Stadt folgt dem Kerzenlicht

Offenbach - Klack. Klack. Klack. Das Geräusch erinnert, am Freitag hundertfach wiederholt, an Morsesignale. Es sind jedoch die Zündmechanismen von Feuerzeugen, die unablässig betätigt werden. Kein Wunder. Schließlich wollen gut 70.000 Windlichter an diesem Abend entzündet sein. Von Claudia Bechthold und Martin Kuhn +++Fotostrecke+++ Video+++

Das schmerzt vor allem die Daumen, mitunter aber auch den Rücken, die Knie oder andere Körperteile. Wie das? Ganz einfach. Die Offenbacher entwickeln individuelle Techniken, wie ihre Schaubilder, Schriftzüge oder Signets schnell und effektiv beleuchtet werden. Manche beugen sich mit durch gestreckten Beinen und zündeln von oben - das schmerzt bald im Rücken. Andere bevorzugen die knieende Arbeitsweise - man ahnt, wo’s schnell zwickt.

Impressionen aus dem Büsingpark

Einige legen sich auf den Rasen und flammen aus einer Art stabilen Seitenlage - das macht müde. Und überhaupt. „Die Feuerzeuge sind nichts“, ist immer wieder zu vernehmen. Oh je. Dabei war das städtische Team so froh, auch für die 700 Taschenflammer einen Sponsoren gefunden zu haben. Das macht aber nichts. Die Offenbacher helfen sich gegenseitig bei der Illumination des Büsingparks.

Die Vereine, Verbände und Institutionen sind teils sehr kreativ, nehmen das Motto des Abends „Stars and Stripes – America’s Most Wanted“ dankbar auf. So ist mitten im Park die amerikanische Freiheitsstatue nachgebildet. Bei den OFC-Handballern hält die Figur keinen Handball fest, sondern die Fackel der „Statue of Liberty“. Und die Malerinnung legt auch was Pfiffiges hin. Wer grübelnd vor ihrem Kunstwerk steht, wird per Zettel aufgeklärt: „Für uns sind die Straafe der Maa, und die Sternscher sin die Orte um die Maaschleif. Was des mit Amerika zu tun hat, waas ich net.“ Na, wenigstens ehrlich sind die Maler...

Bilder des Lichterfestes

Impressionen vom Lichterfest

Perfekt ausgerüstet zeigen sich etliche Gäste beim mittlerweile fünften Fest im Herzen der Stadt. Es ist sozusagen die Professionalisierung einer Idee, die 2004 noch mit leicht skeptischen Blicken beäugt wurde: Eine dicke Kolder ist heute nahezu obligatorisch, der Campingstuhl samt Kühlbox ebenso.

Regelrecht zelebriert haben aber Mitglieder der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht (IGBiF) das Lichterfest. Um die herrliche Illumination und die tolle Musik richtig genießen zu können, bauen sie eine lange Tafel auf, decken ein samt Tischtuch und schaffen sogar ganz professionell im Wasserbad warmgehaltenes Essen heran. Ja, so lässt es sich genießen...

 Impressionen aus dem Büsingpark

Apropos Essen: Zu den weniger gern gesehenen „Besuchern“ des Festes zählen, zumindest so lange es noch hell ist, auch unzählige Wespen. Und so mancher Gast muss entweder sein Essen verteidigen oder flüchten, wenn die manchmal angriffslustigen Insekten untersuchen, ob das nicht auch eine Mahlzeit für sie sein könnte, was da Leckeres auf den Tellern liegt. Unbeliebt machen sich dabei jene Menschen, die anfangen, heftig nach den Wespen zu schlagen. Das macht die Insekten ja oft erst aggressiv. Ganz still wird sogar ein solcher „Schläger“, als die Wespen plötzlich verschwinden, da Artgenossen auftauchen. Die darf sogar am Bierchen nippen. Hornissen beruhigen offenbar selbst „Wedler“ und „Fuchtler“...

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Mit großem Orchester gen Westen

Zu denen zählt Matthias Müller, Sprecher und Organisator der Stadt, sicher nicht. Er ist am Abend mit seinem ganzen Team anwesend und freut sich: „Ein tolles Fest, das allen Spaß macht. Die Vereine, die die Motive legen, übertreffen sich jedes Jahr aufs neue. Allen gilt unser Dank.“ Zu notieren ist lediglich ein kleiner Zwischenfall: Es gibt ein Schaubild in Flammen, das beherzte Helfer mit einem Feuerlöscher ersticken. Müller: „In einer Nachbesprechung mit der Feuerwehr wird das Thema sein.“

7.000 Gäste freuten sich über die Lichter

So. Ansonsten alles super. Enttäuscht zeigen sich nur einige Besucher nach dem Ende des Konzerts, dass einige Vereine ruckzuck ihre Kerzen löschen. „Schade, wir wollten noch in aller Ruhe die Bilder ansehen.“ Aber solche Details trüben keineswegs das positive Gesamtbild. Gut 7.000 Gäste, so die offizielle Schätzung, erlebten Offenbach von seiner schönsten Seite. Das bestätigen am nächsten Tag auch die beiden Freunde aus dem Kreis Dithmarschen in Norddeutschland. Die finden Fest, Stimmung und Ambiente einfach bärig...

Vielleicht kommen sie ja nächsten Jahr wieder vom Nord-Ostsee-Kanal an den Main. Der voraussichtliche Termin fürs sechste Lichterfest: Freitag, 20. August,

Rubriklistenbild: © Bernd Georg

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