Spielend in Höhen und Tiefen

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Auch was fürs Auge sind die Konzerte des Sängerkreises Offenbach. Im Büsingpalais stellten seine Mitglieder und musikalische Gäste ihr Können wieder einmal unter Beweis.

Offenbach - Seit mehr als einem Vierteljahrhundert gestaltet Kreis-Chorleiter und Kapellmeister Bernhard Seelbach das vorweihnachtliche Konzert des Sängerkreises Offenbach. Von Reinhold Gries

Wie ansteckend die Begeisterung und Kompetenz des 72-jährigen Grandseigneurs der Chormusikszene immer noch ist, sahen und hörten die Besucher im Büsingpalais.

Da schwärmte auch Fred Schultheis, Kickers-Recke und Sänger des Gesangvereins Concordia Bieber: „Seelbach hat uns perfekt im Griff, es gibt keinen besseren Dirigenten.“ Gefühlvoll ließ der Maestro vom Klavier oder Dirigentenpult aus seine Concordia-Männer das Himmelsbrot des altitalienischen Lobgesanges „Alta trinita beata“ verteilen. Seelbach und seine Bieberer wiederlegten vieles, was über Männerchöre gesagt und geschrieben wird. Auch, dass man in reiferem Alter keine gute Stimme mehr haben kann.

Das war nicht alles an diesem Adventsabend, der in stimmungsvollem „Stille Nacht, heilige Nacht“ –mit Dirk Eisermanns berückendem Solo – und im „O du fröhliche“ endete, bei dem das zahlreiche Publikum mitsang.

Beachtlich die Jung-Concordianer von „pro:ton“

Zum Erfolg trugen auch der von Katja Blumenhein bestens präparierte „Junge Chor pro:ton“ des GV Concordia und die von Eisermann dirigierte „Concordia Classica“ aus Dietesheim bei. Überhaupt Dirk Eisermann! Stunden zuvor schien der Bürgeler Operntenor von einer Erkältung außer Gefecht gesetzt zu sein, dann schwang er sich mit Herz und eisernem Willen zur Sonderleistung empor. Wo andere ins Bett sinken, sang er Soli wie Ferdinand Hillers „Gebet“ oder Engelbert Humperdincks „Altdeutsches Weihnachtslied“, als wär’s kein Problem, mit geschwollenem Hals spielend in Höhen und Tiefen zu kommen.

Solche Hingabe färbte auch auf seine Dietesheimer Schützlinge vom Grünen See ab, die vom alten Hallenser Lied „Macht hoch die Tür“ bis zu David Kings „Jingle bells“ eine reife Leistung boten. Besonders gefielen engelsgleiche Chorsoprane in Cesar Breasgens „O du stille Zeit“ und stimmsichere Männer im „Andachtsjodler“-Kanon aus Sterzing.

Souverän auch das vierstimmig ostinate Glockengeläut des Songs „Carol of the bells“. Da wollten die Concordianer nicht zurückstehen, nun begleitet vom eigens von der Tournee in England gekommenen Streichquartett der Neuen Philharmonie Frankfurt. Sie zogen alle Register ihres Könnens im „Christmettenruf“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und dem von Seelbach arrangierten „Nun singet und seid froh“, am Ende auch im vierstimmigen Spiritual „Amen“ mit Vorsänger Martin Wehner.

Beachtlich die Jung-Concordianer von „pro:ton“. Nach andachtsvoll-polyphonem „Maria durch ein Dornwald ging“ sorgte Blumenheins begabter Kammerchor für Ungewöhnliches: Das „Süßer die Glocken nie klingen“ wirkte im Arrangement Graham Bucklands wie ein Glockenwalzer, Douglas Benchleys „Allejuja“ verblüffte durch schnelle Rhythmen und Swing. Originell die Darbietung von „The Huron Carol“ und des mitreißenden „Vamos“ und „La, la, la“ im erfrischenden chilenischen Trote-Tanz.

Perfekt abgerundet wurde die Musikdramaturgie durch Streichquartette mit Julia Mangelsdorf und Silvia Reich an den Violinen, Wolfgang Zybell an der Viola und Corinna Salow am Cello. Auch die charaktervolle Darbietung des Bach-Chorals „Jesu bleibt meine Freude“ warf die Frage auf, warum dieses Quartett nicht eine feste Offenbacher Größe ist.

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