Spuren verblassen immer mehr

Monika Krämer (links) vor dem Modell des Isenburger Schlosses.Foto: Georg

Offenbach - 330 Jahre lang herrschten die Grafen und späteren Fürsten Isenburg über Offenbach. Unter ihnen gewann das unbekannte Dorf Konturen.

Doch gäbe es nicht ihr Schloss am Main, dann wäre die Erinnerung an die heute im Vogelsberg lebenden Isenburger mittlerweile vom Strom der Zeit verwischt. Im Haus der Stadtgeschichte suchte Monika Krämer am Sonntag Spuren des für die Stadtentwicklung so prägenden Geschlechts.

1486 waren die Isenburger die alleinigen Herren über Offenbach geworden. Sie hatten es geerbt von den Falkensteinern, 1418 zunächst in Erbengemeinschaft, dann im Alleinbesitz. Es ist eine verwickelte Geschichte von Heiratspolitik, Erbauseinandersetzungen, Verpfändungen und Schacher um Machtpositionen. Für Offenbach wichtig ist, dass die Isenburger das 500-Seelen-Dorf zu ihrem Residenz- und Hauptort erkoren. Ohne diese Entscheidung wäre die Stadtentwicklung gewiss anders verlaufen.

Monika Krämer erzählte, woher sie kamen: Von der Isenburg bei Neuwied, schon zu den Einflussreichen zählend, als sie Offenbach gewannen und hier ein Schloss auf die Mauern einer alten Wasserburg setzten. Es sollte Schauplatz historisch bemerkenswerter Begegnungen werden, aber im Jahr 1900 kam es unter den Hammer, weil die längst zu privaten Bürgern gewordenen Fürsten sich verschuldet hatten.

Seitdem gehört das Isenburger Schloss dem hessischen Staat, der bereits 1816 das Fürstentum übernommen hatte. Offenbach und der Süden des Fürstentums ist damals an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt gefallen, der Norden an das Kurfürstentum Hessen-Kassel. Was heute ohne Belang ist, weil beide nur noch Hessen sind.

Was außer dem Schloss ist in Offenbach geblieben von den Isenburgern? Verschwunden ist das „Stadthaus“ an der Frankfurter Straße, wo die Isenburger residierten, nachdem ihnen das Schloss zu ungemütlich geworden war. Geblieben ist sein Gegenüber, das „Altfürstinhaus“ an der Ecke Aliceplatz, das alte Offenbacher noch immer „das Haus Hassert“ nennen. Monika Krämer malte aus, wie Lakaien die Speisen für die fürstliche Tafel über die Frankfurter Straße schleppten, von dem einen ins andere Haus, weil es für beide nur eine einzige Küche gab: „Die Offenbacher konnten immer riechen, was dort auf den Tisch kam“.

Monika Krämer zeigte auf, wie der Isenburger Landesherr mit der Aufnahme französischer Glaubensflüchtlinge Gewerbe, Kapital und weitreichende Verbindungen in sein Dorf holte. Es war eine entscheidende Weichenstellung. Zu reden war vom Fürsten Carl, dem letzten Regenten, der 1815 ins Schweizer Exil flüchtete. Sein Name lebt fort in der Offenbacher Freimaurerloge „Carl und Charlotte zur Treue“. Vieles wäre noch zu berichten und zu erläutern gewesen. Doch Monika Krämer legte nur so viele Spuren frei, wie sich ohne Ermüdung betrachten ließen. Ihr Publikum dankte es ihr mit lebhaftem Interesse.

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