Spieler setzen Zeichen

+
Kreisfußballwart Karl-Heinz Kohls sagte: „Wir sind bei allem, was Konfliktlösungen anbetrifft, grundsätzlich gegen Gewalt.“

Offenbach - Die Fußballer des Kreises Offenbach werden am kommenden Wochenende vor ihren Spielen eine Schweigeminute für Tugce A. einlegen. Von Jörg Moll

„Wir wollen mit dieser Geste ganz bewusst ein Zeichen gegen Gewalt setzen“, erklärt Kreisfußballwart Karl-Heinz Kohls im Gespräch mit unserer Zeitung. Es ist durchaus eine ungewöhnliche Aktion, die der Kreisfußballwart in Absprache mit seinen Ausschusskollegen auf Anregung zweier Vereine startet. Kohls ist bewusst, dass noch nicht alle Details, die zu dem auf einer Überwachungskamera festgehaltenen Tathergang führten, geklärt sind. „Der kleine Rest des Irrtums bleibt“, räumt er ein.

Im Kreisfußballausschuss habe es nach intensiven Gesprächen und auf Basis des bisherigen Kenntnisstandes aber ein klares Votum für dieses gesellschaftspolitische Zeichen gegeben. „Wir sind bei allem, was Konfliktlösungen anbetrifft, grundsätzlich gegen Gewalt“, betonte Kohls. Der Nieder-Rodener hält die Aktion auch deshalb für sinnvoll, weil die Tat sich auf Offenbacher Boden ereignet habe und es viele Fußballer in der gleichen Altersgruppe wie der des Opfers und des mutmaßlichen Täters gebe. „Tugce A. hat ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt“, meinte Kohls und fügte zudem mit Blick auf den Schläger hinzu: „Für seine Tat habe ich kein Verständnis.“

Lesen Sie dazu auch:

Fall Tugce A.: Mitgefühl und Solidarität im Netz

Eltern wollen Geräte abschalten

Tugce A. verliert Kampf gegen den Tod

18-Jähriger Schläger schweigt

500 Menschen bei Mahnwache

Zweite Mahnwache geplant

Fall Tugce A.: Heftige Kritik an McDonalds-Mitarbeitern

Tugçe A. weiter in Lebensgefahr, Zeugen gesucht

Junge Frau brutal ins Koma geprügelt

Politische Bekundungen jeder Art im Sport sind häufig Gegenstand heftiger Diskussionen. Als kürzlich der kurdisch geprägte Fußballverein SC 1960 Hanau vor einem Punktspiel in der Gruppenliga Frankfurt Ost mit einem Plakat mit der Botschaft „Solidarität für die Kurden in Kobane“ auf die von ISIS-Terroristen eingeschlossenen Landsleute hinwies, wurde er sogar zu 300 Euro Strafe verurteilt. Die Begründung: Politische Bekundungen sind laut Reglement des Weltverbandes FIFA verboten. Kohls teilt dieses Rechtsverständnis. „Hätten die Hanauer aber angefragt, ob sie eine Gedenkminute für die ISIS-Opfer abhalten dürfen, hätten sie sicher die Zustimmung dafür erhalten.“

Mahnwache für Tugce A.

Mahnwache für Tugce A.

Kommentare