Sportgala im Capitol

Weltweit siegen, regional feiern

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Absolute Stille: Bei der „Sanddornbalance“ entsteht aus Palmrippen ein fragiles Mobile.

Offenbach - Die in den vergangenen Jahren immer steiler gewordenen Höhenflüge mit internationalem Glanz sind vorbei. Offenbach ist wieder auf dem Boden der Tatsachen, die es sich ohne schlechtes Gewissen leisten kann. Von Thomas Kirstein 

Die Sportgala 2014 im edlen Ambiente des Capitols lebt – mit einer Ausnahme – von lokalen Leistungen. Das strafft den offiziellen Teil auf zwei Stunden und gibt dem Wesentlichen mehr Gewicht: der Ehrung von 317 (so sie anwesend waren) Aktiven, die bei Welt-, Europa- oder Deutschen Meisterschaften auf dem Siegertreppchen standen, einen Hessenmeistertitel errangen oder bei Olympia dabei waren.

Wie immer überregional siegen, diesmal aber im lokalen Rahmen feiern: Die neue Bescheidenheit verdankt sich, wie jeder weiß, keiner Rückbesinnung auf heimisches Potential. Auch wenn die offiziellen Redner, Bürgermeister und Sportdezernent Peter Schneider und Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel, lieber von schwierigen Zeiten reden, als „Mission Olympic“ in den Mund zu nehmen, bleibt kein Zweifel: Es musste nicht nur ein bisschen weniger sein, weil schätzungsweise fünf Sportgalas der früheren Preisklasse auf einmal für das Finale der Coca-Cola-Veranstaltung verjubelt wurden. Der Bürgermeister nutzt den Abend, um der 700-köpfig vereinten Sportgemeinde zu versichern, dass diverse finanzielle Debakel der Stadt nicht drastisch zu ihren Lasten gehen sollen: Sportförderung, so sagt er, sei für ihn keine freiwillige Leistung, sondern eine Pflichtaufgabe.

Budget: 38.000 statt 60.000 Euro

Mit 38.000 Euro statt wie in der jüngeren Vergangenheit mit vielleicht sogar mehr als 60.000 Euro auszukommen, meistert das nach dem Mission-Skandal geschrumpfte Sportamts-Team um die komissarische Vizeleiterin Marion Müller, der auch Helferinnen aus Presseamt und Stadtwerken sowie etliche Ehrenamtliche (die TSG Bürgel etwa bestreitet den Empfang) beistehen. Die Offiziellen zollen die fällige Anerkennung.

An diesem Abend bleibt man also weitgehend unter sich. Routiniert und sympathisch moderiert ein „Offebacher Mädsche“, FFH-Moderatorin Evren Gezer, die sportlich bei den Kickers-Handballern groß geworden ist. Zwischen den Verteilungsblöcken von Bronze, Silber und Gold darf örtlicher Nachwuchs begeistern: ganz klein bis mittelgroß die Zumba-Mädchen von TSG-Bürgel-Trainerin Daniela Kühnert, auf Einrädern Rebecca, Xenia und Sofia vom Radfahrverein Germania Bieber, flott die jungen Hip-Hop-Damen der „Miracle Generation“ des TSC Maingold-Casino.

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Einzige Reminiszenz an frühere Programmplanung, wohl auch wegen hoher Konventionalstrafe beibehalten, ist ein Auftritt, bei dem die Türen zu bleiben und es im Saal mucksmäuschenstill still wird: Miyoko Shida Rigolo steckt im Zeitlupentempo 15 Palmrippen zu einem fragilen, im Gleichgewicht schwebenden Mobile zusammen. Die „Sanddornbalance“ (der Name bleibt ein Rätsel) ist seit Mitte der 90er Jahre ein atemberaubender Höhepunkt des internationalen Varietés – und Ende März 2014 eben das internationale i-Tüpfelchen einer Offenbacher Sportgala.

Deren offizieller Part mündet entweder in einen gemütlichen oder in einen Schweiß treibenden Ausklang. Während die gestandeneren Gäste den Plausch an Tisch und Theke vorziehen, zieht es die Jüngeren zur Disco mit DJ Dennis Serba ins „Universum“ – das sind die Räume im Capitol-Obergeschoss. Wie der Abend allgemein gefallen hat, kann das Sportamt demnächst berichten: wenn es die abgegebenen Fragebögen mit Lob, Kritik und Anregungen ausgewertet hat.

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