Spielplatz an Johannes-Morhart-Straße

Bombensorge stoppt Bagger

+
Noch haben OB Horst Schneider und Fraport-Vertreter Frank Cornelius gut lachen: Solange nicht endgültig feststeht, wie viel teurer die geplante Sanierung des beliebten Nordend-Spielplatzes aufgrund des entdeckten Trümmerschutts wird, wollen sie an ein möglichst glimpfliches Ende glauben.

Offenbach - Die Stadt muss die Sanierung des Spielplatzes an der Johannes-Morhart-Straße überraschend verschieben: Vor dem Umbau ist erst der Boden auf Weltkriegs-Relikte zu sondieren. Von Jenny Bieniek 

Schon seit Ende Februar sind Experten am größten Spielplatz des Nordends zugange, um den beliebten, zentral gelegenen Treffpunkt zu verschönern. Eigentlich war die Einweihung des neuen Areals an der Johannes-Morhart-Straße für Juli geplant. Seit vergangener Woche steht jedoch fest: Die Sanierungsarbeiten werden sich verzögern.

Was OB Horst Schneider und Bürgermeister Peter Schneider gestern zu verkünden hatten, wird bei so manchem jungen Besucher die Vorfreude getrübt haben. Bei Erdarbeiten haben Fachleute im Zuge der anstehenden Bodensanierung trotz bereits vorangegangener Sondierungen in der Planungsphase kürzlich mehrere unterirdische Keller entdeckt, die vermutlich mit Trümmerschutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt wurden. Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich in dem Schutt neben Nägeln, alten Rohrleitungen und anderen Metallresten auch gefährliche Kriegsüberbleibsel befinden, kann der Kampfmittelräumdienst die Flächen derzeit nicht freigeben.

Lesen Sie dazu auch:

Der Steuerzahler blecht

Entschärftes Exponat

Für eine belastbare Sondierung müssen die Keller zunächst ausgebaggert und die Verfüllungen entfernt werden. „Natürlich wird hier alles zu 100 Prozent sicher gemacht. Trotzdem hätten wir uns das gerne erspart“, kommentiert Horst Schneider die zu erwartenden Mehrkosten. Wie hoch diese letztlich ausfallen, klärt sich innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen. Solange wird es dauern, bis Experten mit Spezialinstrumenten an 15 Punkten Probegrabungen vorgenommen haben. Es gilt herauszufinden, wie viele solcher unterirdischer Keller auf dem rund 3300 Quadratmeter großen Areal verteilt sind und wie tief diese liegen. Erst dann können die Experten abschätzen, welche Arbeiten notwendig und wie hoch die Kosten hierfür sind. Die zahlreichen Bäume, deren Wurzelwerk eine aufwändige Spatensondierung nötig macht, könnten die Kosten in die Höhe schrauben.

Blindgänger auf Hafeninsel

Der ursprüngliche Plan sah vor, das laut OB Schneider „ziemlich abgespielte“ Freizeitareal, das gleichzeitig das „soziale Herz des Nordends“ sei, für 325.000 Euro zu sanieren. Die Fraport AG fördert die anstehende Bodensanierung dabei mit 100.000 Euro. Bei der veranschlagten Summe wird es jedoch vermutlich nicht bleiben.

Doch im Grunde sind sich beide Schneiders einig: Weil gerade im Nordend viele junge Menschen lebten und jede Freifläche erhalten werden müsse, sei eine Fertigstellung der Arbeiten „alternativlos“. Im Zweifel müsse die Sanierung per Nachfinanzierungsantrag gewährleistet werden. Man hoffe, dass dieser unvorhergesehene Umstand mit einem verhältnismäßigen Mehraufwand bis spätestens Herbst zu bewältigen sei.

Die Kinder und Jugendlichen aus dem gegenüberliegenden Jugendzentrum haben derweil schon mal Wünsche auf Stellwänden notiert: Ein Regendach wäre schön, ebenso Tische, Trampolin und Wippe. Bürgermeister Peter Schneider bleibt optimistisch: „Ich freue mich auf das Ergebnis des Umbaus, auch wenn’s wohl doch teurer wird als geplant.“

Bombe in der Offenbacher Innenstadt (2010)

Bombe in der Innenstadt

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare