Sportlich in Richtung Pleite

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Auch der Räumungsverkauf lohnte sich nicht. Insolvenz für „my sportz“ ist beantragt.

Offenbach - Sportliche Schnäppchenjäger stehen an der Ecke Waldstraße/Bieberer Straße vor verschlossenen Türen. Eigentlich hätte der zunächst mit „Sortimentsbereinigung“ begründete Räumungsverkauf bei „Intersport my sportz“ bis Ende Oktober laufen sollen. Von Jenny Bieniek und Thomas Kirstein

„Wegen Erfolgslosigkeit haben wir die Sache aber nach vier Tagen abgebrochen“, sagt Kurt Ohlberger, der als Regionalleiter der Kette Intersport für sogenannte Sonderverkäufe zuständig ist.

„My sportz“-Geschäftsführer Thomas Keck hat am vergangenen Donnerstag beim Amtsgericht Antrag auf Insolvenz eingereicht. „Intersport hat den Stecker gezogen“, sagt die vorläufige Verwalterin Julia Kappel-Gnirs. Die Frankfurter Anwältin will bis Ende Oktober prüfen, ob ein Verfahren tatsächlich eröffnet werden muss. Nach ihren Angaben belaufen sich die Verbindlichkeiten auf rund eine Million Euro. Von einer Pleite betroffen sind zwei Festangestellte und elf Mitarbeiter, die auf 400-Euro-Basis arbeiten.

Nachfolge-Geschäfte hat sich kaum ein Jahr gehalten

Geschlossen ist nicht die Filiale einer x-beliebigen, mit Offenbach kaum verbundenen Einzelhandelskette wie etwa der jüngst an der Ecke Marktplatz/Frankfurter Straße aufgegebene Esprit-Laden. Vielmehr hat sich eines der beiden Nachfolge-Geschäfte des einstigen Traditionshauses Kleider Frei kaum ein Jahr halten können.

Gemeinsam mit der nach dem Ausstieg des ursprünglichen Partners Q-Park eingesprungenen Firma Dreßler-Bau aus Aschaffenburg haben die Eigentümerfamilien Frei und Keck den Stammsitz mit einer neun Millionen schweren Investition zu einem modernen, das Stadtbild am Marktplatz prägenden Geschäftshaus umgebaut. Hauptmieter ist die Wohnaccessoires-Kette Depot, zum Teil vermietet sind die Büros und Praxen; Edel-Friseur Peter Caligari betreibt eine Filiale – eine Espresso-Bar hat der Figaro aber aufgegeben, an deren Stelle soll’s Bratwurst geben. Frei-Junior Marcus betreibt – entgegen der ursprünglichen Absicht, mit 21 Mitarbeitern aus dem Exil im Heusenstammer Industriegebiet ganz zurückzukehren –, nur noch einen deutlich verkleinerten Shop (140 Quadratmeter, früher 1200) unter dem alten Namen. Keck-Junior und Mitgesellschafter Thomas versuchte sich mit einem Sportangebot auf 850 Quadratmetern.

Sortimentsauswahl: Grund fürs Scheitern

Intersport-Regionalleiter Ohlberger bedauert das Aus für das Sportfachgeschäft, sieht falsche Sortimentsauswahl als entscheidenden Grund fürs Scheitern. „Der Standort ist eigentlich gut, leider hat man sich nicht an unsere Vorgaben gehalten und zu hochpreisiges Sortiment angeboten“, sagt er. Zur Zukunft des Ladenlokals äußert er sich nur vage. „Ware ist noch da, wie’s weitergeht, hängt aber in der Schwebe.“

Gerüchte über Pleiten im Umfeld von Kleider-Frei hatte es immer wieder gegeben, waren aber stets zurückgewiesen worden. Nach der Schließung wird, auch vor dem Hintergrund angeblicher Differenzen im Familienverbund, zwangsläufig über die Zukunft der attraktiven Immobilie spekuliert. Bei Dreßler-Bau in Aschaffenburg, die mit den Familien Keck und Frei im Boot der Projektgesellschaft Geschäftshaus Marktplatz Offenbach (GMO) sitzt, gibt man sich wortkarg.

Dr. Detlef Koch, langjähriger Anwalt der Familie Keck, der laut Handelsregister Thomas Keck als Geschäftsführer des GMO ablöste, weist Verkaufsgerüchte indes vehement zurück. „Die Immobilie steht nicht zum Verkauf. Natürlich ist der Verlust eines wichtigen Mieters mit großer Fläche immer unerfreulich, aber wir werden normal weiter vermieten.“ Man sei bereits in Gesprächen mit potenziellen Nachmietern. Am liebsten würde man „einen bekannten Namen mit entsprechender Zugkraft“ nach Offenbach holen.

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