Spielgruppe im KJK Sandgasse

Lerneffekte auch für Mütter

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Spielerisch lernen in der Sandgasse Mütter und Vorschulkinder mit Erzieherin Dorothea Brandt-Schöneck (links) deutsch.

Offenbach - Ihren Mann amüsiere es, wenn er merke, wie sie beim Betreten eines Raumes mit einem Blick das Geschehen erfasse, erzählt Dorothea Brandt-Schöneck. Ein Automatismus, den die 69-jährige ehemalige Erzieherin auch als Rentnerin nicht loswird. Von Stefan Mangold 

Zumal sie die im Beruf erworbenen Fähigkeiten noch immer brauchen kann. Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren leitet Dorothea Brandt-Schöneck ehrenamtlich eine Spielgruppe für Kinder und Mütter im Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums (KJK) an der Sandgasse 26. Der Kreis trifft sich jeden Mittwoch zwischen 9 und 11 Uhr im Café-Raum der Einrichtung. Um die Organisation kümmert sich Mechthild Dänner als Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Offenbach. Den Raum stellt die Stadt für lau zur Verfügung.

Bis zu 18 Mütter erscheinen mit ihren Kindern im Vorschulalter. Jede wirft 1,50 Euro in ein Sparschwein. Dafür gibt es Tee, Kaffee und Obst für die Kinder. Die meisten, die das Angebot nutzen, sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. „Für sie ist es auch eine Möglichkeit, ohne viel Geld auszugeben, einander zu treffen“, weiß Mechthild Dänner. Väter mit Kindern sind zugelassen. Aber nur theoretisch. Die fühlen sich jedoch in der Regel schon unter den deutschen Müttern auf dem Kinderspielplatz eigenartig fremd. In muslimisch geprägten Kulturen dominiert eine strenge Trennung der Geschlechter. Bei bestimmten Spielen kommt es in der Gruppe zwischen Erwachsenen zur Berührung der Hände. „Das ginge mit Männern auf keinen Fall“, sagt Gruppenleiterin Dorothea Brandt-Schöneck.

Eine Hürde, in der Spielgruppe zu erscheinen, besteht sonst keine. Niemand muss sich anmelden oder einen festen Beitrag zahlen. Die Werbung läuft über Mundpropaganda. Handzettel verteilt schon seit Jahren niemand mehr. Die Frauen stammen aus den verschiedensten Ländern. Eine Zeit lang sogar von allen fünf Kontinenten – eine Australierin kam regelmäßig mit ihrem Kind vorbei. Als Honorarkräfte betreuen Fatma Yücel und Zübeyda Kabakci auch die Küche. Zübeyda Kabakci, die in Offenbach aufgewachsen ist, berichtet, wie sie selbst früher erst mit dem Sohn und dann mit der Tochter teilnahm, die jetzt in den Kindergarten geht. Fatma Yücel gehört seit dem Startschuss zum Team der Spielgruppe.

Mit den Kindern zu spielen oder ihnen spielerisch etwas beizubringen, sei für viele Mütter eine neue Erfahrung, die sie gerne annähmen, beobachtet Dorothea Brandt-Schöneck. Ihr relativ hohes Alter sei ein Vorteil im Kontakt mit ihnen. „Die jungen Mütter suchen dadurch eher meinen Rat“, sagt die ehemalige Erzieherin. Für die Kinder geht es diesmal spannend zu. Der Osterhase verlegte durch die anstehenden Schulferien, in denen die Spielgruppe ausfällt, seinen Dienst vor. Für jedes Kind liegt ein Körbchen im Gebüsch versteckt. An 6. Dezember schaut der Nikolaus vorbei, was für die muslimischen Frauen, anders als viele vermuten könnten, kein Problem darstellt. „Wir feiern alle Feste und sprechen über ihre Bedeutung, natürlich wird auch so mit dem Ramadan verfahren“, erklärt Dorothea Brandt-Schöneck. Sie schaltet den CD-Spieler an und zu „eins, zwei, drei im Sauseschritt, gehen alle Kinder mit“, machen nicht nur die Kinder, sondern auch die Mütter mit. Eine entspannte Methode, um deutsch zu lernen. Wenn es schnell gehen soll, dann falle sie auch mal ins Türkische, erzählt eine Frau. Worauf Dorothea Brandt-Schöneck interveniert: „Ich will auch was verstehen.“

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