekt sogar eine Chance für Standortwerbung: „Wir können Studenten nach Offenbach holen und sie in der Zukunft vielleicht als Lehrer gewinnen.“

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