Sportgala

Rudi Völler und die Nuber-Wurstküche

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Offenbach - Eins ist klar: Sollte das zum Sparen gezwungen Offenbach auf die Idee kommen, seine Sportgala zu streichen, es wäre einer der größten Verluste für die Stadt. Von Matthias Dahmer

Kaum eine Veranstaltung vereint Generationen mehr, spiegelt die Stadtgesellschaft besser als das Jahrestreffen der großen Offenbacher Sportfamilie.

So auch die 2013er-Auflage, die am Freitagabend für ein volles Haus in der repräsentivster Immobilie der Stadt sorgt. Um es vorweg zu nehmen: Es ist die Show der Offenbacher Fußball-Ikonen Hermann Nuber und Rudi Völler. Ersterer, der wie kein anderer den OFC und dessen Bodenständigkeit verkörpert, wird für sein sportliches Lebenswerk geehrt, letzterer, einst Lehrbub beim „eisernen Hermann“ hält dazu die Laudatio.

Und dem in Fußball-Europa zu Ehren gekommenen und im harten Bundesliga-Geschäft erfahrenen Völler gelingt eine emotional authentische, mit Anekdoten gespickte Rede, die zeigt: Hier meint es einer ernst mit den Lobeshymnen. Die Zeit unter seinem „ersten richtigen Trainer“ hat den gebürtigen Hanauer geprägt. Der Disziplin und Leidenschaft einfordernde, aber gleichzeitig auch väterliche Fußballlehrer formt den schmächtigen, künftigen Weltklasse-Stürmer.

Sportlergala im Offenbacher Capitol

Pascal Behrenbruch, Nadine Stahlberg und der Judo-Club Samurai Offenbach sind von den Lesern der Offenbach-Post zu Offenbachs Sportlern und Mannschaft des Jahres 2012 gewählt worden. Die Sportler erhielten am Freitagabend im mit 700 Zuschauern voll besetzten Capitol die Pokale. Höhepunkt des Abends war die Ehrung von Hermann Nuber (77) für sein Lebenswerk. Die Laudatio hielt Rudi Völler, den Nuber bei Kickers Offenbach entdeckt hatte.

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Rudi Völler erinnert im Capitol aber auch an den hervorragenden Fußballer Hermann Nuber. Auf dessen Treue zu den Kickers anspielend meint Völler: „Es hätte dir gut getan, wenn du mal den Verein gewechselt hättest.“ Unvergessen für beide: Die Treffen in der Wurstküche des Metzgermeisters Nuber, wohin der längst in die weite Fußball-Welt gewanderte Völler immer wieder gerne zurückkehrt. Und sei es nach einer durchzechten Nacht mit seinem Freund Michael Kutzop, um mit einem Fleischwurst-Frühstück beim Hermann wieder nüchtern zu werden.

„Damals war in Fleischwurst ja auch noch Fleisch drin“, nimmt Nuber den Ball auf. Überhaupt versteht es der 77-Jährige mit seiner schelmischen, eher wortkargen Bescheidenheit das Publikum zu unterhalten. „Ruhisch, de Opa schreibt sein Name“, fordert er etwa zu Beginn seiner Rede die Aufmerksamkeit des Publikums ein. Seit 67 Jahren sei er im OFC, dann spielt Nuber („jetzt werd’s ernst“), auf die aktuellen Finanznöte des Vereins an. Anderseits: „Was heißt schon schwierige Zeiten, ich kenne keine anderen.“ Das Rezept gegen die Krise ist für Hermann Nuber klar: „Mit großem Willen zu seinem Verein stehen.“

Stehenden Applaus gibt’s, als Völler dem eisernen Hermann die Auszeichnung für sein Lebenswerk überreicht. Und alle im Capitol sind sich einig, was zu Beginn in einem Einspiel-Filmchen Ex-Eintracht-Star Jürgen Grabowski so formuliert hat: „Der Hermann war ein Großer.“

Souverän, kurzweilig und kenntnisreich

Weiterer Höhepunkt des Abends: Die Ehrung der von Lesern unserer Zeitung gekürten Sportler des Jahres. Gewohnt souverän, kurzweilig und kenntnisreich moderiert von unserem Sportchef Jochen Koch erhalten in diesem Jahr das große Fecht-Talent Nadine Stahlberg, Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und das Männerteam des Judo-Club Samurai Offenbach die Auszeichnung.

Für die erst 17 Jahre alte Nadine Stahlberg nimmt Fechtclub-Präsident Waldemar Krug die Ehrung von Coca-Cola-Mann Uwe Kleinert entgegen. Die Sportlerin kämpft bei der Junioren-EM in Budapest, bedankt sich per Videobotschaft für den Preis.

Der Zehnkämpfer, Europameister und Olympiateilnehmer Behrenbruch verrät, dass seine Lieblingsdisziplin das Kugelstoßen ist und er seine Hochsprung-Technik noch für ausbaufähig hält. Gelingen soll das unter anderem mittels Kniebeugen mit 180 Kilo Gewichten auf dem Rücken. Das Staunen des Publikums darüber wird noch größer, als die nur 70 Kilo wiegende und durchaus aparte Weltklasse-Hammerwerferin Kathrin Klaas, die Behrenbruch den Preis übergibt, lapidar anfügt: „180-Kilo-Kniebeugen mache ich auch im Training.“

Politisch wird’s, als Bürgermeister und Sportdezernent Peter Schneider die mächtig Stimmung auf die Bühne bringenden Samurai-Judoka ehrt. Der Hessische Judo-Verband könne sich angesichts der Offenbacher Erfolge in der Nachwuchs-Arbeit ein Judo-Internat in Offenbach vorstellen, stichelt freundlich Trainer und Vorsitzender Francesco Liotta, der schon seit Jahren für eigene Trainingsräume kämpft. „Was machen wir ?“, fragt Liotta den Bürgermeister und erntet dafür Applaus. Schneider hütet sich angesichts der Offenbacher Finanzlage davor, große Versprechungen zu machen, erinnert allerdings daran, dass noch „zwei Locations“ als künftiges JC-Domizil möglich seien.

Im Unterhaltungsprogramm der Sportgala besticht der Comedy-Artist Noah Chorny, der auf einer schwankenden Laterne in fünf Meter Höhe dafür sorgt, dass vor allem den Lokalpolitikern in den ersten Reihen der Atem stockt. Lena Asmus und Sebastian Deeg zeigen, warum sich Rope Skipping dann doch ein wenig vom guten alten Seilhüpfen unterscheidet, die Fußball-Freestylerin Aylin Yaren macht vor, was mit dem runden Leder technisch so alles geht und empfiehlt sich damit als Lehrmeisterin für so manchen Profikicker. Felix Gaudo führt locker durch den Abend und präsentiert eine Persiflage auf den einstigen, dem jüngeren Publikum vermutlich nicht mehr bekannten Schnulzen-König Heintje.

Die Gäste im Capitol, von denen zu Beginn jene vernehmlich murren, die keinen Sitzplatz mehr bekommen haben, sind zu fortgeschrittener Stunde im Foyer ins Plaudern vertieft. Man trifft sich in kleinen Grüppchen, man kennt sich, man fühlt sich wohl. Darauf kommt es an bei der Sportgala. Und genau so sollte es bleiben.

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