Spiel mit Illusionen

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Perfekter Illusionist, Zauberer und Aktionskünstler - Harry Keaton.

Offenbach - Harry Keaton ist schon vor Prinz Charles und Königin Sophie von Spanien aufgetreten, Helmut Kohl und Franziska van Almsick ließen sich schon von ihm verzaubern. Es liest sich beinahe wie ein Märchen, und ähnlich empfindet es der selbst ernannte „Magic Man“: „Was ich mir als Kind immer erträumt habe, ist wahr geworden. Von Veronika Szeherova

Ich konnte meine Leidenschaft zu meinen Beruf, meiner Berufung machen. Es ist jeden Tag aufs Neue eine große Freude.“

Eigentlich könnte er in jeder Stadt leben, sein Beruf zwingt ihn schließlich zu häufigen Reisen. Doch Offenbach hat er sich ausgewählt und will es auch „in absehbarer Zeit“ nicht verlassen. Seit drei Jahren lebt und arbeitet er in der Marienstraße in einer ehemaligen Druckerei mit einem festen Team von Büroangestellten, Licht- und Tontechnikern, Sicherheits- und Servicekräften sowie freien Mitarbeitern.

Und auch die Liebe hatte ihn hierher gelockt. Die Liebe zu einer Frau hat sich mittlerweile in die Liebe zur Stadt umgewandelt: „Auch wenn Offenbach auf den ersten Blick etwas spröde wirkt, hat es durchaus seinen Charme. Man muss nur ein bisschen genauer hinsehen. Aber es ist wesentlich besser als sein Ruf.“ Er mag die „klassischen“ Orte wie den Wilhelmsplatz und den Lilipark, joggt gerne am Main entlang, sitzt gerne im „Wiener Hof“, besucht das Theateratelier in der Bleichstraße. „Es gibt hier tolle Vereine und viele Initiativen, die die Stadt reizvoll machen“, lobt Keaton. „Und man kann hier sehr gut arbeiten, zentral in der Stadt und zentral in Deutschland.“

Aus Dreieich stammend, erhielt Harry Keaton schon im Jahr 1986 den Kulturellen Förderpreis der Stadt. Er ging einem geregelten Germanistik-, Amerikanistik- und Theater-, Film- und Fernsehwissenschafts-Studium nach, das er mit Promotion beendete. Doch das Verlangen, auf der Bühne zu stehen, Menschen zu verzaubern, wurde immer stärker.

„Staunen ist der Beginn aller Wissenschaft und Kunst.“ Mit dem Goethe-Zitat erklärt Keaton seine Begeisterung für die Magie. „Wenn die Menschen nicht mehr nach dem Warum und rationellen Erklärungen suchen, sondern einfach nur noch staunen und wirklich verzaubert sind, dann habe ich meine Sache gut gemacht.“ Eine gute Zaubershow sei für die Zuschauer wie ein Jungbrunnen: „Die Logik wird an der Nase herumgeführt.“

Wahrnehmungs-Lenkung heißt für Harry Keaton daher das Zauberwort. Hinter der Magie stecke ein komplizierte Psychologie. „Ich muss den Zuschauer dabei lenken, nur das wahrzunehmen, was er wahrnehmen soll, die Informationen müssen selektiert werden.“ Die gezielte Auswahl der Informationen, die er an das Publikum herantrage, sei dabei die Kunst des Magiers. „Plumpe Ablenkungsmanöver sind natürlich tabu“, versichert Keaton. „Darauf fällt niemand rein.“ Stattdessen nimmt er die Zuschauer „an die Hand“ mithilfe von Sprache, Bildern und Musik.

Auch nach 20 Jahren Bühnenerfahrung ist Keaton nicht frei von Lampenfieber. „Aber ich habe gelernt, es mir zum Freund zum machen.“ Es helfe ihm dabei, seinen Körper und Geist auf Hochtouren zu bringen, was für die Show unbedingt erforderlich ist: „Wenn ich auf der Bühne stehe, gibt es in dem Moment für mich nichts anderes. Jede Show ist wie ein neuer Krimi, denn jedes Publikum reagiert anders.“ Daher kann auch niemals ein Programm immer gleich ablaufen. „In meinen Shows erfolgt ein ständiger Austausch mit den Zuschauern, die beiderseitige Kommunikation ist das Wichtigste.“ Die tägliche Arbeit von Keaton und seinem Team besteht darin, die Show nachzubereiten, daraus zu lernen und die nächste Show vorzubereiten. „Es ist ein ständiger Entwicklungsprozess, den wir durchgehen“, so Keaton.

Inspiration holt er sich kaum durch Kollegen wie David Copperfield, sondern eher aus Filmen, Literatur oder gar Architektur. „Die besten Ideen kommen manchmal ganz unverhofft auf der Straße“, verrät Keaton. Seine neueste, gut funktionierende Idee, Glas zu „zersingen“ (also es durch eine extrem hohe Stimmlage zu zerbrechen), kam ihm allerdings bei der Lektüre des Grass-Klassikers „Die Blechtrommel.“

Derzeit feiert Keaton Erfolge mit seinem neuen Programm „Liebeszauber“, das im vorigen Jahr am Valentinstag Premiere hatte. In der Show geht es, wie der Titel schon sagt, rund um das größte aller Gefühle - die Liebe. Neben magischen Überraschungen ist die Kommunikation mit den Zuschauern und die Beantwortung ihrer Fragen der Kern: Sei es die Suche nach dem Traumpartner, die Zukunft der Beziehung oder Hilfe bei Liebeskummer. Dank seiner Fähigkeit zur „Psychometrie“, die ein extrem stark entwickeltes Einfühlungs- und Wahrnehmungsvermögen erfordert, kann Harry Keaton sich völlig auf die eine Person einlassen und so erspüren, was er sagen soll. „Dies ist immer eine besonders schöne und starke Sequenz in der Show“, findet Keaton.

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