24 Stunden, solange die Kraft noch reicht

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Blieben sogar über Nacht im Freibad auf der Rosenhöhe: Die EOSC-Schwimmer Mirko, der junge Nikola und Chris Djordjevic (von links) mit Cheftrainer Benjamin Friedrich (Mitte).

Offenbach - Das Blondhaar verstrubbelt, aber schon fast wieder trocken, so saust er um die Ecke und gesellt sich zu seinen Brüdern, will „erst mal was futtern“. Wenige Minuten ist es her, dass er dem Becken des Freibads auf der Rosenhöhe entstiegen ist. Von Harald Richter

Aber so recht merkt man ihm die zehn Kilometer eigentlich gar nicht an, die ihm in den Knochen stecken. Vor allem: Es werden nicht seine letzten Kilometer sein, denn er hat sich mehr vorgenommen.

Nikola („Niko“) Djordjevic, 13-jähriger Schüler aus Hanau und ebenso wie seine Brüder Mirko (17) und Chris (19) für den Ersten Offenbacher Schwimm-Club (EOSC) startend, nimmt am 24-Stunden-Sponsorenschwimmen des EOSC teil. Die Premiere dieses Ereignisses von Samstagmorgen bis Sonntagfrüh soll helfen, die steigenden Kosten für Wettkämpfe, Trainingslager und Schwimmausrüstung zu decken.

An die 40 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren, allesamt Leistungsträger des EOSC, haben sich dafür gemeldet, im Vorfeld nach Förderern Ausschau gehalten und sie gefunden: Autohäuser, ein Textilfachgeschäft, ein Unternehmen der Sicherheitsbranche, weitere Firmen und vor allem eine Anzahl Privatleute.

Zirka 100 Sponsoren

Zirka 100 Sponsoren unterstützen die jungen Aktiven dabei, während der 24 Stunden beliebig viele Kilometer zu schrubben, entweder mit einem pauschalen Spendenbetrag oder einem Obolus pro geschwommenen Kilometer. Die Spanne reicht von einem bis zehn Euro. Damit wird sowohl der Einzelsportler als auch das Team motiviert, aber nicht überfordert, wie der verantwortliche Trainer Benjamin Friedrich unterstreicht. Er und seine Kollegin Evelyn Kaupert begleiten das Geschehen vom Beckenrand aus. Bei laufendem Badebetrieb bleiben zwei Bahnen für die Kilometerfresser abgesperrt.

„20 Kilometer Minimum“, bekommt man als Vorgabe allenthalben zu hören. Gern dürfen es am Ende mehr sein. 17 Kilometer hat Hanna Schallmeyer (14) aus Rödermark schon zurückgelegt und stärkt sich ebenfalls am Verpflegungsstand. Aber auch für sie ist der letzte Anschlag noch nicht abzusehen. Ähnlich plant Irini-Georgia Nikoloudi aus Offenbach. „Mal sehen, was später noch geht“, hält sich die 13-Jährige aber mit Nennung einer konkreten Strecke zurück.

Alle ziehen an einem Strang

Viele Eltern sind mit von der Partie, führen Strichlisten, geben Infos über die jeweils zurückgelegte Distanz und die geschwommene Zeit an die jungen Aktiven im Wasser weiter. Unweit des Beckens kümmern sie sich um die Verköstigung, haben Sportlernahrung – wie Vitaminriegel und isotonische Getränke – besorgt, halten Frotteetuch und Bademantel hin, wenn Sohn oder Tochter fröstelnd aus dem Wasser steigen. Auch Mutter Djordjevic ist zur Stelle, um ihren Söhnen beizustehen. Schließlich ist es lange hin bis zum anderen Morgen. Und noch zwei Mal mindestens wollen Chris („Schwimmen ist für mich mehr als nur Kacheln zählen“), Mirko und Niko ins Wasser und ihre Körper bis ans Limit treiben – später am Tag fünf Kilometer nachlegen und in der Nacht oder ganz in der Frühe abermals fünf. Vielleicht auch mehr, wenn die Kraft reicht.

In dieser Familie ziehen alle an einem Strang. Sieben Mal pro Woche haben die Jungen Training, manchmal schon vor dem Schulunterricht. Chris hat mittlerweile den Autoführerschein, was ihm das Erreichen des Waldschwimmbads erleichtert. Ähnliches gilt für Bruder Mirko, der sich eines Motorrollers bedienen kann.

Finanzierung zweier Trainingslager

Während die Djordjevic-Jungs regenerieren, ziehen weitere Kinder und Jugendliche ihre Bahnen. Wenige Meter vom Schwimmerbecken entfernt sind mehrere Zelte aufgebaut. Denn einige Teilnehmer wollen die Nacht auf dem Gelände verbringen, bevor am nächsten Morgen um Punkt 9 Uhr das 24-Stunden-Schwimmen abgepfiffen wird. Cheftrainer Benjamin Friedrich verkündet unter großem Hallo das Resultat: 497 Kilometer haben seine Schützlinge insgesamt zurückgelegt – wobei das zweite Team sogar auf eine längere Gesamtstrecke gekommen ist als die erste Mannschaft – und 5826 Euro für ihren Verein erschwommen. Dieses Geld soll in die Finanzierung zweier Trainingslager in den Osterferien 2013 gesteckt werden, das eine daheim, das andere in der Türkei.

„Nächstes Jahr knackt ihr dann auch die 500-Kilometer-Marke“, spornt Friedrich an. Und gibt damit zu verstehen, dass das Sponsorenschwimmen eine zweite Auflage erfahren soll.

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