Insolvenzverschleppung

Waldhof-Areal: Staatsanwaltschaft ermittelt

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Nicht mehr problemlos zu nutzendes Baugelände, sondern Biotop: Das Waldhof-Areal des Klinikums hat enorm an Wert verloren.

Offenbach - Der regelmäßige Besuch eines Schäfers und seiner Schafe hätte verhindern können, dass die Stadt beim Verkauf ihres Klinikums nochmal kräftig drauflegen muss. Von Thomas Kirstein

Weil aber darauf verzichtet wurde, ist aus wertvollem Baugrund von Umweltamts wegen ein kaum mehr zu vermarktendes Biotop geworden. Und diese Entwicklung erhöht den Betrag, den die Stadt dem Krankenhaus-Käufer überweisen muss.

2004 stellte es eine wertvolle Gabe der Stadt Offenbach an ihr Krankenhaus dar. 22.000 Quadratmeter hochverdichtet zu bebauendes Gewerbegebiet in Bieber-Waldhof stärkten das Eigenkapital der Klinikum GmbH. Einen Wert von fast sieben Millionen Euro ermittelte damals der Gutachterausschuss.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Insolvenzverschleppung

Auch die Nutzung des Areals an der Seligenstädter Straße war bereits so gut wie festgelegt: Das Klinikum wollte dort mit überregionalen Partnern ein großes Logistikzentrum bauen. Dieser Plan hat sich 2012 zerschlagen. Doch 2013 ist aus ganz anderen Gründen daraus ein Debakel mit finanziellen und möglicherweise auch juristischen Folgen geworden. Unter Hinweis auf ein laufendes Verfahren schweigt der zuständige Klinikdezernent, Bürgermeister Peter Schneider (Grüne).

Unsere Zeitung besitzt aber Informationen, wonach die Entwicklung des Waldhof-Grundstücks Bestandteil staatsanwaltlicher Ermittlungen aufgrund einer anonymen Anzeige wegen Insolvenzverschleppung im Jahr 2010 ist. Es geht darum, dass das fragliche Grundstück 2008 aufgrund eines neuen Gutachtens massiv auf ein Zehntel abgewertet wurde, aber weiter mit sieben Millionen Euro die Bilanz verschönerte. Zu prüfen ist, wer die Korrektur verhinderte.

Stadt muss Sana-Gruppe noch mehr überweisen

Aktuell zeichnet sich ab, dass die Stadt Offenbach der Käuferin Sana-Gruppe noch mehr überweisen muss als bisher bekannt. Denn vereinbart ist, dass die Stadt ihr für einen symbolischen Euro den Besitzer wechselndes Klinikum mit einem positiven Eigenkapital von fünf Millionen ausstattet; Ende 2012 lag dieses aber bei minus 16 Millionen – inklusive des wohl nicht mehr haltbaren Buchwerts des Waldhof-Grundstücks. Ausgeglichen werden müssen auch noch die Verluste, die das Klinikum bis Juni einfährt. Immerhin: Der städtische Beitrag ist vertraglich auf insgesamt 50 Millionen Euro gedeckelt. Das Gelände geht auf jeden Fall in Sana-Besitz über.

Die Abwertung wäre wohl nicht notwendig geworden, wenn die Klinikum GmbH verhindert hätte, dass die Natur das Waldhof-Grundstück zurückerobert. Stattdessen hat sie es ab 2004 sich selbst überlassen, so dass sich ein – letztlich kapitalvernichtendes – Biotop entwickelte. Das Areal versumpfte zu idealem Nährboden für geschützte Pflanzen, Gesträuch bot seltenen Vögeln wie einer Bekassinen-Art Lebensraum.

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2008 gab es ein neues Gutachten, das die vom Umweltamt verordnete Schutzwürdigkeit des Geländes berücksichtigte. Folge war eine Reduzierung der bebaubaren Fläche beziehungsweise die Auflage teurer Ausgleichsmaßnahmen samt Umsiedlung gefährdeter Arten. Der Grundstückswert reduzierte sich auf höchstens 3,6 Millionen abzüglich Risikozuschläge. Hat der Biotop-Status Bestand bleiben bloß 700.000.

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Jürgen Amberger, bei der Stadt zuständig für Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, bestätigt auf Anfrage, dass so etwas unter der Obhut seines Amts kaum hätte passieren können. „Wir achten immer drauf, dass auf ungenutzten Flächen kein Biotop entsteht“, sagt er. Da wird eben rechtzeitig für den Schäfer samt grasender Herde gesorgt. Gemäht wurde in Waldhof übrigens zwischenzeitlich. Da stand das Gelände allerdings schon unter Schutz. Weswegen das städtische Umweltamt gegen Klinikum und städtischen Eigenbetrieb ESO ein Ordnungsgeld verhängt haben soll...

Gesundheitstage am Klinikum

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