Sportplätze sorgen für Konflikte

Viel Lärm an den Feiertagen

Offenbach - Das Resümee der Stadtverordnetenfraktion der Grünen über die Spielmöglichkeiten für Kinder fiel jüngst ernüchternd aus. Von Christian Wachter 

Eine in diesem Zusammenhang geforderte Öffnung schulischer Plätze für die Öffentlichkeit dürfte viele Kinder zwar freuen, bei manch einem Anwohner aber auf wenig Gegenliebe stoßen. Von Klagen wegen Ruhestörung weiß die Polizei auch jetzt schon zu berichten. Marie-Luise Eckstaedt wohnt seit mehreren Jahrzehnten im Stadtteil Lauterborn. In dieser Zeit ist ihre Familie gewachsen; mit ihren Kindern und Enkeln wohnen mittlerweile drei Generationen im Haus. Durch den großen Garten gibt es die besten Voraussetzungen, entspannte Tage im Freien zu verbringen, könnte man meinen. Wäre da nicht der angrenzende Sportplatz der Edith-Stein-Schule.

Den Platz gebe es ja schon länger, und bis vor ein paar Jahren habe sie sogar sehr gut damit leben können, erzählt Marie-Luise Eckstaedt. Schließlich sei es völlig in Ordnung, wenn dort Kinder spielten. Seit ein paar Jahren seien es allerdings häufig Heranwachsende jenseits der 20, die vor allem an Sonn- und Feiertagen die ruhigen Stunden sehr selten machten. Ausgerüstet mit Ghettoblastern und einem Ball, der häufig an das Gitter des Platzes kracht, sorgten diese für einen Lärm, bei dem es sich nur noch schwer entspannen ließe, klagt Eckstaedt. Hinzu komme der mehr als schwierige persönliche Kontakt: „Manchmal fliegt der Ball bei uns über die Hecke. Wenn die jungen Erwachsenen dann in unseren Garten kommen, bleiben persönliche Konfrontaionen nicht aus.“ Davon, dass man ihr und ihrer Familie die Hälse umdrehen und die Hütte abfackeln werde, sei etwa die Rede, erzählt die Offenbacherin.

An der Schule ist das Problem bekannt: „Seit mehreren Jahren gibt es Klagen. Die Edith-Stein-Schule hat es allerdings niemandem erlaubt, den Platz am Wochenende zu benutzen, deshalb ist er auch abgeschlossen. Unsere Hausmeister sind dann auch nicht präsent, um jene, die sich unberechtigt Zutritt verschaffen, des Platzes zu verweisen“, berichtet Schulleiterin Iris Kamarowsky. Die Öffnung schulischer Anlagen für die Allgemeinheit würde der Familie allerdings kaum weiterhelfen: Die Gefahrenverordnung der Stadt nämlich erlaubt das Spielen auf Bolzplätzen auch an Sonn- und Feiertagen. Wenn auch erst ab 11 Uhr und nur Personen bis zu maximal 14 Jahren. Heranwachsende jenseits der 14 müssten allerdings schon ein wenig suchen, wollten sie – ganz legitim – Fußball spielen.

So oder so: Wie so häufig in solchen Fällen bleibt wohl nur die Suche nach einem Kompromiss zwischen allen Beteiligten. Lässt sich dieser nicht finden bleibt der letzte Ausweg der regelmäßige Kontakt mit der Polizei. Bei dieser gehen Anrufe wegen Ruhestörungen sportlichen Ursprungs derzeit eher selten ein, wie Polizeisprecher Ingbert Zacharias berichtet. Beschwerden wegen der Rahmenbedingungen – laute Roller oder Musik etwa – dafür häufiger. „In solchen Fällen fahren wir kurz vorbei. Gerade die jüngeren Sportler sind auch meist sehr kompromissbereit. Bei den älteren allerdings kann schon mal ein Platzverweis von Nöten sein. Meist reicht aber eine klare Ansprache“, so Zacharias.

Rubriklistenbild: © dpa

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