Mathildenplatz fest in Kinderhand

Spielen ohne Berührungsangst

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Der Spiellaune der Kleinen waren beim „Inklusiven Kinderfest“ keine Grenzen gesetzt. So wird aus einer Offenbach-Post eine originelle Kopfbedeckung.

Offenbach - Spielen ist schön. Gemeinsam mit anderen macht’s noch mehr Spaß. Beim „Inklusiven Kinderfest“ auf dem Mathildenplatz am Samstag steht das Gemeinsame im Vordergrund. Von David Heisig

Egal aus welcher sozialen Schicht, mit welchen Fähigkeiten oder Einstellungen – Kinder sollen miteinander in Kontakt kommen, spielen und Ressentiments abbauen. „Es geht um Kinder mit Migrationshintergrund oder eben auch Kinder mit Behinderung“, erläutert Dorothea Terpitz vom Verein „IGEL“, der Initiative für Gemeinsames Lernen.

Inklusiv leitet sich von Inklusion ab, ein Ansatz, der in einer Charta der Vereinten Nationen verankert auch in Offenbach Einzug hält. Kern ist die Wertschätzung der Vielfalt in Bildung und Erziehung. Vor allem die gegenseitige Akzeptanz steht im Fokus. Körperlich und geistig behinderten Kindern soll der Zugang zur gemeinsamen Entwicklung mit Nicht-Behinderten in Kindergarten und Schule möglich sein. Das Motto „Wer offen ist, kann mehr erleben“ von Kinderfest und Interkulturellen Wochen verkörpert dieses gegenseitige voneinander Profitieren.

Integration fängt bei den Kindern an

„Die Wochen gehen auf eine Initiative des Bundes zurück und werden in Offenbach seit 16 Jahren veranstaltet“, ruft Jose Madeira Pires von der Caritas ins Gedächtnis – einem Mitveranstalter neben Stadt, Gewerkschaften, Kirchen und Vereinen. „Integration fängt auch bei den Kindern an“, sagt er. „Wenn sie hier spielen, dann kommen einfach die Leute miteinander in Kontakt“, freut er sich.

Skeptiker der Inklusion tun diese als ideologische Gleichmacherei ab und befürworten ein Bildungssystem mit vergleichbaren, homogenen Lerngruppen. Die Befürworter sehen die Gesamtheit als gleich, jeder habe dabei aber eigene Bedürfnisse. Das bedeute einen Spagat für jeden Einzelnen und die Gemeinschaft. Zumal neben den Gemeinsamkeiten auch immer individuelle Förderung stehen müsse.

So sind finanzieller und praktischer Aufwand bei gelebter Inklusion hoch. Kritiker werfen ein, dass etwa in der Bildung das bestehende System nicht geändert worden sei, es an der nötigen Infrastruktur oder ausgebildeten Fachkräfte fehle. Terpitz als Verfechterin kennt diese Ansichten. „Irgendwann muss man mal anfangen. Wenn man immer auf die optimalen Bedingungen wartet, kommen wir nie zu irgendwas.“ Es sei nicht nur eine Frage der Ressourcen, sondern der Einstellung. Obwohl auch sie betont, ohne spezielle Förderungen komme man nicht weit.

Lange Schlangen vor der Kistenrutsche

Den Kindern, die am Samstag gemeinsam malen, Märchen hören und mit großen Augen die Welt entdecken, sind solche Diskussionen erstmal egal. Natürlich sind solche Feste etwas ganz anderes im Vergleich zum täglichen Schultrott. Bei der ersten Kontaktaufnahme für ein paar Stunden haben die Kleinen keine Hemmungen und Vorbehalte.

Vor allem wenn es etwas wie eine lange, rasante Kistenrutsche gibt. Die von der Kolpingfamilie geliehene Rutsche ist „immer der Renner“, meint Terpitz. Der andere Höhepunkt ist ein echter Polizeiwagen. Das 1. Revier macht beim Fest mit. Klar, dass die Kleinen und Großen mal in das Auto reinschauen wollen. „Sieht ja gar nicht anders aus als unser Auto“, meint ein Knirps.

Die Jugend vom evangelischen Dekanat bastelt mit den Kindern Hüte aus Zeitungspapier. Bei der Caritas ist eine Torwand aufgebaut und die Kinder können Taschen bemalen. Im Zelt der evangelischen Schlosskirchengemeinde werden Märchen erzählt. Die Kleinen hören gespannt zu. Ausgewichen ist die Veranstaltung auf den Mathildenplatz, weg vom Wilhelmsplatz.

Zum einen, weil dort vormittags Wochenmarkt ist und das organisatorisch schwierig sei, erklärt Nicole Horn von der Carijob. „Dann wollten wir noch ein weiteres Fest hier im Stadtteil installieren“, erzählt sie weiter. Neben der Caritas und IGEL sind die Kita der Schlosskirchengemeinde, das Quartiersmanagement Mahildenviertel und das 1. Polizeirevier Veranstalter.

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