Schwitzen statt spritzen

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Maruan auf dem Spielplatz am Ketteler-Krankenhaus: Er sehnt sich nach einer Lösung, die es der Stadt erlaubt, die Brunnen wieder anzustellen.

Offenbach - Maruan lässt traurig staubtrockenen Sand durch die Hände rieseln. Auf seinem Spielplatz an der Puteauxpromenade herrschen an diesen heißen Tagen Verhältnisse wie in der Sahara. Früher gehörte das Areal zu den privilegierten Freizeitanlagen für Kinder. Von Sonja Achenbach

Im Sommer sprudelte stets Wasser aus dem Mosaikbrunnen, spendete Erfrischung, der Elfjährige konnte fröhlich Matschburgen bauen. Bis im vorigen Jahr die Spielplatzpumpen versiegten. Seitdem gilt dort: Schwitzen statt Spritzen.

Wie es letztlich zu dieser Durststrecke kam, ist gar nicht so leicht herauszufinden. Stadtsprecher Matthias Müller verweist auf die 2011 in Kraft getretene Änderung der bundesweiten Trinkwasserverordnung. Die Paragrafen des Regelwerks legen strengere hygienische Grenzwerte fest für Keime und Bakterien, darunter die gefährlichen Legionellen. Vorgeschrieben ist seitdem unter anderem, dass bei Trinkwasser ein regelmäßiger Durchfluss gewährleistet sein muss.

Weil auf zehn Offenbacher Spielplätzen mit Wasserversorgung dieser andauernde Durchfluss nicht gewährleistet sei, habe man dort Konsequenzen gezogen und die Pumpen vorsichtshalber abgebaut: „Wir wissen nicht, wie lange das Wasser in der Leitung steht, bis es wieder von einem Kind angestellt wird.“ Die deutlich angebrachten Hinweise „Kein Trinkwasser“ reichen laut Müller nicht aus, um die Stadt von ihrer Haftung zu befreien.

Wasser soll wieder plätschern

Damit das Wasser wieder plätschern kann und sich die Stadt nicht vor möglichen Klagen zu fürchten braucht, könnten laut Müller die Anlagen mit einem teuren sogenannten Systemtrenner ausgestattet werden. „Für eine solche technische Lösung hat uns bislang aber das Geld, eine fünfstellige Summe, gefehlt.“ Dass gehandelt werden muss, davon ist Müller überzeugt. Städtische Bedienstete müssten immer damit rechnen, rechtlich belangt zu werden, wenn etwas passiert: „Stellen Sie sich vor, das Kind einer streitbaren Mittelstandsmutter holt sich was, da haben wir gleich eine Klage am Hals.“

Dieser Einschätzung widerspricht Jochen Peter vom städtischen Gesundheitsamt in einer ersten Stellungnahme: „Nach meinem Kenntnisstand hat die Änderung der Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2011 keinen Einfluss auf Spielplätze.“ Diese Interpretation stützt Stadtwerke-Sprecherin Regina Preis: Zwar habe 2011 die für Spielplätze zuständige Gebäudemanagement GmbH (GBM) den Ermessensspielraum ihrer Betreiberhaftung genutzt und sich für eine Demontage entschieden. Dies jedoch aufgrund einer DIN-Norm-Novellierung.

Widerstand gegen Spielplatz-Schließung

Die Stadt Dreieich braucht dringend Geld. Deshalb soll unter anderem der Spielplatz in der Bergstraße in Offenthal in Bauland umgewandelt werden. Doch zahlreiche Anwohner wehren sich gegen die geplante Spielplatz-Schließung.

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Offenbar ist eben doch alles halb so wild, denn zwischenzeitlich zeichnet sich ein Ende der fast dreijährigen Durststrecke ab. Die gereinigten und desinfizierten Pumpen sollen ab kommender Woche wieder installiert werden. Schon bald könnte dann überall wieder Wasser fließen, verspricht die Stadt. Als Übergangslösung soll alle 72 Stunden ein Stadtbetriebsmitarbeiter das Wasser laufen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich das sommerliche Wetter solange hält..

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