Segensreiche Weihnachtsfeiern für SBB 

OFC-Miete geht über Umwege ein

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Offenbach - Als die Offenbacher FDP im Spätherbst nachbohrte, sah’s noch nicht so rosig aus mit dem ersten Jahresergebnis der ausschließlich fürs Sparda-Bank Hessen-Stadion zuständigen Stadtwerke-Tochter. Von Thomas Kirstein

90.000 Euro Verlust hatte sich die Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) zugestanden, im November drohte aber ein Minus von 247.000 Euro daraus zu werden.

Drei Monate später kann Stadtwerke-Chef Peter Walther jedoch die annähernde Erfüllung des ursprünglichen Plans verkünden: „Knapp unter minus 100. 000.“ Zu verdanken ist das in erster Linie dem „Veranstaltungsmanagement“: Die VIP-Räume des Stadions ließen sich unerwartet gut für Weihnachtsfeiern vermarkten und brachten der SBB segensreiche Zusatzeinnahmen.

Fest eingeplanten Mieteinnahmen

Hinter der Anfrage der FDP steckte indes die Sorge um die fest eingeplanten Mieteinnahmen aus dem Stadion. Offensichtlich bestanden Zweifel, inwieweit der Drittliga-Verein Kickers Offenbach seinen Verpflichtungen nachkommt. Dass dem OFC Geld fehlt und momentan Wirtschaftsprüfer die Bieberer-Berg-Finanzen unter die Lupe nehmen, ist kein Geheimnis.

Laut der im November erteilten Antwort des Magistrats auf die liberalen Fragen ist die OFC GmbH „aktuell nicht in der Lage, ihren vertraglich festgelegten Mietzahlungen voll umfänglich nachzukommen“. Dass die Stadiongesellschaft dennoch an ihr Geld gekommen ist, liegt an „umfangreichen Abtretungsrechten“. Unter anderem sind die Einnahmen aus der Logenvermietung aufs Konto der SBB geflossen. Nicht mit der Miete zu tun haben die vom OFC abgetretenen Rechte am Catering: Die Einnahmen aus Bier- und Wurstverkauf tilgen jetzt einen Zuschuss, mit dem die Stadtwerke sozusagen die Drittliga-Lizenz sicherten.

Abtretungen für 2013

Ob die bisher in Anspruch genommenen Abtretungen für 2013 ausreichen, ist offen. Stadtwerke-Chef Peter Walther will nicht ausschließen, dass eine weitere Vereinbarung zum Tragen kommt: Die SBB hat sich direkten Zugriff auf die rund 500.000 Euro gesichert, mit denen der Hauptsponsor Energieversorgung Offenbach die Kickers im Jahr unterstützt. 500.000 Euro beträgt auch die Jahresmiete für das Stadion.

Das im Herbst befürchtete höhere SBB-Defizit hatte indes nichts mit ausgebliebenen Mietzahlungen zu tun. Vielmehr war man bei der Projektkalkulkation zu optimistisch gewesen: So hatte die SBB gehofft, die Stadt werde auch ihr die 100.000 Euro zahlen, die vorher als Rasenpflege-Zuschuss an die Kickers gingen. Ebenso falsch war die Annahme, man brauche keine Grundsteuer für das Stadion zu zahlen.

Finanzielle Situation des Vereins

In der Antwort auf die Stadtverordneten-Anfrage macht der Magistrat deutlich, dass die Stadttochter SBB dem OFC nichts überweisen werde, ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten: „Der Magistrat sieht keine weitergehenden kostenneutralen Möglichkeiten, die finanzielle Situation des Vereins langfristig zu optimieren.“

Daran wird wohl auch nichts ändern, dass im Falle einer Insolvenz der OFC GmbH auch das Ende der SBB naht. Laut Magstrat wären dann nicht nur die halbe Million Miete weg, sondern ebenfalls die gleiche Summe, die die Sparda-Bank Hessen für die Namensrechte zahlt. Letztlich säße dann die Stadt auf dem toten Kapital jener zehn Millionen Euro, die sie über ihre Stadtwerke ins 25-Millionen-Projekt eines neuen Stadions eingebracht hat.

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