Auf der Spur eines Staatsfeinds

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Im Haus der Stadtgeschichte lasen unter anderem Helga Feuerbach, Peter Freier, Monika Reim El-Agouz, Simon Isser, Stephan Färber, Agniezka Satola, Helmut Preller und Norbert Riedinger (von links), am Violoncello begleitet von Krischa Weber.

Offenbach - Es ging um Georg Büchner, den Staatsfeind und Dichter, um seine revolutionäre Schrift „Der Hessische Landbote“ und den Offenbacher Carl Preller, der sie 1834 in seinem Betrieb an der Frankfurter Straße 17 heimlich druckte. Von Lothar R. Braun

Am Sonntagabend, zum Tag für die Literatur, füllte ein interessiertes Publikum die Industriehalle im Haus der Stadtgeschichte. Nur an den Mikrofonen vor ihrer Nase erkannten die Zuschauer darin mindestens ein Dutzend Mitwirkende: Kommunalpolitiker, Mitglieder des Theaterclubs Elmar, einen vermutlichen Nachkommen Carl Prellers, einen Kulturredakteur dieser Zeitung und andere.

Bei einer vom Verein Lecture Offenbach und seiner Gründerin Paula Kuhn konzipierten Veranstaltung lasen sie im Wechsel Texte von und über Büchner und seine Zeit. Das gesprochene Wort begleiteten historische Bildeinblendungen. Akustische Illustrationen fügte die Komponistin Krischa Weber am Violoncello ein: Trommeln des Aufruhrs, Sturmglocken, die Marseillaise. Ein oberhessisches Räuberlied, das gute alte „Die Gedanken sind frei“ – Weber malte Bilder aus Klängen. Vertrautes aus dem Volksliedschatz summte das Publikum mit.

Erzählt wurde ein spannendes Kapitel aus der Schöpfungsgeschichte der demokratischen Gegenwart. Wer nicht sattelfest ist in der Geschichte des frühen 19. Jahrhunderts mit seinen Unterdrückungen und Rebellionen, hätte vermutlich eine Führung durch das Programm begrüßt.

Steckbrief zur Fahndung nach Büchner

Man vernahm den Steckbrief zur Fahndung nach Büchner, hörte Auszüge aus den Karlsbader Beschlüssen von 1819 und aus Briefen des Dichters, aber für den Unkundigen verband sich das nicht sehr schlüssig.

Etwas zu kurz kamen die Dramen des jung verglühten Dichters. Geboten wurde eine politisch-historische Collage des Vormärz, der Epoche vor der Märzrevolution von 1848. Wer sie als die Epoche des Biedermeier bezeichnet, blendet aus: die Restauration fürstlicher Machtausübung, die Zensur, die Kerker, das wütende Verlangen nach Freiheit, die Ohnmacht der Untertanen und die Exilanten, zu denen Georg Büchner aus Goddelau und Carl Preller aus Offenbach gehörten. Für andere war das die Zeit des Rückzugs in die häusliche Idylle.

Das Programm korrespondierte mit der im selben Saal gezeigten Ausstellung von Gemälden Georgia Wilhelms und Videoinstallationen Cornelia Dollackers, die damit zu Ende ging. Mit frühsommerlichen Feld-, Wald- und Wiesenmotiven scheinen sie von dem Weg zu erzählen, den Büchner nächtens von Gießen nach Offenbach wanderte, im Gepäck sein Manuskript mit dem Aufruf „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“.

Das Projekt genoss die Unterstützung einer großen Zahl von Förderern und Partnern. Die Mediengruppe Offenbach-Post gehörte ebenso dazu wie der Hessische Rundfunk.

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