Der Stadt einiges geben

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Der frühere Städelschüler und Offenbacher Designer Bernd Fischer inmitten seiner kunstvoll gerasterten Porträts.

Offenbach - Die Grabenstraße, eine kurze Gasse in Offenbachs östlicher Innenstadt, ist vielen unbekannt. Das könnte sich jetzt ändern, wenn die neu gegründete Künstlerinitiative „Werkstatt-haus Offenbach (WH-O)“ ihre Tore zu Fest und Ausstellung öffnet. Von Reinhold Gries

Im funktionalen Hinterhaus der Grabenstraße 9 werden am 24. und 25. September von 14 bis 17 Uhr sieben professionelle Künstler und Dozenten Einblick geben in ihre Arbeit wie in Bildungskonzepte und Projekte, die der Kreativstadt Offenbach gut zu Gesicht stehen.

Initiiert vom Offenbacher Maler und Designer Bernd Fischer, außerhalb seiner Heimatstadt oft bekannter als in ihr, haben sich hiesige Kreative zusammengetan, um berufliche Erfahrungen in Kursen für Anfänger und Fortgeschrittene weiterzugeben. Darunter sind auch einige, die aus dem umstrittenen Städelschul-Lehrbetrieb ausgeschieden sind, um etwas in Offenbach zu bewegen.

Deren künstlerisches Angebot hat Qualität und Vielfalt: Illustratorin und Bühnenbildnerin Emmanuele Barone will mit Stilübungen tiefergehend ins Porträtieren einführen, Kunstpädagoge Klaus Schneider auf zeichnerische Art den Weg des Gestaltens von innen nach außen nachvollziehen, auch am klassisch-modernen Bildhauer Giovanni Giacometti. Dagmar Rees hat bei einem Florenz-Aufenthalt alte Buchbindetechniken entdeckt, mit denen sie in die vierte Dimension – die Zeit – vorstoßen möchte. Die in Offenbach lebende und arbeitende Spanierin und Städel-Meisterschülerin Susana Ortiz Maillo hat sich dem Radieren und Drucken verschrieben. Im Umgang mit Farbe möchte sie vermitteln, wie man künstlerische Potenziale erkundet. Eckhard Gehrmann, Preisträger der Internationalen Senefelder-Stiftung in Offenbach, widmet sich dem freien Zeichnen und Komponieren, gestisch wie realistisch, perspektivisch wie skizzenhaft.

Kopf des „WH-O“ ist freilich der 1954 in Offenbach geborene Bernd Fischer, der auch Akt-Zeichenkurse anbietet. In den 80ern an Offenbachs Hochschule für Gestaltung (HfG) und als Meisterschüler an der Städelschule ausgebildet, hat er seine 15-jährige Städel-Lehrtätigkeit aufgegeben, um künstlerische Energie und soziale Kompetenz im WH-O zu bündeln. Feste Größe dort ist auch Kommunikations- und Industriedesigner Max Markus Schröder, der in der geräumigen Werkstatt im Obergeschoss seinen zweiten Beruf als freier Künstler lebt. „Das ist mein Gegenpol zu angewandter Gestaltung“, kommentiert er eine fantasievolle Pastell-Suite, an der er gerade arbeitet.

Auch Fischer gibt jahrelange Zurückhaltung auf, wenn er über Ziele spricht: „Ich möchte, dass unsere Initiative bekannter wird. Wir alle haben etwas zu bieten, jede Etage steht für sich. An das Offenbacher Kulturforum bin ich zwar noch nicht herangekommen, aber wir glauben, dass wir der Stadt einiges geben können.“ Was Fischer geben kann, sieht man in seinem Atelier. An Wänden reihen sich farbige, verschieden gerasterte Porträts, die man teilweise zu kennen glaubt. Schritt für Schritt wird die Wirkung der Personen, die alle Blut an den Händen hatten, künstlerisch-manipulativ verändert. „Es ist erschreckend, wie harmlos solche Menschen dann wirken können“, kommentiert Fischer.

Auch seine „radiologischen Bilder“ dringen tief ins Innere des Menschseins, buchstäblich durch die Schädeldecke. „Diese radiologische Phase habe ich hinter mir gelassen“, bemerkt der vielseitige Künstler, um auf neuere Arbeiten in Antikglas überzugehen. Dabei kombiniert er Siebdruckverfahren mit malerischer Technik, um Tiefe in kunstvoll überlagerte Farbschichten und Formen zu bekommen. Dass solches Glas brechen kann, sieht man an einem speziell gefertigten Kasten, der umkippte. „Der Schaden beläuft sich auf mehrere tausend Euro“, bemerkt Fischer frustriert, um dann über seine gläsernen Gedenktafeln zu sprechen. Nicht nur für die Anne-Frank-Fotogedenkwand in der Frankfurter Dornbuschpassage hat er viel öffentliche Anerkennung bekommen, auch für eine hinterleuchtete Glaswand in der Wiesbadener Marktkirche, Glasmalereien in der Münchener Innenstadt und die Gestaltung des ersten Innovationspreises weltweit. Da ist es an der Zeit, dass der Prophet auch etwas im eigenen Land gilt…

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