Sport mindert das Risiko: Dem Krebs davon laufen

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Geschätzte Kompetenz-Vielfalt: Viele Bürger informierten sich über Darm- krebs.

Offenbach - Mehr als 60 000 Deutsche erkranken jährlich an Darmkrebs, rund 20 000 sterben. Dabei lassen sich Karzinome im Dickdarm gut behandeln - wenn sie früh entdeckt werden. Beim Aktionstag des Gesundheitsamtes, der Offenbacher Kliniken und niedergelassener Ärzte am Samstag im Rathaus informierten Mediziner über Vorsorge und Therapie. Von Denis Düttmann

Selbsthilfegruppen sich vor und Beratungsstellen präsentierten ihr Angebot.

„Wir müssen die Vernetzung weiter vorantreiben und dafür sorgen, dass alle Beteiligten bei der Bekämpfung der Krankheit an einem Strang ziehen“, sagte die Geschäftsführerin der Hessischen Krebsgesellschaft, Ursula Haupt. Auch Bürgermeisterin und Gesundheitsdezernentin Birgit Simon warb für eine starke Gemeinschaft von Krankenhäusern, Ärzten und Selbsthilfegruppen.

„Darmkrebs ist eine schwere Krankheit, gegen die man jedoch einiges tun kann“, erklärt Chefarzt Stefan Sahm vom Kettler-Krankenhaus. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass die Ernährung zwar keinen direkten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung habe, durchaus aber indirekt auf die Entstehung von Tumoren wirken kann. „Fettleibigkeit ist neben einer genetischen Vorbelastung der mit Abstand größte Risikofaktor“, so Sahm. Regelmäßige Bewegung und Sport könnten das Erkrankungsrisiko um bis zu 40 Prozent senken. „Man kann dem Krebs also davon laufen“, sagt Sahm.

Da sich der Tumor aus zunächst gutartigen Polypen an der Dickdarmschleimhaut entwickle, seien regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ein geeignetes Mittel, um das Karzinom frühzeitig zu erkennen. „Ab dem 55. Lebensjahr sollte man regelmäßig zur Untersuchung gehen“, fordert Sahm. „Die Krankenkassen kommen für die Kosten der Darmspiegelung auf.“

Vor dem Sitzungssaal der Stadtverordneten haben Selbsthilfegruppen, Unternehmen aus dem Gesundheitssektor und Beratungsstellen ihre Info-Stände aufgebaut. Mit Prospekten werben sie um die Aufmerksamkeit der Besucher, der ein oder andere versucht mit Kuchen oder Obstsalat nachzuhelfen. „Wir treffen uns einmal im Monat, um uns über unsere Erfahrungen auszutauschen und neue Informationen weiterzugeben“, erklärt Maria Bienmüller-Marschall von der Frauenselbsthilfe nach Krebs. „Außerdem laden wir Experten ein, die Vorträge halten und medizinische Fragen beantworten.“ Zu den Treffen in der Lauterborngemeinde kommen bis zu 30 Frauen mit den verschiedensten Krebserkrankungen.

Psychologische, soziale und medizinische Beratung erhalten Patienten und Angehörige bei der Krebsberatungsstelle Frankfurt. „Wir informieren Betroffene über Reha-Maßnahmen und Rentenansprüche, bieten psycho-onkologische Beratung an und bei unserem Arzt können sich die Patienten eine zweite medizinische Meinung einholen“, beschreibt Petra Schloesser das Angebot. Psychologin Meike Achenbach-Rüter leitet Gesprächsgruppen für Patienten und Angehörige, hilft Kranken mit ihren Ängsten umzugehen und berät bei Konflikten in der Familie. „Wir wollen unseren Klienten helfen, mit der Krankheit umzugehen und neue Lebensziele zu formulieren.“

Zahlreiche Besucher strömen zu Fachvorträgen im Sitzungssaal, studieren Broschüren an Info-Ständen oder suchen das direkte Gespräch mit Ärzten. „Es ist beruhigend zu wissen, dass man das Risiko durch gesunde Ernährung und Sport senken kann“, sagt eine Frau. In ihrer Familie habe es zwar noch keine Krebserkrankung gegeben, aber sie wolle sich frühzeitig informieren. „Ich wusste gar nicht, dass die Krankenkassen die Vorsorgeuntersuchungen bezahlen. Ich denke, ich werde demnächst mal einen Termin vereinbaren“, sagt sie. Ein älterer Herr schätzt besonders die hohe Expertendichte im Rathaus: „Ich muss nicht von einem zum anderen laufen. Hier sind alle beisammen, und ich kann mich umfassend informieren“, lobt er.

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