Keine Sportwetten am Berg

Offenbach - Ujääähhiii. Das Geräusch erinnert an japanische Godzilla-Filme. Es ist allerdings keine mutierte Echse, der das durchschneidende Kreischen gestern entspringt. Von Martin Kuhn

Mittels einer hydraulischen Schrott-Schere durchtrennen Arbeiter Stahlträger der Henninger-Tribüne am Bieberer Berg. Ende der Woche ist sie niedergelegt, verspricht Bauleiter Bastian Ulbrich, „dann Teile rausziehen, Fläche ebnen“. In der ersten Januarwoche fertigt die Bremer AG bereits die Fundamente der vierten neuen Tribüne.

„Alles im Zeitplan“

„Alles im Zeitplan“, freut sich Peter Walther, Chef der Stadtwerke-Holding und Geschäftsführer der Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) und letztlich Bauherr. Ein gewisser Stolz schwingt mit, als er gestern durchs Stadion führt, den Fortschritt der Arbeiten den zahlreichen Journalisten präsentiert. Man darf seine Freude getrost teilen: In der 3. Liga dürfte es das Schmuckstück schlechthin sein, das nagelneue Sparda-Bank-Hessen-Stadion.

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Es wird an vielen Ecken parallel gewerkelt: Vor dem Stadion verlegen Arbeiter Pflastersteine, in der Haupttribüne spachteln sie Rigipswände glatt, ein anderer lackiert im Pressebereich Türrahmen. Komplett funktionsfähig ist der Umkleide- und Sanitärbereich für Mannschaften und Unparteiische. Die Kabine für die Kickers ist gut 20 Quadratmeter größer als das alte Pendant unter der ehemaligen „Henninger“ und erst recht nicht zu vergleichen mit dem Vorgänger unter der Stehtribüne.

„Das alles ist für drei Punkte gut“

Feuertaufe für die Funktionsräume bildete die Partie gegen Preußen Münster (3:0). „Man sieht, das alles ist für drei Punkte gut“, flachst Walther, während Betriebsleiter Andreas Herzog die Journalisten zu einem kleinen Zwischenspurt animiert. „Gleich kommt das Team vom Training.“ Also: Kurzer Blick auf das heiligste Refugium in der allgegenwärtigen Farbgebung in rot-weiß – samt Trainingsplan, Taktiktafel, Badeschlappen und duschendem Betreuer. In der anderen Tribünenhälfte, getrennt durch die sogenannte Mixed-Zone für Interviews, liegt der Gästebereich: Der ist sogar noch ein Stückchen größer. „Ein guter Standard in der 3. Liga“, so Herzog. Ob das Interieur den Preußen gefiel, ist übrigens nicht verbürgt...

„Sicher keine Wettbüros“

Die Zweiteilung setzt sich im gesamten Komplex fort: zwei Zufahrten für die Mannschaftsbusse, zwei VIP-Bereiche für jeweils 400 Besucher, zwei Arrestzellen. Die bieten allerdings weder einen Blick aufs Spielfeld noch auf die Bieberer Straße. Diesen können sich Interessenten (neben dem Hauptmieter OFC Kickers) ergattern. Im dritten Stock der Haupttribüne stehen noch 1050 Quadratmeter frei, in der Ladenpassage direkt an der Bieberer Straße annähernd 500 Quadratmeter. Dann wäre der asymmetrische Blick von der Gegengeraden passé. „Die derzeitige Verblendung würden wir durch Fenster ersetzen“, so Projektleiter Frank Jalowy.

Mietpreise, die er für die SBB erzielen will: 10 bis 11 Euro im dritten Stock, 11 bis 13 Euro neben Sparda-Bank-Filiale und Bäckerei. „Wir suchen hochwertige Mieter, mit dem Fortschreiten der Arbeiten wird das sicher leichter“, sagt er mit Blick auf die sachliche Architektur und die dunkelroten Klinker. Peter Walther schränkt ein: „Sicher keine Wettbüros.“ Deutlich weiter vorangeschritten ist die Vermietung der zehn Logen: Bereits acht haben die Kickers an die Fußballanhänger gebracht.

Rubriklistenbild: © Georg

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