Suchthilfezentrum Wildhof

Spielsucht: „Der Kick steht im Mittelpunkt“

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Offenbach - Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige ist seit Jahren das Suchthilfezentrum Wildhof, das in Offenbach und Dietzenbach kostenlose Beratung bietet. Ansprechpartnerin ist Stefanie Höft, die die Nachfolge von Barbara Hanelt-Thomas angetreten hat. Wir haben uns mit ihr unterhalten.

Sportwetten, Roulette oder Würfelspiele gibt es seit Jahrhunderten. Was macht das Glücksspiel heute so gefährlich?

Nicht alle Glücksspiele sind per se gefährlich, nicht jeder Spieler läuft Gefahr süchtig zu werden. Doch Studien belegen, dass gerade das Spiel an Glücksspielautomaten ein hohes Suchtpotenzial hat. Fast 75 Prozent aller Klienten in Suchthilfeeinrichtungen, bei denen eine pathologische Glücksspielsucht vorliegt, spielen an Automaten. Die in Spielhallen und Gaststätten aufgestellten Automaten sind technisch hoch komplexe Geräte: die schnelle Abfolge von Spielen mit rasanten Gewinn- und Verlustentscheidungen innerhalb weniger Sekunden erhöhen die Gefahr süchtig zu werden. So steht oft nicht mehr der mögliche Gewinn, sondern der Nervenkitzel, der „Kick“ im Mittelpunkt.

Wann wird aus dem unbeschwerten Spiel Ernst? 

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Glücksspielsucht ist eine Erkrankung, die in Entstehung und Verlauf individuell sehr unterschiedlich sein kann. Gefährlich wird’s, wenn das Spielen zum Mittelpunkt im Leben der Betroffenen wird, Familie oder Partner in den Hintergrund geraten, tiefere Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten kaum noch stattfinden, die finanzielle Situation immer bedrohlicher wird, das Konto schon vor Monatsende leer ist, die Miete nicht mehr gezahlt werden kann und hohe Schulden entstehen.

Was unterscheidet die Spielsucht von Alkoholismus oder Drogensucht? 

Glücksspielsucht weist ähnliche Merkmale wie andere Abhängigkeitserkrankungen auf. Doch im Unterschied zu Alkoholismus oder Drogensucht gibt es oft keine sichtbaren körperlichen Veränderungen. Häufig lassen sich aber Veränderungen im Verhalten oder in dem Gefühlsleben der Betroffenen feststellen: soziale Kontakte werden abgebrochen, Verpflichtungen vernachlässigt, starke Gefühlsschwankungen gezeigt, oft kommt es auch zu depressiven Verstimmungen bis hin zur Selbstmordgefährdung.

Wie wird diese Krankheit erfolgreich behandelt?

Sowohl stationär als auch ambulant kann sie erfolgreich behandelt werden. Eine ambulante Therapie hat den Vorteil, dass die Betroffenen während der Therapiedauer in ihrem sozialen Umfeld bleiben und ihrer beruflichen Tätigkeit weiter nachgehen können. Wir bieten eine ambulante medizinische Rehabilitation an, da wir von den Rentenversicherern und Krankenkassen anerkannt sind. Sie beinhaltet wöchentliche Gruppen- und Einzeltherapie. Die Behandlungsdauer geht bis zu 18 Monaten. Daneben besteht auch die Möglichkeit einer stationären Behandlung.

Terminvereinbarung im Wildhof werktags, 9 bis 18 Uhr, unter 069/9819531-0.

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