Ein Rudi für alle Fälle

+
Die Sportler des Jahres 2008, gekürt von den Lesern der Offenbach-Post: In der Gunst ganz vorne standen mit Sabrina Stahlberg und Nikolaus Bodoczi (Mitte) gleich zwei Athleten des Fechtclubs. Als Mannschaft des Jahres rückten weitere junge Sportler in den Fokus. Den Titel sicherten sich die B-Jugend- und A-Jugendfußballer der Offenbacher Kickers.

Offenbach - Die Stadt und der Sport - so werben die Verantwortlichen für ihre Sportgala, bei der erfolgreiche Athleten geehrt werde. Im Capitol überstrahlte einer alle: Rudi Völler. Von Martin Kuhn

Während sich die Gäste zu vorgerückter Stunde an mehr oder weniger isotonischen Durstlöschern laben, pickt Sportbüroleiter Jürgen Weil das Rind aus dem Gulasch. „’Tschuldigung - ich hab’ den ganzen Tag nichts runterbekommen.“ Kurz nach halb Elf fällt vom Organisator der Sportgala im Capitol offenbar eine zentnerschwere Last ab. Da hat er schon zahlreiche Hände geschüttelt und einhelliges Lob entgegen genommen: Ein toller, gelungener Abend, der den großen und kleinen Sport vereinte, informativ und unterhaltsam zugleich. Ein Garant ist am Donnerstag Rudi Völler, der mit bodenständiger, ehrlicher Art alle einnimmt. „Seine Popularität hat nie gelitten“, sagt Laudator Wolfgang Niersbach über den 48-Jährigen, der am Abend den Ehrenpreis der Stadt erhält. 

Ersteigern Sie Trikots mit Originalautogrammen- und das für einen Guten Zweck:

Trickots Offenbach

Als unangenehm wird lediglich der Weg ins Capitol empfunden. Eine junge Dame stöckelt in feiner Abendgarderobe um die Pfützen. In der Mainstraße leidet ihr Schuhwerk am Offenbacher Untergrund und am „Frankfurter Wetter“, wie Jörg Bombach ulkte. Der Programmchef von HR 3 begleitet ebenso locker durchs Programm wie unser Sportchef Jochen Koch durch die Talkrunden. 

Bilder zur Sportgala

Ein Rudi für alle Fälle

Fürs Sportbüro begrüßt Marion Müller mit ihren Kollegen die gut 700 Gäste. Dabei wirft sie stets einen zweiten, abschätzenden Blick auf die Menschen. Schließlich nimmt sie als C-Trainerin für Leichtathletik, Fachübungsleiterin Prävention Herz/Kreislauf und Aerobic-Trainerin in Offenbach das Sportabzeichen ab. „Der Pascal Behrenbruch, das wäre einer“, sinniert sie im Foyer. Stimmt. Auch die Redaktion hat keine Bedenken, dass der Zehnkämpfer (2. bei der U23-Europameisterschaft 2007) die Anforderungen packen würde.

Anpacken will auch Oberbürgermeister Horst Schneider - etwa einen Stadionneubau auf dem Bieberer Berg? Immerhin präsentiert er mit Rudi Völler einen Schirmherrn fürs Projekt. Und der Verwaltungschef verspricht keine finanziellen Drahtseilakte, die schmerzhaft enden können: „Ohne uns zu übernehmen, ohne dass der Breitensport darunter leidet. Es wird niemand gegeneinander ausgespielt.“Schön, dass das prall gefüllte Capitol mit zahlreichen Vereinsvertretern das notieren darf.

Steffi Jones und Rudi Völler waren Ehrengäste der Sportgala.

Ins Notizbuch des Nachwuchses diktieren die Sportler des Jahres, wie hart zu arbeiten ist, um mit scheinbarer Leichtigkeit erfolgreich zu sein. Sabrina Stahlberg: „Bis zu acht Stunden Training in der Woche - plus Konditionsarbeit.“Nikolaus Bodoczi, stets einer der Jüngsten auf der Planche: „Bei mir zählt der Kampfgeist.“ Weltmeister Völler ergänzt später, gerade mit Blick auf die B- und A-Jugendfußballer des OFC: „In jungen Jahren kann man sich viel aneignen und erarbeiten.“ Er erinnert sich gerne an die Kickers und seinen Förderer Hermann Nuber. Dabei gewährt Völler Einblicke in nicht so moderne, aber dennoch erfolgreiche Trainingsmethoden: „Als die anderen 5 gegen 2 spielen durften, musste ich ans Kopfballpendel.“Seiner Karriere hat’s nicht geschadet. 

Apropos Schaden: Beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Offenbach geben Rudi Völler und Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauen-WM 2011, souverän ihre Signatur ab. Ein Missgeschick unterläuft dann dem Generalsekretär des Deutschen Fußballbunds. Wolfgang Niersbach entgleitet der schwere Foliant. Er klatscht auf die Bühne. Horst Schneider beweist Schlagfertigkeit: „Das wird teuer für den DFB...“

Lesen Sie mehr zur Sportgala und schauen Sie sich das aktuelle Video dazu an:

Letzte Völler-Geheimnisse gelüftet

Für den Dachverband des deutschen Fußballs ist Weltmeisterin Steffi Jones unterwegs. Im Gespräch mit unserem Sportchef wirbt sie für Mädchensport, Frauenfußball und 2011. Die überfachliche Frage schlechthin übermittelt Jochen Koch von seiner Tochter Jessica: „Wann kommt der erste Nutella-Spot mit Fußballerinnen ins Fernsehen?“Offenbar arbeitet Jones daran: „Aber lasst uns ein wenig Zeit“, antwortet sie sichtlich amüsiert. 

Weniger zu lachen hat der junge Ruderer, der sich nach der Auszeichnung mit der städtischen Sportplakette ans Mikrofon traut. Er gesteht dem Auditorium ein unsportliches Verhalten gegenüber einer Sportkameradin und Freundin. „Verzeih’ mir. Bekomme ich eine zweite Chance?“Es bleibt unklar, ob er da etwas bewegen konnte.

Traditionell war die Sportgala bisher eher eine Veranstaltung, bei der mehr geschwätzt als zugehört wurde. Diesmal ist alles anders. Man lauscht andächtig, was auf der Bühne gesagt wird. Das hat sogar Anpfiffe zur Folge: Wer außerhalb des Saals allzu laut kommuniziert, muss damit rechnen, von drinnen barsch zur akustischen Ordnung gerufen zu werden.

Für Bewegung auf der Bühne sorgte das Programm: Die Salsa-Si-Rueda-Gruppe der Tanzschule Weiss wirbelt flott, Doc Shredder reißt Papier in Form, Dustin Waree fetzt und hüpft mit seinen Einrad umher, die Kendo-Abteilung des Judoclubs Sprendlingen demonstriert die abgewandelte Art des japanischen Schwertkampfes, die Dolls Company lässt Puppen tanzen. Höhepunkt ist der Auftritt von Kelvin Kalvus. Seine „Kontaktjonglage“ - bekannt aus der Fernsehsendung „Das Supertalent“ - fasziniert auch Offenbach.

Rudi Völler Superstar: Seine Ehrung hat auch überregionale Medien angelockt, worüber sich besonders Capitol-Chefin Birgit von Hellborn freut: „Klasse Werbung für unser tolles Haus!“

Rudi Völler Jugendschwarm: Schon während der Veranstaltung drängeln sich immer wieder junge Mädchen zu ihm an den Tisch, um Autogramme zu ergattern. Nach dem offiziellen Ende wird Rudi regelrecht um seine Unterschrift bestürmt. Stadt-Redaktionsleiter Thomas Kirstein hat den Sitzplatz in Star-Nähe schon vorher schamlos ausgenutzt: Die Weltmeister Steffi Jones und Rudi Völler mussten ihm auf einer „Reserviert“-Tischkarte den Satz unterschreiben, dass sie seinem Sohn Till alles Gute für das schriftliche Mathe-Abi wünschen. Der nicht alltägliche Glücksbringer wurde gestern gern mit in die Prüfung genommen.

Kommentare