Nach „Mission Olympic“-Skandal

Sportamtschef Jürgen Weil abberufen

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Der Magistrat beschließt personelle Konsequenzen aus dem Skandal ums Finale von Mission Olympic. Da war die Mission noch keine unmögliche: Mit bunten Landesfahnen symbolisierten Prominente den internationalen Anspruch, mit dem die 151-Völker-Stadt Offenbach ins Olympic-Finale ging. Dem Sportamtsleiter Jürgen Weil (rechts) assistierten am 21. August Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch, Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel, Bürgermeister und Sportdezernent Peter Schneider, Mitarbeiterin Petra Schlachter sowie Abgesandte von Coca-Cola und der extra verpflichteten Eventagentur.

Offenbach - Jürgen Weil ist seit gestern nicht mehr Leiter des Offenbacher Sportamts. Der Magistrat hat ihn von seinem Posten abberufen. Der 54-jährige Beamte verliert damit seine Funktion, nicht seinen Status. Von Thomas Kirstein

„Wir werden ihn ab 6. Januar irgendwo produktiv in der Verwaltung einsetzen“, sagt der Personaldezernent, Oberbürgermeister Horst Schneider. Über eine Nachfolge ist noch nicht entschieden. Die Sportamts-Geschäfte führt die kommissarische Vize-Leiterin Marion Müller. Überlegt wird unterdessen, die Sportgala im Capitol, bei der traditionsgemäß die erfolgreichen Athleten der Stadt geehrt werden, wegen Personalmangels zu kippen.

Wie berichtet, sind die Kosten für die Finalteilnahme Offenbachs an der von Coca-Cola und Deutschem Olympischem Sportbund ausgerichteten Mission Olympic explodiert. Das Fernduell gegen Bocholt hätte eigentlich allein von einer Anschubfinanzierung (40.000 Euro) und Sponsorengeldern finanziert werden sollen. Deswegen gab es keine Haushaltsstelle. Tatsächlich aber liefen zirka 336.000 Euro auf, für die der Amtsleiter nach Erkenntnis des Magistrats eigenmächtig und über seine Verfügungsgrenzen Aufträge erteilt hat. Auch wenn Offenbach das Finale und damit 50.000 statt nur 15.000 Euro gewonnen hätte: Es hätte die Miesen nicht vermindert. Denn das Preisgeld muss in die örtliche Sportförderung fließen.

Disziplinarverfahren gegen Weil eingeleitet

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Kommentar: Fehlende Kontrolle

Nach Bekanntwerden des Kostenskandals hatte OB Schneider in Abstimmung mit dem Sportdezernenten, Bürgermeister Peter Schneider, ein Disziplinarverfahren gegen Weil eingeleitet: Weil habe es versäumt, den Dezernenten und die Gremien über die außer Kontrolle geratenen Ausgaben beim Projekt zu informieren; der Sportamtsleiter habe zudem in sieben Fällen seine Vergabebefugnis von 12 500 Euro erheblich überschritten.

Inzwischen ruht das Disziplinarverfahren. Denn das städtische Rechtsamt kam am 12. Dezember, wie es in einer städtischen Mitteilung heißt, „in der Beurteilung der strafrechtlichen Relevanz zu dem Ergebnis, dass eine unabhängige Ermittlung des Sachverhaltes notwendig sei“. Die Stadt hat deshalb Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Es geht um Untreue im Amt: Eine solche ist auch gegeben, wenn, wie offensichtlich in diesem Fall, keine persönliche Bereicherung vorliegt, sondern Steuergeld für einen städtischen Zweck ausgegeben wurde.

Unter dem Strich wurde das zweitägige Mission-Endspiel, für das am 7. September die komplette Berliner Straße gesperrt war, 280.000 Euro teurer, als es die offiziell zugedachten Mittel erlaubt hätten. Kostspielig zu bezahlen waren etwa Sicherheitsdienste, Infrastruktur, Beiprogramm und Dienste einer Eventagentur. Aufträge fürs Finale soll Amtsleiter Weil erst Ende August erteilt haben. Als er nach der Veranstaltung die Rechnungen bei der zuständigen Kulturverwaltung einreichte, flog der Alleingang auf. Bürgermeister Schneider versichert, in keiner Phase informiert gewesen und stets von einer kostenneutralen Aktion ausgegangen zu sein.

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Die Schulden der bitterarmen Stadt kann das olympische Abenteuer jedoch nicht erhöhen. Denn offensichtlich hat Weil bereits 2012 aus Mitteln seines Amts Rücklagen für diesen Zweck gebildet. Wie und woher und mit welcher Deckungsfähigkeit so eine gute Viertelmillion zusammenkam, untersuchen derzeit Revisionsamt und Kämmerei. Peter Schneider beruhigt erneut die Gemüter: „Nach meinem jetzigen Kenntnisstand sind keine Haushaltsmittel betroffen, die für die Sportförderung oder als Zuschüsse für die Vereine gedacht waren.“

Der OB sieht im Umstand, dass ein Beamter ein Großereignis ohne eigene Haushaltsstelle finanziert hat, jedenfalls „einen einmaligen Vorgang“. Für Horst Schneider nicht vergleichbar mit dem Fall Dr. Marcus Frings: Den angestellten Museumsmitarbeiter und Gatten der neuen Arbeitsministerin Andrea Nahles hatte er 2012 gefeuert, nachdem dieser das Budget für eine Ausstellung durch diverse Aufträge eigenmächtig ausgeweitet hatte.

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