Sport kann Lebenshilfe sein

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Im Boxclub Nordend siegte Youssuf Ndiaye (rechts) für Offenbach und bereitete sich damit auf die Deutsche Meisterschaft vor.

Offenbach - Der BC Nordend war Ausrichter des Turniers „Integration durch Sport“. Benachteiligte Jugendliche lernen in dem Box-Projekt Disziplin und werden bei Jobsuche, Schulproblemen und Familienkonflikten unterstützt. Von Verena Bongartz

Offenbach - Ein meterhohes Banner mit den Worten „Fair play“ bedeckte am Wochenende eine Innenwand der Trainingshalle des Boxclubs Nordend Offenbach. Fairness wird bei dem Verein also wortgetreu groß geschrieben, ist ein zentraler Grundsatz des Boxclubs im Ring und in der Arbeit mit seinen meist jugendlichen Mitgliedern. Wegen seines Engagements in der sozialen Jugendarbeit ist der Boxclub seit zwei Jahren Stützpunktverein der Sportjugend Hessen und war am vergangenen Wochenende Ausrichter des zweiten bundesländerübergreifenden Turniers im Projekt „Integration durch Sport“.

Sportler aus Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen waren angereist und boten den Zuschauern in der vollen Halle am Hafen zehn Kämpfe in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen. Neben dem sportlichen Wettstreit stand vor allem das kulturübergreifende Zusammenkommen der Sportler und Zuschauer im Mittelpunkt.

Großteil stammt aus schwierigen sozialen Verhältnissen

Ein Großteil der rund 120 Jugendlichen, die im BC Nordend trainieren, stammt aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Viele der Mitglieder sind bereits durch Anpassungsschwierigkeiten in der Schule oder hohe Gewaltbereitschaft auffällig geworden. Bernd Hackfort, Geschäftsführer des BC, sieht gerade im Boxen eine Chance, einen neutralen Zugang zu den Jugendlichen zu finden: „Das Boxen dient als eine Art Köder. Die Jugendlichen, die wir erreichen wollen, haben eine gewisse Einstellung zum Boxen, möchten hier zunächst lernen, sich richtig zu prügeln und kommen so erst einmal in eine Struktur hinein“.

Im Verein herrschen klare Regeln. Wer beispielsweise schlechte Zeugnisse mitbringt, muss in die Hausaufgabenbetreuung gehen, um weiter mittrainieren zu dürfen. „Hier im Boxclub zeigen die Jungs die Disziplin, die sie außerhalb nicht mitbringen, weil sie das hier durchziehen wollen“, so Hackfort. Er betont aber, dass Boxen alleine sei noch keine Gewaltprävention. Die Mitarbeiter müssten mit den Jugendlichen klarkommen und auf die spezifischen Probleme eingehen, „ansonsten birgt das Boxen auch immer die Gefahr, die Jugendlichen zu einer Waffe auszubilden“.

Funktionierende Integrationsarbeit machte sich bemerkbar

Rund ein Dutzend Mitarbeiter ist zurzeit beim Offenbacher Boxclub tätig und leistet neben täglichem Training und Hausaufgabenbetreuung auch individuelle Unterstützung etwa bei der Jobsuche, bei kulturellen oder familiären Konflikten. Diese Arbeit lobte beim Boxturnier der stellvertretende Ministerpräsident Hessens, Jörg-Uwe Hahn, der die Integrationsarbeit als vorbildlich darstellte. Die funktionierende Integrationsarbeit machte sich auch im bunt gemischten Publikum bemerkbar. Neben Vertretern der Landesregierung und der Stadt waren viele Mitglieder des Boxclubs anwesend, aber auch externe Zuschauer aller Altersklassen.

Cheftrainer Peter Firner freute sich über die faire Atmosphäre am Ring. Die angereisten Sportler wurden hier ebenso beklatscht wie die heimischen Kämpfer. „Mir war wichtig, dass die Veranstaltung sauber abläuft, dass vor allem unsere Jugendlichen alle unterstützen und dass unser Motto ,Fair Play' nicht zu einem leeren Spruch verkommt.“ Auch mit den sportlichen Leistungen war der Trainer zufrieden. Einer der Höhepunkte war der Kampf zwischen der Offenbacherin Alessandra Sieber und ihrer Kontrahentin Nathalie Bauer, der frisch gekürten deutschen Vizemeisterin in der Gewichtsklasse bis 54 kg. Die BC-Offenbach-Boxerin gewann den Kampf und mit ihrer Leistung auch den Pokal für die beste Vorstellung des Abends.

Auch der amtierende südwestdeutsche Meister der Herren, Youssuf Ndiaye, gewann seinen Kampf für Offenbach und bereitete sich damit auf die Deutsche Meisterschaft vor. Ein schönes Ergebnis für eine Veranstaltung, bei der Leistung und Fairness, wie sonst viel zu selten, Hand in Hand gingen.

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