Stadionwurst sichert Lizenz

Offenbach -  Die Stadt lässt ihre Kickers nicht verkommen, auch nicht sportlich. Von Thomas Kirstein

Nachdem das Riesenprojekt eines 20-Millionen-Stadionneubaus gestemmt und gestartet ist, wird auch Hilfe im kleineren Maßstab geleistet: Die Stadt Offenbach beziehungsweise die Stadtwerketochter Stadiongesellschaft Bieberer Berg (SBB) haben dazu beigetragen, dass die Profimannschaft des OFC vom Deutschen Fußballbund (DFB) die Lizenz für die kommende Spielzeit in der 3. Liga erhielt.

Wie im Sportteil mehrfach berichtet, war die Lizenzerteilung keine hundertprozentig sichere Angelegenheit gewesen. Der Verein sollte noch liquide Mittel im fünfstelligen Bereich nachweisen. Nichts dran ist an dem Gerücht, die Stadt habe bei der Erfüllung der Auflage durch eine Bürgschaft geholfen oder gar durch einen zeitweiligen Erlass des auf rund 470.000 Euro festgesetzten Mietzinses, den der OFC für seinen neuen Sportplatz an die Stadiongesellschaft zahlen muss.

Vielmehr lässt sich die Hilfe auf die flapsige Formel verkürzen, dass auch die Stadionwurst die Drittliga-Lizenz gesichert hat. Wie Peter Walther, sowohl Geschäftsführer der Stadtwerke Holding als auch der SBB, erläuterte, hat man sich vom Verein Offenbacher Kickers auf drei Jahre die sogenannten Catering-Rechte übertragen lassen: Der Betreiber der Verpflegungsstände zahlt dem Veranstalter, also in der Regel den Kickers einen Bonus, eine Summe X pro verkaufter Bratwurst und ausgeschenktem Becher Gerstensaft.

„Der DFB wollte wissen, wie wir das stemmen."

Im Jahr soll deren Gegenwert ungefähr 100 000 Euro entsprechen - für 2011 blieb wohl genug übrig, um dem DFB eine ausreichende Barschaft nachweisen zu können. Beschlossen hat die Übernahme der Rechte der mit Vertretern der Stadt besetzte Aufsichtsrat der SBB. „Wir können das wirtschaftlich gut verantworten“, sagt Peter Walther.

Die zeitweilige Übertragung der Rechte sei ein Baustein gewesen, um die Lizenz zu erhalten, erläutert Thomas Kalt, der Geschäftsführer der OFC-Profi-GmbH. Das Geschäft mit der SBB sei besser, als Mittel zu banküblichen Konditionen in Anspruch nehmen zu müssen. Man müsse durch eine schwierige Bauphase, in der sich geringere Einnahmen und erhöhte Anforderungen an die Sicherheit träfen. „Der DFB wollte wissen, wie wir das stemmen“, sagt Kalt.

Nach der letztlich vergurkten Saison 2010/11 sieht es finanziell beim OFC nicht unbedingt rosig aus. Die Negativserie der letzten Monate vertrieb die Zuschauer - etwa 300 000 Euro fehlten in der Kasse. Der in der Vorrunde als fast sicher erachtete Aufstieg blieb aus, auch die fest eingeplanten Einnahmen aus dem DFB-Pokal müssen abgeschrieben werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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