Schwerpunkt spiegelt sich in Programm wieder

Sportlerehrung im Capitol: Gala für die Inklusion

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Oben: Als goldene Götter zeigte „LaMetta“ faszinierende Akrobatik. Unten links: Fechtclub-Ehrenpräsident Hans Hubert, Moderatorin Silvia Stenger, Ehrenamtsreferent Reinhold Knecht und Sportamtsleiter Manfred Ginder (von links) bei der Gala im Capitol. Unten rechts: „Irre Typen“ sorgten für irre gute Stimmung. 

Offenbach -  Die diesjährige Sportgala widmete sich dem Thema Inklusion. Passend dazu traten behinderte und nichtbehinderte Künstler im Capitol auf. Eine gelungene Mischung aus Musik, Akrobatik und Tanz, die die Ehrung der Offenbacher Athleten ein bisschen zur Nebensache werden ließ. Von Sarah Neder

Lautlos zieht Jean-Marc Clément Kreise auf dem Parkett. Er führt seine Partnerin im Takt, verändert seinen Gesichtsausdruck je nach Musik. Das Besondere: Clément tanzt nicht mit den Füßen, sondern mit seinem Rollstuhl. In dieser Disziplin haben er und seine Frau Andrea schon Dutzende internationale Titel abgeräumt. An diesem Abend führen sie ihr Können bei der Sportgala im Capitol vor. Die Ehrung steht 2016 zum ersten Mal unter einem speziellen Motto: Inklusion. Dabei ist der Ehrenabend für erfolgreiche Offenbacher Athleten seit jeher eine Veranstaltung, bei der behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammenkommen. Die Gehörlosen-Sportgemeinschaft, die Behinderten-Sportgemeinschaft und Judoka mit Handicap vom Budo Club Mühlheim sind auch dieses Jahr wieder unter den Medaillenträgern.

Der inklusive Charakter der Sportgala spiegelt sich jedoch zum ersten Mal im Programm wieder. Zum Auftakt zeigen die „Irren Typen“ von den Behindertenwerkstätten Hainbachtal, was sie musikalisch drauf haben. Musikpädagoge Jürgen Weiss und seine Band stehen zum Schluss mit den Gold-Siegern auf der Bühne. Als sie die Tote-Hosen-Hymne „An Tagen wie diesen“ schmettern, nehmen sie den ganzen Saal mit.

Für Organisator und Sportamtschef Manfred Ginder war es eine Herzenssache, die Combo zu engagieren. „Ich habe sie schon zwei Mal erlebt und bin immer wieder begeistert“, schwärmt er. Neben Tanz und Musik gibt’s an dem Abend auch Akrobatik zum Staunen. So versetzt das Trio „LaMetta“ das Publikum in die griechische Antike: Die goldenen Muskel-Götter stapeln sich zu geometrischen Figuren, als gebe es keine Schwerkraft. Die scheint auch Licht-Jongleur Christoph Rummel ausgeschaltet zu haben. Bälle und Keulen fliegen durch die Luft, zeichnen leuchtende Motive in die Dunkelheit.

Auch wenn das Programm im Vergleich zu früheren, weitaus ambitionierteren und teureren Gelegenheiten abgespeckt erscheint: Die Kür überlagert wieder die Pflicht, nämlich die Ehrung der Offenbacher Sportler. Die wird recht kurz abgespult.

Bilder: Offenbacher Sportgala im Capitol

Moderatorin Silvia Stenger – Offenbacherin in FFH-Diensten – bittet die einzelnen Sieger-Gruppen (Bronze, Silber, Gold), zwischen den Darbietungen auf die Bühne. „Wartet nicht auf eure Namen, kommt einfach hoch!“, ruft sie. Oberbürgermeister Horst Schneider und seine Helfer, unter anderem Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel, verteilen die Medaillen. Anschließend bleibt für die Gewinner gerade mal Zeit für ein paar Selfies, dann geht’s zurück auf die Plätze: Siegerehrung im Schnelldurchlauf. Für unbeteiligte Zuschauer sicher eine kurzweilige Variante, doch so mancher Angehöriger wünscht sich mehr. „Schade, dass nicht erwähnt wird, von welchem Verein sie kommen“, sagt Udo Wäber, dessen Tochter Hessenmeisterin im Hockey geworden ist. „Es ist schöner, wenn man dazu sagt, welchen Titel jemand geholt hat“, findet Tischnachbarin Martina Vogel vom Alpensportverein. Fechterin Florina Plachta erinnert sich, dass früher Name, Verein und Erfolg aller Athleten auf eine Leinwand projeziert wurden: „Mich als Sportler interessiert es, was die anderen so erreicht haben.“

Auch Sportamtsleiter Ginder wird auf die flotte Verleihung angesprochen: „Es gibt immer ein paar Schräubchen, an denen man drehen kann.“ Doch solle man nicht vergessen, dass die Stadt den gesamten Abend den Sportlern widme. „Diese tollen Künstler, das Ambiente im Capitol – das ist unser Dankeschön!“

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