Sportzentrum wird teurer

+
TSG und Stadt bescheren Bürgel ein neues Sportzentrum.

Offenbach - Die Turn- und Sportgemeinschaft 1847 Bürgel kommt mit den von der Stadt für den Bau eines neuen Stadtteil-Sportzentrums als Darlehen zur Verfügung gestellten 3,5 Millionen Euro nicht aus. Von Thomas Kirstein

Verantwortlich sind in erster Linie städtische Ämter: Die klassifizieren den fast fertig gestellten Neubau nicht mehr als „Sonderbau Sport“, sondern als „Versammlungsstätte“. Das hat erhöhte Auflagen des Brandschutzes zur Folge, zudem musste ein nicht vorgesehener Aufzug eingebaut werden, um eventuellen Behinderten den Zugang zum Obergeschoss zu ermöglichen.

Hinzu kommt eine Reihe weiterer Positionen, die nachträglichen Auflagen zu verdanken sind. Die betreffen auch den Schallschutz, der zugunsten der Nachbarn verbessert werden muss. Zu Buche schlägt die nicht eingeplante Entsorgung von Aushub und das Auffüllen der mit dem belasteten Material zugeschütteten Bombenlöcher. Das städtische Revisionsamt hat die vom Simmerner Architektenbüro Dillig aufgestellte Mehrkostenberechnung akzeptiert.

Der Magistrat hat zugestimmt, aber aus den Reihen der Koalition ist Murren zu vernehmen, vornehmlich wegen der kurzfristigen Vorlage, die keine Gelegenheit zur Beratung mehr gegeben habe. Auch fehlten bei Beschlussfassung am Mittwoch wie angekündigt die grünen Mitglieder, Bürgermeisterin Birgit Simon und Stadtrat Wilfried Jungbluth. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) verteidigt die Dringlichkeit: Die Zahlen hätten detailliert erst am 31. Mai vorgelegen; ein Beschluss der Stadtverordneten sei im Juni notwendig, damit der Verein bis August seine Rechnung zahlen könne. Ansonsten sei die TSG pleite.

Das Minus im Stadtetat wird durch das zusätzliche Darlehen nicht erhöht. Die halbe Million ist übrig, weil für die Stadtteil-Umgeheung Mainzer Ring bislang nicht so viel Geld wie vorgesehen ausgegeben werden musste.

Der OB hadert ein wenig mit der „deutschen Verwaltungstradition“, deren Gründlichkeit so manches Projekt verteure. Überzeugt ist Horst Schneider aber weiter von der Richtigkeit des ungewöhnlichen Wegs, einen Verein mit öffentlichem Geld ein auch anderen Stadtteil-Clubs und besonders den Schulen nützendes Sportzentrum bauen zu lassen. Letztlich komme das aus steuerlichen und anderen Gründen billiger, als wenn der Stadtkonzern es selbst in die Hand genommen hätte.

Für 3,5 beziehungsweise jetzt 4,2 Millionen sei von der öffentlichen Hand keine derart „sensationelle“ Dreifelderhalle mit diversen Nebennutzungen zu bauen, mindestens sechs wären zu veranschlagen gewesen, meint der OB. Ausdrücklich lobt der die Pfiffigkeit der TSG-Macher Rolf-Dieter Elsässer und Rainer Lehmann, die eine Partner fanden, der auf der Basis von Stahl-Industriekonstruktionen preiswerter bauen könne, als es sonst im Sportstättenbau üblich sei.

Jetzt ersichtlicher Nachteil, wenn die Federführung bei einem Verein liegt: Die Absprachen mit den städtischen Ämtern sind nicht so frühzeitig und intensiv, als dass späteren Überraschungen durch Vorschrifteninterpretation hätte vorgebeugt werden können.

Der Neubau eines Sportzentrums für Bürgel war diskutiert und später beschlossen worden, als klar war, dass die bisher von der TSG Bürgel und den Schulen genutzte alte städtische Jahnhalle zutiefst marode und nicht mehr sanierungsfähig ist. Die als Darlehen gewährten Gesamtkosten fördern der Bund mit einer Million aus dem „Zukunftsinvestitionsprogramm“ und das Land mit 200.000 Euro. Zur Tilgung wird der Verein unter anderem die Miete verwenden, die das Stadtschulamt zahlt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare